Im Flachbau links in der Rathenaustraße 31 wird das Aufnahmelager für 700 Flüchtlinge eingerichtet.
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Im Flachbau links in der Rathenaustraße 31 wird das Aufnahmelager für 700 Flüchtlinge eingerichtet.

Ehemalige Rundschau-Druckerei wird Aufnahmelager

700 Flüchtlinge für Neu-Isenburg

  • vonLeo Postl
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Das Land Hessen hatte bereits die Verträge mit dem Besitzer der Druckerei geschlossen, noch bevor der Kreis und die Stadt Neu-Isenburg informiert wurden. Weitere Flüchtlinge müssen nun die anderen Kreiskommunen aufnehmen.

Auch im Kreis Offenbach richtet das Land Hessen in den kommenden Tagen eine Flüchtlingsunterkunft ein. „Aufgrund der hohen und weiter ansteigenden Flüchtlingszahlen hat das hessische Sozialministerium den Kreis Offenbach kurzfristig informiert, dass auf dem Kreisgebiet aktuell eine Flüchtlingsunterkunft zur Entlastung der hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen werden soll. Auf dem ehemaligen Gelände der Frankfurter Rundschau (FR) werden Teile der Hallen der ehemaligen Druckerei genutzt, um bis zu 700 Flüchtlinge unterzubringen“, teilte der Kreis Offenbach mit.

Sowohl Landrat Oliver Quilling (CDU) als auch Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) erklärten gestern, dass sie von dieser Nachricht überrascht wurden. Der Vertrag zur Nutzung eines Teils des FR-Druckhauses war von den neuen Besitzern und der Landesregierung direkt ausgehandelt worden. „Wir waren darüber nicht informiert, noch wurden wir dazu gehört“, so Quilling. Gleichwohl zeigten sich der Kreis-Chef und Hunkel bereit, die nun auf den Kreis und auf die Hugenottenstadt zukommende besondere Belastung mit dem erforderlichen Engagement zu bewältigen. Wie viele der bis zu 700 Flüchtlingen auf Dauer in Neu-Isenburg bleiben werden, kann derzeit noch niemand sagen.

Humanitäre Verpflichtung

Bei einer Ortsbesichtigung am Mittwochnachmittag wurde der Standort bereits mit Blick auf die Tauglichkeit überprüft. Auch was den Brandschutz betreffe, sei alles in Ordnung, bestätigte Ralf Ackermann, Leiter des Gefahrenabwehrzentrums des Kreises Offenbach. Dieses ist für den Brandschutz, die Fluchtwege, aber auch die hygienischen Einrichtungen verantwortlich. Das ehemalige Druckereigebäude ist bereits mit ausreichend Sanitäreinrichtungen ausgestattet, so dass es sich aus Sicht des hessischen Innen- und Sozialministeriums, das andernorts auf Zelte setzen muss, besonders gut zur Unterbringung von Flüchtlingen eignet. „Ich bin dem Kreis Offenbach dankbar für diese Möglichkeit und auch dafür, dass wir hier nun kurzfristig Flüchtlingen ein echtes Dach über dem Kopf werden bieten können. Denn Zelte, die wir andernorts einsetzen, sollten immer nur eine Übergangslösung sein“, teilte Stefan Grüttner (CDU), Minister für Soziales und Integration, mit. Er betonte weiter, dass Hessen – wie alle anderen Bundesländer – nach der massiven Korrektur des Bundes bei der Prognose der Flüchtlingszahlen vor großen Herausforderungen stehe.

„Natürlich waren wir von der kurzfristigen Entscheidung des Ministeriums überrascht. Wir haben in dieser Situation aber eine humanitäre Verpflichtung, den Menschen, die aus dem Krieg kommen, zu helfen“, hob Quilling hervor. Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD) geht davon aus, dass der wirtschaftlich starke und international geprägte Standort Kreis Offenbach in der Lage sein wird, diese Herausforderung zu meistern. Dazu gehört, dass die Kreisverwaltung die Arbeit des Landes unterstützen wird. „Hier könnten wir aber noch Unterstützung von Honorarärzten gebrauchen, die sich an den Erstuntersuchungen beteiligen“, richtete Ackermann einen Appell an die Ärzteschaft. Diese können sich im Gefahrenabwehrzentrum melden. Wie Quilling betonte, wird die Kreisverwaltung Neu-Isenburg künftig keine weiteren Flüchtlinge zuweisen, denn die Belastung sei jetzt recht groß. „Ich erwarte im Gegenzug aber auch die Solidarität der übrigen zwölf kreisangehörigen Kommunen, die jetzt mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen“, so Quilling.

Herzlicher Empfang

Das Land Hessen sorgt für den Betrieb der Erstaufnahme und dafür, dass die notwendige Ausstattung geliefert wird. Die freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen werden sich in den nächsten Tagen darum kümmern, die Feldbetten aufzubauen und die Räume einzurichten. Anfang der kommenden Woche werden dann bereits die ersten Flüchtlinge erwartet. „Wir werden alle verfügbaren Kräfte mobilisieren, um die große Zahl der Flüchtlinge vorübergehend bei uns aufnehmen zu können“, erklärte Hunkel. „Nachdem wir bereits in der Vergangenheit so viel Unterstützung seitens der Bevölkerung erfahren haben, hoffe ich, dass wir weiterhin darauf bauen können. Ich bin mir sicher, dass die Menschen in einer Stadt, die in besonderer Weise der Tradition der hugenottischen Flüchtlinge verpflichtet sind, die Neuankömmlinge herzlich empfangen“, appellierte das Neu-Isenburger Stadtoberhaupt an die Bürger.

So soll für die nächsten Woche eine Bürgerinformationsveranstaltung angesetzt werden, in der Hilfsangebote ausgelotet und organisiert werden.

Von Montag an gibt es im Rathaus ein Infotelefon, hier können sich Bürger bezüglich Hilfsangeboten aber auch Fragen hinwenden (0 61 02) 24 15 09. Ferner wurde für die Zwecke eine Mailadresse eingerichtet: flüchtlinge@stadt-Neu-Isenburg.de

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