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Flakstellung wird unter Denkmalschutz gestellt

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Von: Leo Postl

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Dr. Wilhelm Ott an den Befestigungsschrauben für das Dreh-Flugabwehr-Geschütz.
Dr. Wilhelm Ott an den Befestigungsschrauben für das Dreh-Flugabwehr-Geschütz. © Leo F. Postl

Dass eine der drei Flakbatterien unter Denkmalschutz gestellt wurde ist dem Heimatforscher Wilhelm Ott aus Dreieich zu verdanken. Mit Hilfe von Luftaufnahmen aus dem Jahr 1944 hatte er die Standorte ausfindig gemacht.

Soll man Kriegsrelikte bewahren und gar unter Denkmalschutz stellen? Für Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel, der ja zugleich auch Vorsitzender des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) in Neu-Isenburg ist, stellt sich diese Frage nicht. Heute sind viele, einst zur Kriegsführung erstellte Bauten, nicht nur ganz markante „Landmarks“ in Landschaften und Städten, sondern auch sehr gut besuchte Geschichtsstätten.

„Wir wollen mit dem Erhalt einer dieser Flakstellungen ein Mahnmal zur Erinnerung schaffen“, betont Hunkel. Als Gegenpol gibt es ja bereits die Gedenkstätte für jene bei einem Bombentreffer am 29. Januar 1944 auf einer Flakstellung am Schindkautweg ums Leben gekommenen Soldaten und Flakhelfer.

Am besten erhalten

Zu verdanken ist die Stellung unter Denkmalschutz von einer der drei Flakbatterien mit jeweils sechs Geschützstellungen dem Heimatforscher Wilhelm Ott aus Dreieich. Bei seinen Recherchen über die Überreste der Flakbatterien stieß Wilhelm Ott auf hochauflösende Luftbilder aus dem Jahr 1944, aus denen eindeutig die Lage der drei Batterien bei je sechs kreisförmig angeordneten Flugabwehrstellungen zu ersehen war. Von diesen einst 18 Geschützstellungen sind heute noch 10 im Gelände erkennbar, die am besten erhaltene wird nun unter Denkmalschutz gestellt. „Die Flakstellung am Brüllochsenweg ist nahezu unzerstört, freilich fehlt das Geschütz“, erklärt Wilhelm Ott.

Auf seinen weiteren Forschungen konnte der Heimatforscher die Lage aller ehemaligen Flakstellungen lokalisieren und sogar deren Schicksal nachverfolgen. „Als erstes wurden die Reste der ohnehin durch den Bombentreffer beschädigten Flakstellung am Schindkautweg beseitigt und das Gelände wieder als Garten genutzt“, so Ott. Eine Flakstellung am Brüllochsenweg wurde als Pferdestall umgebaut. Ein Teil der Flakstellung „An den Grundwiesen“ musste dem Bau der Geschwister-Scholl-Halle weichen.

Einzigartig in Hessen

Nun geht einer Unterdenkmalschutzstellung ein bürokratischer Vorgang voraus, den ebenfalls Wilhelm Ott in Gang brachte. Über den GHK wurde der Antrag an das Hessische Landesamt für Denkmalpflege gestellt. Beim Oberkonservator im Schloss Biebrich fand man das Objekt „sehr bemerkenswert“ und studierte die eingereichten Unterlagen. Beim Ortstermin im Brüllochsenweg fiel die Entscheidung.

„Eine solch gut erhaltene Flakstellung habe ich noch nie gesehen. Dieses Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg ist einzigartig in Hessen, wenn nicht sogar in Deutschland“, so der Kommentar des Oberkonservators Dr. Dieter Griesbach-Maisant. Die Flakstellung im Osten von Neu-Isenburg wird nun in die Liste der denkmalgeschützten Objekte in Hessen aufgenommen und ist dann im DenkXweb im Internet zu sehen. „Wir sind sehr stolz ein solch besonderes Objekt zu haben und wollen diese Flakstellung auch als mahnendes Objekt für die Jugend bei den Schulen ins Gespräch bringen“, betont Hunkel.

Noch in diesem Jahr soll eine GHK-Broschüre über die Flakstellungen erscheinen, um dies letzten noch fehlenden Mosaiksteine zu finden, werden noch Zeitzeugen gesucht. Diese können sich im Rathaus unter (0 61 02) 2 41-70 melden.

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