+
Erfolgreiches Beispiel einer Unternehmensnachfolge: Anja Becker (50) hat das Traditionsgeschäft Blumen Grund in der Bahnhofstraße von ihrer langjährigen Chefin Marina Grund übernommen, die aus Altersgründen aufgehört hat.

Wirtschaftspate Jörg-Bodo Krüger

Experte gibt Traditionsgeschäften Tipps für Nachfolgersuche 

Wirtschaftspate Jörg-Bodo Krüger teilt seit fünf Jahren seinen Erfahrungsschatz mit Isenburger Unternehmern und Leuten, die erst noch welche werden wollen. Ein Fokus: die Nachfolgersuche für Traditionsläden - Krüger kennt sowohl erfolgreiche als auch nicht geglückte Beispiele.

Bunte Blumen und Sträuße machen bei „Blumen Grund“ in der Bahnhofstraße 26 Lust auf neue Farbe im Zimmer, auf Frühling eben. Neu ist auch die Chefin des Traditionsgeschäfts: Die bisherige Mitarbeiterin Anja Becker, die 20 Jahre lang als Aushilfe dort tätig war, hat das Geschäft übernommen und ist jetzt ihre eigene Chefin. Viele Jahre lang hatte Marina Grund den Laden geführt. Als die Inhaberin das Geschäft dann zum Jahreswechsel 2018/19 aus Altersgründen abgeben wollte, entschied sich die 50-jährige gelernte Einzelhandelskauffrau Becker dafür, es weiterzuführen.

Auf der Suche nach Unterstützung für diesen großen Schritt kam Becker im Oktober 2018 in die Sprechstunde der Wirtschaftspaten – und fand dort, wie sie berichtet, einen wichtigen und wertvollen Partner in Jörg-Bodo Krüger. Seit Anfang 2014 bietet der erfahrene ehemalige Unternehmensberater und Gründer regelmäßig als Wirtschaftspate Isenburger Unternehmern seinen Erfahrungsschatz und seine Hilfe an. Mit Becker habe er den Übergabeprozess beratend begleitet, erzählt der 74-Jährige.

Unterstützung und Planung

Und am Freitag, 18. Januar, war es dann so weit: Anja Becker konnte die Neueröffnung des Blumenladens unter dem gleichen Namen verkünden und feierte die Wiedereröffnung mit Gästen in ihren Geschäftsräumen in der Bahnhofstraße. Ein Schritt, den die freundliche Frau bisher nicht bereut hat – trotz Herausforderungen. Die größte sei es, „erstmal ganz allein anzufangen, denn ich habe ja auch investiert und kann es mir daher noch nicht erlauben, einen Mitarbeiter anzustellen“. Also schmeißt die 50-Jährige den Laden vorerst alleine, und ist entsprechend „sehr sehr dankbar“ für Krügers Unterstützung. „Ich fahre jeden Tag mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause, weil’s einfach so viel Spaß macht“, erzählt sie.

Auch 2019 bietet der gemeinnützige Verein „Die Wirtschaftspaten“ in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Stadt wieder an jedem ersten Dienstag im Monat kostenlose Sprechstunden für Unternehmer sowie Gründungsinteressierte an. Das Beratungsangebot ist dabei so vielfältig wie die Kundschaft: Themenschwerpunkte seien, wie schon in den vergangenen Jahren, Hilfe bei Existenzgründungen, Fragen zur Unternehmenssicherung für kleine und mittlere Unternehmen und eben – wie in Beckers Fall – die Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Unternehmensübergaben.

Die Nachfrage nach Beratungen sei hoch. „2018 fanden insgesamt 13 Beratungsgespräche an acht Terminen statt“, berichtet Krüger. Sechs Mal ging es um Gründungen, drei Mal um Unternehmenssicherung und vier Mal um Fragen der Unternehmensnachfolge. Aber, trotz aller Hilfestellung: Nicht immer läuft eine Übernahme so glatt wie bei Blumen Grund – und ob so ein Schritt in die Selbstständigkeit letztlich erfolgreich sein wird, kann auch der Wirtschaftspate nicht immer vorhersehen.

Geringe Auslastung

Dies zeigt das Beispiel des Traditions-Cafés „Balico“ in der Bahnhofstraße. Wie berichtet, hatten die Wirtschaftspaten dort Ende 2017 ebenfalls bei der Übernahme und Weiterführung des seit mehr als 25 Jahren bestehenden Cafés unterstützt. Und für die neue Besitzerin lief auch zunächst alles glatt, doch im Oktober 2018 habe sie das Café dann nach knapp einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen, berichtet Krüger dieser Zeitung auf Nachfrage.

Ein Problem sei auch gewesen, dass die Auslastung insgesamt zu gering war, „unter der Woche kamen einfach zu wenig Gäste“. So habe die Selbstständige einen „14-Stunden-Job“ alleine stemmen müssen, weil das Geld für eine Aushilfe nicht reinkam. Mittlerweile hängt am Laden ein Schild „Bamboo Bar“ – laut Gerüchten soll eine Sportsbar rein.

In der Rhein-Main-Region sind derzeit 40 Mitglieder der Wirtschaftspaten aktiv, alles ehemalige Unternehmer und Führungskräfte aus Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Neben Neu-Isenburg aktuell zum Beispiel auch in Langen und Dreieich. Der nächste Termin für die kostenfreie Beratung bei der Sprechstunde der Wirtschaftspaten im Isenburger Rathaus ist der 2. April, 14 bis 17 Uhr. Die Terminvergabe für eine etwa einstündige Beratung läuft über die Wirtschaftsförderung der Stadt. Termine können unter (0 61 02) 24 17 25 vereinbart werden.

(hov)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare