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In aller Eile hatten die Hilfsorganisationen die Erstaufnahme in der ehemaligen Druckerei eingerichtet, in Bereiche unterteilt und mit Feldbetten bestückt.

Erste Asylbewerber ziehen ein

Gut auf die Flüchtlinge vorbereitet

In aller Eile wurde das Gebäude der ehemaligen Druckerei der Frankfurter Rundschau für die Aufnahme von 700 Flüchtlingen vorbereitet. Eine logistische Meisterleistung.

Von LEO POSTL UND UWE GRÜNHEID

Für einen Sonntagnachmittag ist in der Rathenaustraße recht viel los. Ständig kommen Einsatzfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Johanniter, der Caritas, des Technischen Hilfswerks (THW) und auch der Feuerwehr angerollt. Ihr Ziel ist das ehemalige Druckereigebäude der Frankfurter Rundschau. Dort sollen 700 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien und Afghanistan, untergebracht werden.

Am Samstag waren es 127 Flüchtlinge, gestern Nachmittag waren bereits 300 da, wie Erster Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD) berichtete, bis zum Abend sollten es 500 sein. Doch Müller war nicht der einzige, der sich über die Unterbringung der Flüchtlinge informierte. Neben dem hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) waren auch Landrat Oliver Quilling (CDU) und Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) sowie zahlreiche Bürger in die Rathenaustraße gekommen. Doch während den Politiker der Zutritt zur Flüchtlingsunterkunft gewährt wurde, blieb er den Bürgern der verwehrt.

Bestimmt aber freundlich sorgte eine Security dafür, dass die Menschen vor den beiden Einfahrten verharrten, eine diente als Zufahrt für die Hilfsdienste, an der anderen wurde ein Schleuse eingerichtetet, durch welche die Flüchtlinge ihre Bleibe betreten und verlassen können. Dabei kamen die meisten mit besten Absichten, boten Dolmetscherdienste an oder wollten Spenden abgeben, seien es Lebensmittel, „nichts Altes, alles frisch gekauft“, wie eine Frau versicherte, oder Kleidung und Spielsachen.

Doch die Security musste all die freundlichen Gaben ablehnen, zunächst ganz, nachmittags dann konnte sie Bürger an den städtischen Dienstleistungsbetrieb (DLB) verweisen, die in der Offenbacher Straße 174 einen Raum für Spenden geöffnet hatte. Das bekam ein Radfahrer mit, der einen großen blauen Sack, wahrscheinlich mit Kleidung gefüllt, auf dem Gepäckträger mit sich führte. Flugs übergab er ihn einem älteren Ehepaar, das, den Kofferraum voller Spenden, gerade zum DLB fahren wollte. „Bis dahin zu strampeln ist ganz schön weit“, sagte er. Später, in ein oder zwei Tagen soll auf dem Gelände der einstigen Druckerei ein Zelt errichtet werden, in dem die Spenden dann sortiert werden. Dafür werden

Helfer benötigt

, die sich auf einem Interessenbogen eintragen können. Ein Team werde dann alles koordinieren.

Allerdings waren nicht nur Politiker, hilfsbereite Bürger und Spender in der Rathenaustraße zu sichten. Vielmehr waren dort zahlreiche Autos unterwegs, die sich mit normaler Geschwindigkeit näherten, um dann in Höhe des langgestreckten Druckereigebäudes ihre Fahrt zu verlangsamen und gemächlich daran vorbeizurollen. – Flüchtlingstourismus?

Bereits am Samstagabend herrschte reges Treiben vor der Flüchtlingsunterkunft. Vor dem Gebäude trafen erste Mitglieder der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg ein. Sie bliesen bunte Luftballons auf und befestigen sie an der großem Schranke. „Damit die Flüchtlinge wenigstens einen Lichtblick haben und so wissen, dass sie willkommen sind“, sagte Inge Manus, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe.

Die kurzfristig in Neu-Isenburg eingerichtete Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Druckereigebäude der Frankfurter Rundschau in der Rathenaustraße ist jetzt betriebsbereit. Mit den Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten war unmittelbar nach der Bekanntgabe des Standortes am Donnerstagmorgen begonnen worden. Bis Samstagmittag waren die Schlafplätze sowie die für Unterbringung, Versorgung und Verpflegung notwendige Infrastruktur soweit aufgebaut, dass der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen die Betriebsbereitschaft gemeldet werden konnte.

Die schnelle Einrichtung der für bis zu 700 Flüchtlinge vorgesehenen Unterkunft war möglich aufgrund des reibungslosen Zusammenwirkens der Katastrophenschutzbehörden auf Landes- und Kreisebene und den Einsatz der Feuerwehren, Hilfsorganisationen und des THW sowie der zielorientierten guten Kooperation der Landesbehörden mit dem Landkreis Offenbach und der Stadt Neu-Isenburg.

Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) hat bislang für die hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen provisorische Zelt-Unterkünfte in Bensheim und Darmstadt sowie feste Unterkünfte in Darmstadt und jetzt auch in Neu-Isenburg eingerichtet. „Hinsichtlich Organisation, Ausstattung und Betrieb greifen wir hier auf die in anderen hessischen Unterkünften gemachten Erfahrungen zurück“, erklärt Nicole Ohly-Müller, Sprecherin des RP. Sie führte am Samstag zusammen mit Ralf Ackermann, dem Leiter des Gefahrenabwehrzentrums in Dietzenbach, das für die Umsetzung der an die Hilfsorganisationen herangetragene Bitten des RP verantwortlich ist, eine Gruppe von Journalisten durch die Unterkunft.

Im Einzelnen wurden im Auftrag des RP unter anderem folgendes erledigt: Einrichten der festen Unterkunft mit Feldbetten und Bettzeug. Herstellen der Strom, Trinkwasser- und Abwasserversorgung sowie die Einrichtung von Sanitäranlagen und Duschen. Außerdem wurde eine Vollverpflegung der Flüchtlinge sichergestellt, ebenso ein Sanitätsdienst und die ärztliche Versorgung. Ferner wurde ein Sicherheitsdienstes rund um die Uhr im Schichtbetrieb und ein Reinigungsdienst organisiert. Eine weitere Aufgabe war die der Materialbeschaffung. Dabei ging es um Windeln, Babynahrung, Hygieneartikel wie Seife und Toilettenpapier. Und schließlich mussten Computer für die Registrierung der Flüchtlinge beschafft und Dolmetscher engagiert werden.

Am Samstag wurde noch an allen Ecken und Enden in der Flüchtlingsunterkunft gearbeitet. Eine breite Zugangstreppe über die Rampe in den großen Bettensaal wurde gezimmert, aber auch Absperrgitter für die Teile des Gebäudes gestellt, die für Flüchtlinge noch nicht zugänglich sind. Das DRK richtet ein Versorgungsdepot für Trinkwasser ein und bereitete den Speiseraum vor.

Um die Bürger über die Flüchtlingsunterkunft zur Entlastung der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen, in Neu-Isenburg, zu informieren, findet am Donnerstag, 17. September, 18 Uhr, Sportparkhalle Alicestraße, Neu-Isenburg, eine Informationsveranstaltung statt. Die Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid, Landrat Oliver Quilling, Kreisbeigeordneter Carsten Müller, Bürgermeister Herbert Hunkel und Erster Stadtrat Stefan Schmitt werden dabei über die geplante praktische Vorgehensweise berichten und die Fragen der Bürger beantworten.

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