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In einem unschönen Zustand ist das Gelände „Am Kalbskopf“, ein Filetstück im Stadtkern. Der Bauzaun trennt das Wohngebiet vom Gewerbegebiet. Bürgermeister Herbert Hunkel und auch der Investor wünschen sich eine schnelle Bebauung, sind sich aber noch nicht einig darüber, wie diese aussehen könnte.

Bisher noch nicht bebaut

Anwohner sind genervt vom lauten Stillstand auf dem Gelände "Am Kalbskopf"

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Vor dreieinhalb Jahren hat Georg Knöpfel das Gelände „Am Kalbskopf“ gekauft. Bisher wurde dort noch nicht gebaut. Der Grundstückseigentümer hat das Areal derweil an ein Busunternehmen vermietet, was der Anwohnerin Martina Keupnik gar nicht gefällt.

Es ist ein 26 000 Quadratmeter großes Filetstück inmitten von Isenburg. Für das Gelände „Am Kalbskopf“ gibt es bereits seit 2003 einen gültigen Bebauungsplan. Dort könnten sieben Wohngebäude mit fünf Geschossen in Bestlage entstehen. Anwohnerin Martina Keupink hofft, dass die Baustelle so schnell wie möglich eingerichtet wird. Für sie ist die Zwischenlösung mit Vermietung des Platzes ein untragbarer Zustand.

Keupink ist genervt und zermürbt. Mit hübsch abgeklebten Fenstern sitzt sie im Wohnzimmer im siebten Obergeschoss im Hochhaus der Gewobau am Buchenbusch. „Ich habe das Fenster abgeklebt, damit ich das Chaos da unten nicht sehen muss, wenn ich den Lärm schön ständig höre“, klagt die 51-Jährige. Seit 2001 lebt die Einzelhandelskauffrau in Frührente in dem Haus – und die meisten Jahre davon in schönster Ruhe. Der Blick auf das ehemalige Züblin-Bauhof Gelände war bis 2015 eine Wiese.

Vor dreieinhalb Jahren wurde das Areal verkauft – an Georg Knöpfel. Seit dem ärgert sich Keupink regelmäßig über die Geschehnisse auf dem Platz vor ihrem Wohnzimmerfenster. „Anfangs war es ganz schlimm. Da hatte er den Platz an eine Spedition vermietet. Und schon in den frühen Morgenstunden haben die Lasterfahrer die Motoren angelassen und eine halbe Stunde laufenlassen. Der Krach war unerträglich“, sagt Martina Keupink.

Nutzungsverbot erwirkt

Waren die Motorengeräusche direkt neben dem Fahrzeug noch aushaltbar, sei der Schall durch die hohen Betonmauern bis in den siebten Stock vervielfacht und eine Zerreißprobe für die Nerven der Frührentnerin. Sie deutet auch auf einen deutlichen Riss in der Wand ihres Wohnzimmers: Sie vermutet, dass dies ebenfalls eine Folge der Erschütterungen durch die Lastwagen sein könnte.

„Ich habe inzwischen das Baugesetzbuch gelesen, mich bis ins Detail damit beschäftigt, was der Grundstückseigentümer darf und was er nicht darf. Eine Hälfte ist als Wohngebiet ausgewiesen und darf gar nicht gewerblich genutzt werden“, sagt die Anwohnerin. Damit habe sie ein Nutzungsverbot für die Laster erwirken können.

Auch den Bauzaun, der das Grundstück heute sichtbar in Gewerbe- und Wohngebiet unterteilt, hat sie sich erstritten. Dennoch fühlt sie sich weiterhin von dem Grundstückseigentümer gegängelt: „Er vermietet an ein Busunternehmen, was er nach den geltenden Abstandsbedingungen zu den Wohnhäusern nicht darf. Und er hat den Platz als Parkplatz unter dem Titel ,Park & Fly’ im Internet angepriesen. Manchmal stehen hier viele Autos, die ständig an- und wegfahren“, klagt die Anwohnerin.

Auch der Abriss der auf dem Grundstück befindlichen Schwarzbauten, der nach einer Schlichtung bis März 2018 vereinbart war, wurde nicht eingehalten. Es habe bereits Gespräche mit Bürgermeister Herbert Hunkel, dem Bauamt, Georg Knöpfel und dessen Anwalt gegeben. Aber es habe sich nichts verändert. Sie sei auch nicht die Einzige, die sich gestört fühlt.

Unterschriften gesammelt

Keupink betont, dass sie 75 Unterschriften im Haus und in der Nachbarschaft gegen die Lärmbelästigung gesammelt habe. „Ich erwarte von einer Stadt und ihren Behörden, dass sie auf meine Beschwerden reagieren und auch Gesetze durchsetzen. Natürlich sind sie genervt – aber ich bin es auch.“ 13 Jahre habe am Buchenbusch die schönste Stille geherrscht und die Fledermäuse seien über das Areal geflogen – und jetzt müsse sie sich jeden Tag ärgern.

Grundstückseigentümer Georg Knöpfel weiß um das Problem von Martina Keupink. „Diese Frau ist etwas gewöhnungsbedürftig“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Er betont, dass er sich an die Regeln halte. Die Vermietung des Platzes sei für ihn ohnehin nur eine Übergangslösung, um ein bisschen Geld zu generieren. „Auf dem hinteren Teil (der des Wohngebiets; Anmerkung der Redaktion) stehen nur ein paar Autos. Die werden seit Monaten nicht bewegt, sie sind abgemeldet“, erklärt der Grundstückseigentümer.

Auf dem vorderen Bereich sei auch alles rechtens, was er dort mache. „Natürlich ist es mein Wunsch, dort zu bauen. Das Areal ist viel zu wertvoll, um es so brach liegen zu lassen“, betont Knöpfel. Derzeit gebe es Verhandlungen mit der Stadtverwaltung. Der Grundstückseigentümer wünscht sich eine Nachverdichtung des Bebauungsplans. Es gebe noch immer Gesprächsbedarf über die fünfgeschossige Höhe und auch die Anzahl der Häuser.

Bürgermeister Herbert Hunkel wünscht sich ebenfalls eine schnelle Einigung mit Georg Knöpfel. Dann wäre das Lärm-Problem von Martina Keupink behoben und die Stadt könne Wohnungen in dieser Bestlage sehr gut gebrauchen. „Wir können an dieser Stelle sehr viel Gutes erreichen und uns wäre sehr daran gelegen, wenn sich dort endlich was tut“, so Hunkel.

Natürlich müsse sich der Investor an den Bebauungsplan halten. Sieben Gebäude, fünf Geschosse, plus Staffelgeschoss. „Wir können über die Details noch sprechen. Aber zwölfgeschossig, wie im ersten Vorschlag unterbreitet, wird es an dieser Stelle nicht geben. Neu-Isenburg muss auch dieses Neubaugebiet verkehrlich verkraften“, betont der Rathauschef.

Für Martina Keupink hat er indes keine Nachricht, die sie zufrieden stimmen wird. Wenn sich der Grundstückseigentümer an die Regeln hält, gibt es keine Handhabe. Und auch zu einer Bebauung kann Knöpfel nicht gezwungen werden. Es gibt einen rechtskräftigen Bebauungsplan – er kann bauen, muss aber nicht. „Es ist sein Gelände, er entscheidet, wann gebaut wird“, so Hunkel.

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