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Das in die Jahre gekommene Gebäude der Polizeistation und des Bürgerbüros soll abgerissen und von einem Neubau ersetzt werden.

Planung

Dreiherrnsteinplatz: Gravenbruch ändert Kurs in Sachen Stadtentwicklung

In unmittelbarer Nachbarschaft zum derzeitigen Standort der evangelischen Kita in Gravenbruch soll eine neue Einrichtung für Kinder gebaut werden. Das Grundstück gehört der Stadt.

Gravenbruch - Ein eigener Neubau einer Kindertagesstätte mit Verwaltungsstelle und Polizeistation am Dreiherrnsteinplatz soll nun her: Der Magistrat will den Kurs in Sachen Stadtentwicklung in Gravenbruch ändern. Zu entnehmen sind die Planungen einer Drucksache, die heute Abend von 19.30 Uhr an im Ausschuss für Familie, Jugend, Senioren und Soziales im Rathaus erstmals öffentlich beraten wird. Das Ganze hängt mit den Plänen der evangelischen Kirchengemeinde Gravenbruch zusammen, der bekanntlich eine Zäsur bevorsteht: Die Gemeinde plant seit längerem den Verkauf eines großen Teils ihres Grundstücks an einen privaten Bauträger, um an gleicher Stelle Wohnungen zu bauen.

„Der evangelische Kindergarten auf dieser Fläche, der in einem baulich schlechten Zustand ist und mittelfristig keine weitere Betriebsgenehmigung erhalten wird, muss dazu abgerissen und neu errichtet werden“, erläutert Bürgermeister Herbert Hunkel zu den nun vorgelegten stadteigenen Neubau-Plänen. Eine vom Bauträger vorgelegte Planung eines neuen Kindergartens im Erdgeschoss, überbaut mit mehrgeschossigem Wohnungsbau, beziffere die Kosten mit etwa 2,15 Millionen Euro für eine dreigruppige Kita. Zu diesem Mindestpreis (!) sei der Kita-Teil der Stadt denn auch zum Kauf angeboten worden.

Defizite bei der Planung

Allein: „Die vorgelegte Planung des privaten Bauträgers lässt jedoch schwierige Rahmenbedingungen für den Betrieb einer Kita innerhalb eines Gebäudekomplexes mit Eigentumswohnungen erkennbar werden, unabhängig von der eigentumsrechtlichen Problematik“, meint Hunkel. Zudem seien die Baukosten vom Bauträger nur grob dargestellt und nicht mit Details der Ausführung und Ausstattung hinterlegt. Und schließlich zeigten „das enge und zu klein bemessene Raumprogramm sowie eine ebenfalls zu kleine und sehr schlecht zu nutzende Außenspielfläche Defizite der Planung eines Kindergartens an dieser Stelle“.

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Deshalb, erläutert Hunkel, habe die Stadt nach einer Alternative gesucht. Und sei in unmittelbarer Nachbarschaft zum derzeitigen Standort der evangelischen Kita fündig geworden: Ebenfalls direkt am Dreiherrnsteinplatz nämlich. Dort biete sich, so meint der Magistrat, das städtische Grundstück zwischen Jugend- und Bildungszentrum als alternativer Standort für einen Neubau an. Gemeint ist also die Stelle, wo derzeit Polizeistation und Bürgeramt-Dependance zu finden sind. Das „sowohl von der Kubatur als auch der Bausubstanz nicht mehr zeitgemäße“ eingeschossige Gebäude mit Polizeistation und Verwaltungsstelle soll abgerissen und von einem Neubau ersetzt werden.

„In zwei Vollgeschossen lassen sich dort dann neben einer Kita mit drei Gruppen ausreichend Flächen für die Polizeistation sowie die Verwaltungsstelle unterbringen; mit einer zusammenhängenden, sehr gut nutzbaren Außenspielfläche von etwa 570 Quadratmetern in Richtung Schule orientiert“, erläutert Hunkel, was die Planer erdacht haben. In einem weiteren Staffelgeschoss könnten vier bis fünf Dienstwohnungen für Erzieher oder Mitarbeiter der Stadt Platz finden.

Mehr Rechtssicherheit

„Insgesamt“, fasst der Bürgermeister zusammen, „ist all das eine wesentliche, auch bauliche Verbesserung, auch für die Stadtentwicklung dort.“ Wichtig sei ihm vor allem, „dass wir mit dieser Neuplanung im eigenen Bestand mehr Rechtssicherheit haben“. Außerdem erspare dieser Weg der Stadt für die Zukunft einen erheblichen Erhaltungsaufwand für das sanierungsbedürftige Gebäude mit Verwaltungsstelle und Polizeistation.

Die Kosten für den Neubau haben die Planer auf insgesamt etwa 3,5 Millionen Euro angesetzt – inklusive der Abbruchkosten fürs Bestandsgebäude. Hunkel rechnet aber damit, für diese Lösung Fördermittel von mindestens 320 000 Euro über das „Gesetz zu Finanzhilfen des Bundes zum Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder“ bekommen zu können. Eine Finanzspritze, mit der nicht zu rechnen sei, „wenn die Kita von einem privaten Bauträger errichtet und seitens der Stadt von diesem erworben wird“, merkt Hunkel an.

Wer trägt die Kosten für den Kita-Neubau in Gravenbruch?

Schon im April 2018, als die evangelische Gemeinde dem Ortsbeirat ihre Pläne für die angedachten Veränderungen und ein Modell des Neubau-Projekts vorgestellt hatte, hatte sich gezeigt: Die Kirchengemeinde würde die Kita gerne weiterhin betreiben. Wer jedoch die baulichen Kosten für den in ihrer Planung integrierten Kita-Neubau tragen soll – also ob und in welchen Anteilen die Stadt und/oder die Gemeinde dafür zahlen – würde ein Knackpunkt sein. Lange wurde darüber verhandelt, einig wurde man sich offenbar nicht.

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Was die künftige Betreiberfrage angeht, heißt es in der Drucksache: „Die evangelische Kirche hat ihre Bereitschaft erklärt, auch bei dieser Variante den Betrieb des Kindergartens im städtischen Gebäude zu übernehmen, unter Beibehalt eines Zuschusses in Höhe von 15 Prozent der Betriebskosten.“

Hunkel hofft, dass die Fachausschüsse und letztlich das Stadtparlament der Variante einer Neuplanung im eigenen Bestand zuzustimmen, „die im Kosten-Nutzen-Vergleich deutlich günstiger ist“.

(hov)

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