Lesung in der Stadtteilbibliothek Gravenbruch

Ein Entertainer mit Witz und Charme

Die erste Abendveranstaltung in der Stadtteilbibliothek Gravenbruch war ein voller Erfolg. Tim Frühling las aus seinem zweiten Kriminalroman „Festspielfieber“.

So sieht ein gelungener Auftakt aus: Zahlreich sind die Krimi-Liebhaber in die Stadtteilbibliothek Gravenbruch geströmt, die knapp ein Jahr nach ihrer Eröffnung ihre erste Abendveranstaltung bestreitet. Mit der Lesung „Festspielfieber“ von HR-Moderator und Buchautor Tim Frühling startet die Zweigstelle im Bildungszentrum an diesem Mittwoch erfolgreich in die Saison.

Nach seinem Debütroman „Der Kommissar in Badeshorts“ hat Frühling seinen Ermittler Daniel Rohde zurück in dessen Heimat versetzt: Der zweite Krimi des frisch gebackenen Autors spielt in Bad Hersfeld, wo – wie der Titel erahnen lässt – die berühmten Festspiele im Zentrum der mörderischen Handlung stehen. Das gibt dem Schriftsteller nicht nur viel Spielraum für spannende Entwicklungen und Enthüllungen, sondern auch für eine äußerst augenzwinkernde Betrachtung der Schauspiel-Szene.

Der Wahl-Frankfurter tritt den Beweis an, dass ein Kriminalroman mehr kann, als sich um knallharte Ermittlungen, blutrünstige Verbrechen und skrupellose Täter aufzubauen. Die Stimmung im Publikum ist ausgelassen und der blendend aufgelegte Autor weiß sie mit seiner unterhaltsamen Moderation – gelernt ist eben gelernt – noch anzuheizen. Spätestens nach den ersten Zeilen aus seinem Buch hat er die Zuhörerschaft vollends für sich gewonnen, denn der herrlich trockene Humor gepaart mit Frühlings charmanter, eindrücklicher Vortragsweise ist der Erfolgsgarant für den unterhaltsamen Abend. Allein bei der Beschreibung der Schauspiel-Diven und ihrer Schrullen, die er mit einem perfekt inszenierten ironischen Unterton wiederzugeben weiß, bleibt kein Auge trocken.

Wenn er dann auch noch die Dialekte imitiert, wie im Falle einer österreichischen Regisseurin, werden sofort Zwischenrufe laut, die nach der Aufnahme eines Hörbuchs verlangen. Frühling geht sofort auf sein Publikum ein und scherzt: „Ich habe die Bücher nur aus Notwehr geschrieben, weil ich solche Faxen beim HR nicht machen darf.“

Faxen treibt er während der Lesung reichlich, sei es in den amüsanten Kommentaren oder zwischen den Zeilen. Immer wieder scheint das humoristische Potenzial des Regionalkrimis durch: Da ist der Polit-Redakteur, der ins kalte Wasser der Kulturberichterstattung geworfen wurde, was eine kritisch-komische Betrachtung der Bühnenkunst zur Folge hat. Oder die kreativen Wortneuschöpfungen, bei denen das Älterwerden als „Seniorieren“ umschrieben wird.

Mit viel Witz und Charme hat diese Lesung in der Stadtteilbibliothek den Isenburgern Lust auf mehr gemacht. Frühlings Folge-Roman ist schon in Arbeit: „Ich habe meinen Urlaub in Gran Canaria für das nächste Buch erfolgreich von der Steuer abgesetzt“, meinte Frühling schmunzelnd, denn dann wird es Kommissar Rhode wieder auf eine Insel verschlagen.

(nab)

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