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Symbolbild

Richterspruch

Nach Messerattacke auf Vater: Neu-Isenburger wird in Psychiatrie eingewiesen

Weil er seinen Vater mit einem Messer schwer verletzt hat, wird ein 35-jähriger Neu-Isenburger in die Psychiatrie eingewiesen. Der Richterspruch der zwölften Strafkammer des Landgerichts Darmstadt ist keine Überraschung – der Angeklagte ist bereits seit Ende April in psychiatrischer Verwahrung.

„Katatone Schizophrenie“ lautet die Diagnose für den Täter, den Vorsitzender Richter Dr. Christoph Trapp am Ende des Verhandlungstages nach Paragraf 63 des Strafgesetzbuches einweist. Seinem Vater, 67 Jahre alt, hatte der Angeklagte am 29. April dieses Jahres mit einem Küchenmesser Schnitte im Kopf, Arm- und Oberkörperbereich zugefügt, zudem eine „säbelstichartige“, potenziell lebensgefährliche Wunde an der linken Schulter.

In der forensischen Psychiatrie sitzt der 35-Jährige seit dem Tag der Tat. Dass mit dem großen, korpulenten Mann gesundheitlich etwas nicht stimmt, ist gleich zu Beginn des einzigen Verhandlungstages erkennbar. Obwohl er sich bemüht und offenkundig über eine gute Intelligenz verfügt, bekommt er anfangs kaum einen Satz heraus. Seine Biografie verlief zunächst völlig normal: Schule, Fachabitur, Beginn einer Ausbildung zum Physiotherapeuten. Diese allerdings muss er nach einem Jahr abbrechen: Die erste psychotische Episode macht eine Weiterführung unmöglich.

Die Krankheit befeuert

„Ab 2005 ist sein gesamter Lebensweg von der Krankheit bestimmt“, stellt Dr. Sven Krimmer, psychiatrischer Sachverständiger aus Haina, fest. Stationäre Therapien, die der Angeklagte immer wieder abbrach, wechselten mit Zeiten, in denen es ihm recht gut ging. Regelmäßiger Cannabiskonsum in der Zeit als junger Erwachsener habe sehr wahrscheinlich die Krankheit befeuert – was kein Einzelfall sei.

Trotzdem gelingt es dem jungen Mann, die Ausbildung zum Industriekaufmann erfolgreich zu beenden. Ein Studium muss er nach kurzer Zeit abbrechen, in ein festes Arbeitsverhältnis schafft er es nie. Die bei einer Schizophrenie so wichtigen Medikamente habe er immer wieder wegen der Nebenwirkungen abgesetzt, so der Gutachter – sein Übergewicht sei Folge der Psychopharmaka. „Ich weiß nicht, was die Medikamente bringen sollen“, empört sich der Neu-Isenburger denn auch im Gerichtssaal.

„In den Kliniken hat er aggressives Verhalten gezeigt, er verhält sich fremdgefährdend und zeigt keine Krankheitseinsicht. Mal musste er fixiert werden, mal verbarrikadierte er sich im Krankenzimmer“, zitiert der Sachverständige aus den Akten. Bei einer katatonen Schizophrenie stünden psychomotorische Symptome im Vordergrund – „extreme Erregungszustände und Erstarrung lösen einander ab, begleitet von allgemeinen schizophrenen Störungen in Denken und Wahrnehmung“.

Warum er seinen Vater nachts im Schlafzimmer angriff, kann sich der Beschuldigte selbst nicht erklären. „Ich hatte das Gefühl, meine Mutter und ich werden vom Vater bedroht. Ich hatte mehrere beunruhigende Träume in dieser Zeit.“ Seine Hand habe das Messer geführt, nie habe er den Eltern schaden wollen.

Der Vater bestätigt den schlechten Zustand des einen seiner zwei erwachsenen Kinder. „Ihm ging es in der Zeit nicht gut. Er verließ mehrere Wochen nicht mehr seine Ein-Raum-Wohnung, ich habe ihm Essen und Trinken gebracht.“ Aus diesem Grund sei er am Tattag auch bei den Eltern gewesen.

Langer Schnitt in Schulter

„Nachts gegen 1.30 Uhr lief er mehrmals runter und wieder hoch. Irgendwann kam er mit einem Messer rein, da habe ich mich im Bett aufgesetzt.“ Nichts habe sein Sohn gesagt, er sei einfach auf ihn los gegangen. Der Rentner wehrt sich, im Flur bekommt er den langen Schnitt in die Schulter, im Wohnzimmer wirft er eine Vase nach dem Sohn. „Dann hat meine Frau ihm eine Plastikflasche über den Kopf gehauen, und ich lief blutüberströmt nach draußen und rief um Hilfe.“ Nachbarn riefen daraufhin die Polizei.

Von Silke Gelhausen

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