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Bei bestem Wetter feierten die Besucher auf dem Hessentag 2017 in Rüsselsheim.

Landesfest

Hessentag 2024: Finanzrisiko kontra Imagegewinn

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Über den möglichen Hessentag 2024 sind nicht nur die Bürger, sondern auch die Isenburger Fraktionen geteilter Meinung: Christdemokraten und Grüne haben noch viele Fragen, die FDP stellt den Sinn der Veranstaltung grundsätzlich infrage, und die Sozialdemokraten wollen einen Bürgerentscheid.

Das große Landesfest 2024 beschäftigt die Neu-Isenburger schon jetzt: Nachdem Bürgermeister Herbert Hunkel verkündet hatte, er könne sich die Ausrichtung des Hessentags gut in der Hugenottenstadt vorstellen, befasst sich die Politik mit dem von der Verwaltung vorgelegten Konzept. Nach den ersten Diskussionen ist das Papier im Haupt- und Finanzausschuss verblieben und heute Abend nicht Thema in der Sitzung der Stadtverordneten.

Erster Stadtrat und CDU-Parteivorsitzender Stefan Schmitt erklärt, dass zu diesem Thema „zwei Herzen“ in seiner Brust schlagen. „Grundsätzlich hätte ich schon Lust auf eine solche Großveranstaltung in unserer Stadt“, sagt Schmitt.

Unbeantwortete Fragen

Er habe allerdings auch einige noch unbeantwortete Fragen. Es sei von großer Wichtigkeit, sich im Falle der Ausrichtung bei den Ausgaben sehr zu disziplinieren, und vermutlich würde das Fest mit Hessentagsmeile und den vielen Konzerten eine „ganze Nummer kleiner als gewohnt ausfallen“, um kein zu großes finanzielles Risiko einzugehen. „Wir müssen uns als Stadt überlegen, was wir davon hätten. Werbung für den Tourismus brauchen wir nicht. Aber für den Zusammenhalt und das Image unserer Stadt wäre es wohl gut“, glaubt der Erste Stadtrat.

Der stellvertretende Parteivorsitzende der CDU, Oliver Hatzfeld, ist kritischer: „Das Konzept ist sicherlich eine interessante Herangehensweise, insbesondere im Hinblick auf die möglichen Fördergelder in Höhe von 6,5 Millionen Euro“, erklärt Hatzfeld. Es sei aber noch viel zu vage und die Kosten seien noch zu unkonkret.

Er fürchtet zudem eine zu große Belastung für die Verwaltung mit anstehenden Großprojekten wie dem Stadtumbau oder der RTW-Verlängerung. „Aber wir werden uns in die CDU-Fraktion einen Fachmann aus dem Land einladen und alle Fragen zum Hessentag stellen. Ich gehe davon aus, dass wir im Januar eine Entscheidung treffen können“, kündigt Hatzfeld an.

Der FDP-Fraktionschef Thilo Seipel ist „etwas überrascht“, dass Bürgermeister Herbert Hunkel vorpresche. Er erklärt, dass er den Hessentag grundsätzlich für ein etwas „überholtes Fest“ halte. Er wünscht sich statt Festivitäten ein Investitionsprogramm, das Jahr für Jahr eine andere Stadt in den Fokus nimmt. „Unter dem Motto ,Hessen schafft Mehrwert‘ könnten interessante Projekte mit guten Architekten umgesetzt werden. Ich brauche keinen Hessentag in Isenburg“, sagt Seipel.

„Visionen sind erlaubt“

Günther Marx, Sprecher der Grünen, sagt zum Wunsch von Bürgermeister Hunkel: „Wünsche zur Weihnachtszeit sind erlaubt, Visionen auch, aber sie müssen nicht von allen geteilt werden.“ Es gebe ein vorläufiges Konzept, das die Ausrichtung des Hessentags 2024 möglich erscheinen lasse. Die Grünen finden eine weitere Beratung erst sinnvoll, wenn das Ergebnis des Hessentags 2019 in Bad Hersfeld bekannt ist. „Frühestens dann lässt sich erkennen, ob es die vom Land geänderten Bedingungen einer Stadt ermöglichen, diese Aufgabe ohne erhebliches finanzielles Minus zu bewerkstelligen“, mahnt Marx.

Bernd Totzauer von der FWG sagt: „Natürlich sollten wir Bad Hersfeld abwarten. Aber ich glaube, dass das Konzept funktionieren kann und ein schöner Imagegewinn wäre. Ich glaube auch, dass grundsätzlich Wohlwollen da ist.“ Auch Arno Groß von der AfD befürwortet eine Bewerbung. Er findet, die 6,5 Millionen Euro Investitionszuschuss vom Land „sollte sich die Stadt nicht entgehen lassen“.

Die SPD fordert einen Bürgerentscheid zum Hessentag. Fraktionschef Dirk Gene Hagel sieht Chancen und Risiken in dem vorgelegten Konzept. Sein persönliches Gefühl sei positiv und er glaube, dass Isenburg ein solches Fest stemmen könne. „Aber wenn wir das wollen, dann muss die Politik rausgehen und sehr für das Projekt werben. Nur mit einem positiven Bürgerentscheid und einer breiten Zustimmung aus der Bürgerschaft ist eine solche Großveranstaltung zu realisieren.“

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