Neues Buch vorgestellt

Autorin Maiken Nielsen: Großvater diente auf Luftschiffen

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Im Zeppelin-Museum stellte die Autorin Maiken Nielsen ihre neuste Veröffentlichung „Unter uns die Welt“ vor. Der Roman handelt vom Leben ihres Großvaters, der auf Luftschiffen diente und sogar den „Hindenburg“-Absturz überlebte.

Mit den an der Decke schwebenden Zeppelinen, den Uniformen der Zeppelinmitarbeitern und feinstem Porzellan der Deutschen Zeppelin Reederei, war das Zeppelin-Museum in der Kapitän-Lehmann-Straße die wohl passendste Atmosphäre für die Lesung von Maiken Nielsen. Die norddeutsche Autorin, Reporterin und Rundfunksprecherin für das NDR-Fernsehen war zu Gast in Zeppelinheim, um ihr neustes Buch „Unter uns die Welt“ vorzustellen.

In dem Roman hat Nielsen die Lebensgeschichte ihres Großvaters Christian Nielsen aufgeschrieben, der als dritter Offizier den Absturz der „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 bei Lakehurst südlich von New York überlebt hat. Das Unglück, bei dem 35 Passagiere und Crewleute sowie ein Mann vom Bodenpersonal ums Leben kamen, steht aber nicht im Mittelpunkt der Geschichte. Maiken Nielsen gab den Zeppelinheimern einen Einblick in das Leben an Bord, über die Menschen, die auf den Luftschiffen arbeiteten und die Passagiere. „Ich möchte mit dem Buch erzählen, was es für ein schönes Gefühl war, im Zeppelin zu sitzen. Ich habe mir selbst immer wieder versucht vorzustellen, wie es wohl war, über die Welt zu gleiten“.

Ihr Großvater war ein interessanter Mann. Als Junge einer eher armen Familie auf Sylt geboren, will er die Welt entdecken. Als sein Vater im Ersten Weltkrieg fällt, ist der Traum vom Fliegen vollends unerreichbar. Immerhin kann er auf der Yacht eines amerikanischen Millionärs anheuern und mit ihm auf Weltreise gehen. Seine Erfahrungen macht er sich zunutze und heuert schließlich auf der Graf Zeppelin an und steigt die Karriereleiter bis zum dritten Offizier auf dem Luftschiff nach oben.

Der Roman umfasst auch das Weltgeschehen zwischen den beiden Weltkriegen, Nielsen war bei dem Börsencrash in New York selbst mit dabei. 57 Fahrten führten ihn mit der Graf Zeppelin immer wieder nach Rio de Janeiro. Maiken Nielsen nimmt ihre Leser mit auf diese wundervollen Reisen, die sie in einer solch lebendigen Sprache mit feinen Worten beschreibt, dass das Publikum beinahe den salzigen Geruch des Atlantiks riecht oder später die jadegrünen Hügel über Marokko und die Gruppe Hammerhaie vor sich sieht.

Dabei war die Recherche nicht einfach. Maiken Nielsen konnte ihren Großvater selbst nicht mehr fragen. Er hat den dramatischen Unfall auf der Hindenburg überlebt – starb aber als Pilot eines Kampfjets im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkrieges. Ihr eigener Vater war damals gerade einmal vier Jahre alt. Sie setzt ihr Buch aus vielen Tausend Puzzleteilen zusammen, aus alten Briefen, Tagebucheinträgen, Gesprächen mit ihrer Großmutter und natürlich alten Dokumenten. Es sind viele Details, die Nielsen belegen kann, sie schreibt über die Speisen auf den Luftschiffen, die sie auf alten Karten recherchiert hat, verarbeitet sogar die passenden Weinsorten und legt die geschichtlichen Zusammenhänge dar.

Viel Hilfe erfuhr sie von dem amerikanischen Zeppelinhistoriker Patrick Russel, der viel über den Großvater wusste. „Er hat auch herausgefunden, warum Christian Nielsen als ständiges Crew-Mitglied der Graf Zeppelin an diesem Absturztag überhaupt auf der Hindenburg war. Eines Tages schrieb er mir, dass der eigentliche Mitarbeiter Otto Bedau kurzfristig abgesprungen ist, weil er zu einer Schulung nach Berlin musste“, berichte die Autorin. Das Haus von Bedau hat sie bei ihrem Besuch in Zeppelinheim gleich besucht.

„Das war ein Glücksgefühl, dort heute zu stehen“, berichtet Nielsen mit einem Lächeln. Sie habe die Idee, das Buch zu schreiben, schon fast zehn Jahre mit sich getragen. „Es ist nicht so einfach, über die eigene Familie zu schreiben. Ich wollte niemanden glorifizieren und niemanden verletzen“. Ein bisschen Fiktion hat „Unter uns die Welt“ dann aber doch. Es gibt auch eine Liebesgeschichte, die frei erfunden ist – vielleicht aber doch einen Funken Wahrheit enthält.

Nach der eigentlichen Lesung erzählten die Zepplinheimer von ihrem Nachbarn Otto Bedau oder auch von Eduard Boetius, der gemeinsam mit Christian Nielsen den Absturz überlebt hat. Eine Dame berichtete sogar, dass ihr Vater auch auf der Graf Zeppelin war und ihnen als Kinder von den Weltfahrten frische Ananas mitgebracht hat. Der Funke der Leidenschaft für den Zeppelin ist in dem Museum an diesem Abend auf jeden Fall übergesprungen. Maiken Nielsen nahm sich auch noch Zeit, ihre Romane zu signieren.

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