Helferkreis soll ausgebaut werden

Demenz: Neu-Isenburg geht neue Wege

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Demenzkranke Patienten brauchen nicht nur Unterstützung, wenn sie essen oder sich ankleiden. Bewegung und einfühlsame Begleitung vertrauter Menschen ist ebenso wichtig – und kann den Verlauf der Krankheit sogar um Jahre hinauszögern. Da professionellen Pflegekräfte dafür oft die Zeit fehlt, setzt die Hugenottenstadt auf ein neues Konzept jenseits der klassischen Pflege.

Es ist eine einfache, aber beeindruckende Geschichte, die Dr. Klaus Birck zu erzählen hat: „Ein Mann hat seine demenzkranke Frau jahrelang zu Hause gepflegt“, berichtet der pensionierte Mediziner, der vier Jahrzehnte in Neu-Isenburg praktiziert hat. „Dann musste sie ins Heim – aber auch dort besuchte sie ihr Mann täglich, sprach mit ihr und ging mit ihr spazieren. Seit drei Jahren“, schließt der Arzt, „hat sich der Zustand der Frau kein bisschen verschlechtert.“

Derlei Erkenntnisse sind es, die die Stadt in ihrem neuen Ansatz bei der Hilfe für Demenzkranke bestätigt: Sie will mit der finanziellen Unterstützung der Stiftung Altenhilfe (10 000 Euro pro Jahr) einen Besuchsdienst für demenzkranke Menschen ins Leben rufen. Wer sich einbringen will, soll – auch als Zeichen der Wertschätzung seines Engagements – eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Stunde erhalten.

Ursula Doebert vom Fachbereich Seniorenförderung koordiniert das Projekt und hat das Konzept zum Aufbau eines Besucherkreises entworfen: „Wir suchen Helfer, die Lust und die Bereitschaft haben, zu Menschen, die an Demenz erkrankt sind eine Beziehung aufzubauen und sie dann kontinuierlich eine Zeit lang zu begleiten und zu betreuen.“ Gefragt sei ebenso der Wille, sich im Umgang mit Demenzpatienten schulen zu lassen.

Auch gute Deutschkenntnisse seien wichtig, denn: „Die Betroffenen reden gerne über ihre Vergangenheit“. Da zähle das Talent zum Zuhören ebenso wie die Fähigkeit, Fragen zu stellen. In den letzten Jahren, führte sie fort, sei die Zahl der Menschen, die an Demenz erkrankt sind, stetig gestiegen „und wird auch durch die höhere Lebenserwartung weiter steigen. Die Pflege und Betreuung stellt oftmals eine große Herausforderung dar, für Angehörige aber auch für professionelle Pflegende in Krankenhäusern, stationären Einrichtungen und ambulanten Diensten.“ Viele an Demenz erkrankte Menschen würden 24 Stunden zu Hause oder in stationären Einrichtungen gepflegt, betreut und versorgt. „Körperlich fehlt es den Menschen an nichts, aber im Pflegealltag fehlt oft die Zeit zum Zuhören, zum Erzählen, für kleine alltägliche Beschäftigungen, Spaziergänge und Erledigungen.“ Hier solle der Besucherkreis ins Spiel kommen und den betroffenen Menschen helfen, „ein aus ihrer Sicht gutes Leben führen zu können.“ Der Besucherkreis soll Senioren aufsuchen, die noch in ihrem häuslichen Umfeld leben, sich vorübergehend im Krankenhaus befinden, in Reha Einrichtungen leben oder in Dauerpflege im Pflegeheim sind. Das Angebot richtet sich an alleinstehende und Senioren mit Angehörigen, die durch die langwährende Pflegesituation dringend Entlastung benötigen.

Als Projektleiterin werde Ursula Doebert die Anfragen aufnehmen und einen Bedarf ermitteln. Dann, so beschreibt sie ihre Aufgabe, „vermittele ich zwischen den geeigneten Betreuerinnen und Betreuern und den an Demenz erkrankten Menschen oder ihren Angehörigen.“

Bürgermeister Herbert Hunkel fand schon jetzt Lob für die Stiftung Altenhilfe, „die einen wertvollen Beitrag damit leistet, um den Erkrankten durch Besuchsdienste von Betreuerinnen und Betreuern, gemeinsam verbrachte Zeit und schöne Momente zu schenken und zugleich einen Beitrag zur Entlastung der pflegenden Angehörigen und Pflegenden zu leisten“, sagte er.

Für die Betreuung stehe ein zeitlicher Rahmen von zwei Stunden wöchentlich zur Verfügung. In Einzelfällen sei nach Absprache auch ein höherer Zeitaufwand möglich. Interessenten können sich an Ursula Doebert, Stadt Neu-Isenburg, Altenhilfe, Telefon (0 61 02) 8 13 99 89 oder per E-Mail an ursula.doebert@stadt-neu-isenburg.de wenden.

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