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Die Besucher lauschten am Schießhaus in Gravenbruch unter Sonnenpavillons den Swing-Melodien.

Schießhaus in Gravenbruch

Flotte Swing-Rhythmen begeisterten

Zur „Schießhaus Time“ des GHK stellten sich zahlreiche Gäste ein. Sie erfreuten sich an Melodien aus den Nachkriegsjahren.

„Ja, das waren tolle Zeiten für uns“, schwärmt Herbert Schäfer von seiner Zeit in der berühmten „AlWaHe“-Band, zu der er als Musiker dazu stieß. Die Bezeichnung „AlWaHe“ steht für die Band-Gründer Alois Krapf, Walter Jünger und Heinz Boucher. In den ersten Nachkriegsjahren mischten sie die Musikszene auf und sorgten nicht nur bei den amerikanischen Soldaten für heimische Gefühle, sondern erfuhren auch so manche nützliche Vorteile. Das Schießhaus, wie das schmucke Gebäude am Gravenbruch genannt wurde, war für die Isenburger der Anlaufpunkt, wenn es um Tanzfreuden mit der „AlWaHe“-Band ging.

Herbert Hunkel, Vorsitzender des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK), war es vor zehn Jahren gelungen, mit dem Besitzer Stefan Greiner ein Abkommen zu treffen, um zumindest für einen Sonntagnachmittag den wunderschönen Garten zwischen Schießhaus und See für eine musikalische Veranstaltung nutzen zu können. Seit dieser Zeit spielen dort die „Medium Swingers“ um ihren Chef Fritz Richter auf, der die Musikszene aus der guten alten Schießhaus-Zeit ebenfalls noch bestens kennt. Am Sonntag gab es nun bereits zum zehnten Mal die beliebte GHK-Veranstaltung „Schießhaus Time“.

Auf dem grünen Rasen waren die kleine Bühne für die Musiker und für die Gäste Zelte zum Schutz vor dem Wetter aufgestellt. „Diesmal sind es Sonnenschutzzelte“, freute sich nicht nur Herbert Hunkel über das perfekte Wetter, das nicht zu kalt, aber auch nicht zu heiß war. Mit Herbert Schäfer konnte Hunkel das noch einzig verbliebene Mitglied der „AlWaHe“-Band präsentieren. Der 88-jährige Schäfer schwärmte sogleich von seinen Erlebnissen mit der Band. Unvergesslich der Auftritt in einem angesehenen Offiziers-Club der Amerikaner im Offenbacher Kaiserhof. „Dort sollten wir nur als Lückenfüller in der Pause spielen. Doch die Leute waren so begeistert und verlangten immer weitere Zugaben. Also haben wir weitergespielt. Dann kamen plötzlich die Mitglieder der Hauptband, packten ihre Sachen und verschwanden“, schilderte Schäfer den wohl größten Erfolg der Band.

Am Sonntag erfreuten Isabella Schnürle (Gesang), Erik Buhne (Saxophon), Manfred Köhler (Trompete), Warha Cherbettchian (Schlagzeug) und Bandleader Fritz Richter die Gäste mit Swing-Rhythmen und Melodien aus den Nachkriegsjahren.

Helga Kolb erinnert sich immer gerne an ihre Schießhaus-Zeit, in der es zwar wenig zu Essen gab, aber dafür mit großer Freude getanzt wurde. „Damals durfte man erst ab 18 Jahren hierher“, berichtete Herbert Schäfer. „Wer erwischt wurde, der bekam es mit der Polizei zu tun – und die war damals nicht gerade zimperlich“, so Schäfer.

Bei Liedern wie „Making Whopee“ oder „On the Sunny Side of the Street“ swingten die Gäste begeistert mit. „Früher haben wir getanzt wie der berühmte Lump am Stecken, und jetzt humpeln wir nur noch herum – aber schön war und ist es immer noch“, meinte ein ehemaliger Jüngling. Wie gut passte da doch der Song „Baby Elefant Walk“. Und bei „Dream a Little Dream of Me“ dürften viele Erinnerungen wach geworden sein.

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