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Florian Obst (2. von links) in der Gesprächsrunde mit Thorsten Schäfer-Gümbel, Andrea Gerlach sowie dem Pädagogen Dejan Mihajlovic aus Freiburg.

Digitalisierung

Bildungssystem weist Lücken auf

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Digitalisierung im Unterricht ist nicht das A und O, so lautete die Erkenntnis beim bildungspolitischen Gespräch der SPD. Auch müssten Lehrer besser fortgebildet werden.

Dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, ist eine altbekannte Weisheit – und dass ein Whiteboard im Klassenzimmer noch lange kein Indiz für eine moderne Unterrichtsmethode ist, dürfte nach dem interessanten Gespräch am Montagabend im Bildungszentrum West in Neu-Isenburg allen Beteiligten klar geworden sein. Für die bald anstehende Landtagswahl hat sich SPD-Spitzenkandidat auch das Thema Bildung und modernes Schulsystem auf die Fahnen geschrieben. Anlässlich seiner Sommertour führte SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel gemeinsam mit dem Pädagogen und Bildungsexperten Dejan Mihajlovic aus Freiburg und der Landtagskandidatin für den Wahlkreis Offenbach-West, Andrea Gerlach, ein bildungspolitisches Fachgespräch.

Die Digitalisierung der schulischen Bildung ist eine der großen Herausforderungen, die in Hessen vorangetrieben werden muss. Angefangen von der Lehrerausbildung bis hin zu einer verantwortungsvollen Didaktik im Umgang mit neuen Medien, dafür will sich die SPD im Rahmen ihre Wahlkampfes für die anstehende Landtagswahl lautstark einsetzen.

Im Kreis Offenbach wurden nicht zuletzt durch die PPP-Maßnahmen (Public Private Partnership) des Kreises als Schulträger fast alle Schulen saniert und modernisiert. Sie stehen also von der baulichen Infrastruktur vorbildlich da. Auch Whiteboards gehören seitdem in vielen Schulen zur Standardausstattung. Inwieweit diese allerdings genutzt werden können, geschweige denn benutzt werden wollen, steht allerdings auf einem anderen Papier. Um es vorweg zu nehmen: Die Realität war für Thorsten Schäfer-Gümbel ziemlich erschütternd.

„Was gut war, muss nicht gut bleiben“, meinte Dejan Mihajlovic und zeigte an seinem Beispiel den Wandel von der anlogen Unterrichtsgestaltung hin zur digitalen. Alles was früher in Fächern, Plänen und Tabellen abgelegt und zeitaufwendig gepflegt werden musste, um einigermaßen aktuell zu sein, geht heute im digitalen Verbund rasend schnell.

„Mit einem Knopfdruck kann ich alle aktuellen Veränderungen in allen relevanten Dokumentation aktualisieren – und ich habe diese per Smartphone oder Netbook überall verfügbar“, erklärte Mihajlovic. „Moderne Bildung ist nicht das Zuhören und Lernen, sondern das Diskutieren und Einbringen von Ideen – auch kontroversen – zur besten Lösung“, sagte der Bildungsexperte und verwies auf das Erfolgsmodell „Team“. Doch im heutigen Unterrichtssystem würden Schüler gerade mal einen Prozent ihrer Schulzeit zu Wort kommen.

Im anschließenden „Fishbowl-Gespräch“, bei dem jeder aus dem Teilnehmerkreis den freien Stuhl für seine Meinungsbeiträge besetzen konnte, wurde schnell deutlich, dass es im hessischen Bildungssystem vielfältige Rückstände bis zur Digitalisierung des Unterrichts aufzuarbeiten gilt. Torsten Larbig, Studienrat an der Schillerschule Frankfurt und Lehrbeauftragter für das Seminar „Neue Medien in der (schulischen) Bildung an der TU Darmstadt“, kommuniziert über ein Tool mit Pädagogen aus ganz Deutschland. „Mein Problem ist es, dass ich über die bestehenden Strukturen nur einen kleinen Prozentsatz der Lehramtsstudierenden erreiche“, kritisiert Larbig.

Anna Kristina Tanev, Pädagogin an der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf, ging insbesondere mit der Lehrerfortbildung hart ins Gericht. „Die Fortbildung muss mehr zur Pflicht und das Angebot deutlich verbessert werden“, so ihre Kritik. Für sie hat die Digitalisierung an ihrer Schule nur einen Mehrwert in organisatorischen Belangen. „Inhaltlich kann ich da kaum was zur Wissensvermittlung nutzen“, betont die Pädagogin. Eine gewisse Internetkompetenz seitens der Pädagogen sei jedoch aus Gründen des Internet-Mobbings gefordert.

Für Thorsten Schäfer-Gümbel lautete die Erkenntnis nach dem Gespräch: „Das Neue schreit nach Methodenkompetenzen, wir praktizieren aber weiterhin die Fachkompetenz – da muss sich schnell etwas ändern.“ Und auch Andrea Gerlach, die selbst ein Lehramtsstudium absolvierte, verwies auf zu starre Strukturen seitens der Verwaltungen. „Ich bin mit Lehrern seit fünf Jahren online im Gespräch, wir haben es einfach gemacht!“

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