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Infostand in der Fußgängerzone in der Bahnhofstraße: Bürgermeister Herbert Hunkel (von links) mit Karen Ehrlich, Christina Henze und Christa Arnold.

Regionaltangente West

Anwohner wollen Bürgerentscheid

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In die Diskussion um die Verlängerung der Regionaltangente West (RTW) in Neu-Isenburg kommt neuer Schwung. Morgen kommt das Thema im Bauausschuss zur Sprache. Die Gegner protestieren in einer Online-Petition. Doch damit nicht genug. . .

Ist die Regionaltangente West (RTW) Segen oder Fluch? Darüber wird in Neu-Isenburg viel und kontrovers diskutiert – am vergangenen Samstag auch zur Marktzeit in der Bahnhofstraße. Bürgermeister Herbert Hunkel informierte dort über die Pläne für das Vorhaben und lud die Passanten zur öffentlichen Bauausschusssitzung am Mittwoch ins Rathaus ein. Fachleute werden das Konzept noch einmal im Detail vorstellen. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Die Gegner der Verlängerung haben eine Online-Petition gestartet und einen weiteren Vorstoß unternommen. In einem offenen Brief an Bürgermeister Herbert Hunkel fordert der in dieser Sache engagierte Anwohner Ulrich Gottschalck einen Bürgerentscheid.

Für Hunkel, ein Befürworter der RTW-Verlängerung, gibt es jedoch keine Alternative. „Wir wollen nichts durchsetzen, sondern gemeinsam mit den Bürgern eine Lösung finden“, betonte Hunkel am Samstag und kündigte eine „Planungswerkstatt“ an. Bei solchen Großprojekten schreibt der Gesetzgeber ohnehin eine Bürgerbeteiligung vor, doch das Stadtoberhaupt will die Betroffenen nach eigenen Angaben noch stärker einbinden als vorgeschrieben.

Die als S-Bahn-Trasse ausgelegte neue Schienenstrecke soll von Bad Homburg gen Süden den Westen Frankfurts umfahren, zum Flughafen führen und von dort weiter bis Neu-Isenburg, möglicherweise bis Dreieich-Buchschlag oder gar Langen führen. Dies würde die Isenburger recht wenig tangieren, wenn nicht eine Verlängerung in den Westen der Hugenottenstadt ins Spiel gebracht worden wäre.

Von der einst geplanten Endstation am ehemaligen Güterbahnhof, bis dorthin liegen noch Gleise, soll die RTW bis in den Osten von Neu-Isenburg erweitert werden. Dafür gibt es mehrere Gründe: Einerseits könnten Beschäftigte aus dem Gewerbegebiet Ost dann nicht nur bequem, sondern auch umweltfreundlicher zu ihren Arbeitsplätzen kommen. Andererseits sollen aber auch die Bewohner des gerade entstehenden Neubaugebietes Birkengewann an das Schienennetz angebunden werden. Außerdem will die Stadt Neu-Isenburg auch allen, die derzeit noch aus dem Kreis Offenbach durch Neu-Isenburg zu ihren Arbeitsplätzen fahren, eine Option bieten, dann die RTW zu benutzen.

Dieser Aspekt gefällt vielen Isenburgern aber gar nicht, insbesondere den Anwohnern der Friedhofstraße. „Die haben es bequem, und wir den Lärm“, schimpfte Jürgen Czernio bei einer Bürgerversammlung zu diesem Thema. Andere sahen den Rettungsweg der Feuerwehr in Gefahr, dafür gibt es inzwischen eine Lösung – die Ausfahrt gen Norden durch das Birkengewann.

Aber auch der Kreuzungsbereich in der Stadtmitte, also dem Verkehrsknotenpunkt wo Friedhofstraße, Frankfurter Straße sowie Carl-Ulrich-Straße und Schleussnerstraße aufeinander treffen, stellt noch ein Problem dar.

Eine wichtige Grundlage für eine abschließende Einschätzung zur RTW ist für die Entscheider und für die Bürger das vom Verkehrsbüro Habermehl & Follmann entwickelte Stadtentwicklungskonzept Mobilität 2030. Die Studie zeigt, dass der motorisierte Individualverkehr in Isenburg bis 2030 um 30 Prozent zunehmen wird. Wenn die Stadt nichts unternähme, würden bald die Kreuzungen auf der Achse Carl-Ulrich-/Friedhofstraße überlastet und lange Staus zum Verkehrsalltag gehören, warnen die Spezialisten.

Zu den Unterstützern der Online-Petition zählt auch Ulrich Gottschalck. „Die Endhaltestelle Birkengewann/Gewerbegebiet Ost und erst recht die geplanten 750 P&R-Parkplätze dienen doch hauptsächlich dazu, die Einpendler der Umlandgemeinden zu einem Bahnanschluss an unserem östlichen Stadtrand zu locken“, kritisiert er. Bürgermeister Hunkel hält dagegen: „Der Verkehr wird in jedem Fall mehr werden, und mit der RTW entlasten wir die Anwohner in der Friedhofstraße.“

Der Rathauschef begründete seine Haltung im Gespräch mit Bürgern. Er sehe sich nicht als „Verwalter des Vorhandenen“, sondern als „verantwortungsbewusster Gestalter“ für die Zukunft seiner Stadt.

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