Für drei Projekte ausgezeichnet

Chemie- und Umwelt-AG der Goetheschule: Junge Forscher haben’s drauf

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Goetheschüler befassten sich mit dem Jakobskreuzkraut als Mittel gegen den Leberkrebs, der Bodenverbesserung für Amazonasindianer und dem steigenden Verbrauch von Fructosesirup. Diese Untersuchungen fanden viel Anerkennung.

Auf einer kleinen Herdplatte köchelt in einen Glasbehälter etwas vor sich hin, das wie ein Sud mit eingelagerten Brocken aussieht, zudem riecht es ein wenig wie in einer Destillerie. Mit einem langen Löffel rührt Jakob Rappolt unter Aufsicht von Leon Jugert, beide Mitglieder der Chemie- und Umwelt-AG der Goetheschule, die köchelnde Brühe immer wieder auf – es darf nichts anbrennen. „Das ist Apfeltrester, dem wir jetzt bestimmte Stoffe entziehen, um zu erproben, wie diese reichlich anfallenden Abfälle für einen Biogasanlage genutzt werden können“, erklärt Leon Jugert. Der ehemalige Abiturient der Goetheschule studiert jetzt an der Frankfurt School of Applied Sciences und kommt – auch für seine eigenen Studien – immer wieder zur Chemie- und Umwelt-AG zurück. „Bis wir hierfür alle Experimente erledigt und die Dokumentationen erstellt haben, dauert es noch“, erklärt Jugert.

Wer die Räume der Chemie-AG in der Goetheschule, die meist nach dem regulären Schulbetrieb erst so richtig in Betrieb sind, sucht, der folgt am besten dem Geruch. „Immer der Nase nach. Wo es am komischsten riecht, dort ist die Chemieküche“, rät eine Schülerin. Wird die richtige Tür geöffnet, offenbart sich dem Besucher dann jener Zustand, den der Leser des berühmten „Zauberlehrlings“ unweigerlich vor Augen hat.

Was auf den ersten Blick als ein Wirrwarr von Gerätschaften, kleinen und größeren Gefäßen, vielen Schläuchen und Leitungen aussieht, hat jedoch seine Ordnung. Die von den chemischen Zusammenhängen und deren Folgerungen begeisterten Schüler um ihren Mentor Ruthard Friedel haben einmal mehr bei bundesweiten Wettbewerben Preise abgeräumt.

Erfolgreich waren drei Projekte der Chemie- und Umwelt-AG, die sich am BundesUmweltWettbewerb des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) der Christian-Albrechts-Universität Kiel beteiligt hatten. Die Abiturienten Robert Cieslinski und Lukas Helfrich analysierten in der Arbeit „Jakobskreuzkraut – Ist gegen Leberkrebs doch ein Kraut gewachsen?“ die giftigen Inhaltsstoffe des Jakobskreuzkrauts, das sich im Raum Neu-Isenburg zunehmend breit macht. Sie testeten diese Toxine auf Leberzellen und Leberkrebszellen – und fanden bemerkenswerte Unterschiede heraus. Diese Arbeit wurde mit einem Anerkennungspreis bedacht. Inzwischen haben Cieslinski und Helfrich herausgefunden, dass auch im Boretschkraut ähnlich giftige Stoffen enthalten sind – und Borretsch gehört zu einem „Muss-Bestandteil“ der Frankfurter Grie Soß.

Mit den Projekt „Terra preta – verbessert Kaffeekohle das Wachstum von Pflanzen?“ suchten Jakob Rappolt und Luca Wirtmann eine Möglichkeit der Bodenverbesserung für Indianervölker in Amazonien. „Dort enthält der Boden zwar viele Nährstoffe, die jedoch von den Pflanzen nicht so gut aufgenommen werden können, weil im Boden der Sauerstoff fehlt“, erklärt Rappolt. „Mit einem Bodenverbesserer, der möglichst lange den Mikroorganismen widersteht, könnte dort einen echte Wachstumsverbesserung von Kulturpflanzen erreicht werden – Kohle wäre da ein ideales Hilfsmittel“, erklärt Ruthard Friedel. Kaffeesatz fällt in großen Mengen an, als „Kohle“ aufbereitet, könnte er den Indianervölkern auf der „Schwarzen Erde“ helfen. Auch diese Untersuchung wurde mit einem Anerkennungspreis bedacht.

Katharina Drexel und Anamaria Waschnewski hatten sich im Projekt „Gib dem Affen Zucker!“ als Untersuchungsziel den bedenklich steigenden Verbrauch von Fructosesirup gewählt und verschiedene chemische Nachweismethoden für die unterschiedlichen Zuckerarten getestet. Ferner analysierten sie die üblichen stark zuckerhaltigen Nahrungsmittel, wie Softdrinks oder auch Fertigsoßen und stießen auf einen bedenklich hohen Fructose-Zusatz. „Bei 70 Gramm Fructose(zucker) pro Tag wird die Sache bedenklich, und diese hat man schneller erreicht als man denkt“, verweisen die Schülerinnen auf Cola und Co.

Ihre Arbeit wurde mit einem Förderpreis gewürdigt: der Teilnahme am zweiten Deutsch-Japanischen Science-Camp in Kiel. Dort konnten Anamaria Waschnewski und Katharina Drexel mit japanischen Gastschülern an der Universität Kiel mathematische, biologische und pharmazeutisch-chemische Themen bearbeiten. Ferner wurden sie am DESY-Forschungszentrum in Hamburg über kernphysikalische Untersuchungsmethoden informiert.

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