Lydia Zoubek will auf Augenhöhe reden

Blinde schreibt Blog für Sehende

  • schließen

Nach Auffassung von Lydia Zoubek haben viele Leute ein falsches Bild von behinderten Menschen. Das will die Isenburgerin, die selbst blind ist, mit ihrem Internet-Blog ändern. Ihre Beiträge sind nicht theoretisch, sondern aus dem Leben gegriffen.

Lydia Zoubek möchte mit ihrem Blog vor allem die Sehenden erreichen, ihnen die Scheu im Umgang mit Blinden nehmen. Seit Mitte dieses Jahres stellt die blinde Neu-Isenburgerin regelmäßig Artikel ins Internet.

Dabei schreibt die 48-jährige Mutter von zwei Kindern über die Sehbehinderung, blinde Eltern und Migrationshintergrund. Sie will ihre Leser für diese Themen sensibilisieren und dazu bringen, über den eigenen Tellerrand zu blicken und eine andere Perspektive einzunehmen.

„Ich bin der Ansicht, dass unsere Gesellschaft oft ein falsches Bild von Menschen mit Behinderung hat“, sagt Lydia Zoubek. Die Meinungen reichten von „Wieso bekommt so jemand Kinder“ bis hin zu „Die sollte doch in einem Heim leben“. „Kurz und gut: Ich möchte ein Stück dazu beitragen, dass normal sehende Menschen mit mir auf Augenhöhe kommunizieren – und nicht von oben herab. Und das setzt Aufklärungsarbeit voraus“, erklärt die Bloggerin.

In ihren Artikeln beschreibt sie, wie sie auch als blinde Frau mit Hilfe einer Braillezeile, der Blindenschrift, den Computer bedienen kann. Sie schildert aber auch, dass sie als Blinde nicht einfach am Arm gepackt werden möchte.

„Es ist immer nett, wenn mich jemand vorher anspricht, ob er mir helfen kann“, sagt Lydia Zoubek lächelnd. Die Hugenottenstadt besitze inzwischen einige Blindenampeln. „Aber sie nutzen mir nichts, wenn sie keine akustischen Signale haben“, bedauert die 48-Jährige, dass die Stadt bei dieser Investition wohl ausschließlich von Sehenden beraten wurde.

Ihr Blog will keine theoretischen Inhalte vermitteln, vielmehr sind ihre Beiträge aus dem Leben gegriffen. „Damit versuche ich, meine Leser da abzuholen, wo sie gerade stehen, und sie mitzunehmen. Meine Beiträge leben auch von den Fragen, die mir meine Leser stellen“, führt Zoubek weiter aus.

Im Alter von vier Jahren kam sie in die Hugenottenstadt und lebte dort bis zu ihrem neunten Lebensjahr. Anschließend besuchte sie bis zum Abitur die Deutsche Blindenstudienanstalt in Marburg und kehrte nach Studium und Ausbildung zurück nach Neu-Isenburg. 1996 zog sie nach Frankfurt. Dort arbeitete sie im Telefonmarketing, heiratete und bekam zwei Kinder.

Seit 2002 lebt Lydia Zoubek zusammen mit ihrer Familie wieder in Neu-Isenburg. Sie engagiert sich auch für die Rechte von Benachteiligten und Behinderten – unter anderem für die Arab Episcopal School in Jordanien, die sich für das Wohl blinder und sehbeeinträchtigter Kinder im Norden des Landes einsetzt.

Für Fragen und Anregungen ist Lydia Zoubek unter der E-Mail-Adresse lydia.zoubek@gmx.de zu erreichen. Infos rund um das Thema blinde Mutter mit Migrationshintergrund können unter . abgerufen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare