Roman mit Bertha Pappenheim

Franz Maciejewski schildert das Leben einer starken, aber auch empfindlichen Frau

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Der Heidelberger Autor und Soziologe Franz Maciejewski hat intensiv über das Leben von Bertha Pappenheim recherchiert. Dabei wird deutlich, dass sie schwer unter dem Antisemitismus gelitten hat.

Bertha Pappenheim (1859-1936) war eine interessante Frau, die als jüdische Frauenrechtlerin die Welt der Frauen ihrer Zeit verändert hat. Der Heidelberger Autor und Soziologe Franz Maciejewski hat mit „Ich, Bertha Pappenheim“ in diesem Jahr einen Roman veröffentlicht, in dem er die Gründerin des Jüdischen Frauenbunds selbst aus ihrem Leben erzählen lässt. Bereits vor zwei Jahren war er mit dem Gerüst des Textes zu Gast im Bertha-Pappenheim-Haus – jetzt las der Autor vor dicht besetzten Stuhlreihen aus seinem Buch.

Bertha Pappenheim war als „höhere Tochter“ eines jüdischen Kaufmanns in Wien geboren. Als junge Frau, sie war gerade einmal 21 Jahre alt, erkrankte ihr Vater schwer. Seine Pflege brachte sie an den Rand ihrer Kraft: Mit Halluzinationen, Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen ging sie unter dem

Pseudonym „Anna O.“

in die Geschichte der Psychotherapie ein, weil ihr Arzt, Josef Breuer, gemeinsam mit seinem Assistenten Sigmund Freud, sie in den „Studien über Hysterie“ erwähnte. Franz Maciejewski beschreibt in einer schönen Sprache nicht nur die Fakten ihres Lebens, er lässt Bertha auch ihre innersten Gefühle, die einer starken, aber doch empfindlichen Frau, erzählen.

Gerade in ihren letzten Lebensjahren hatte es Bertha Pappenheim nicht leicht. Schon lange hatte sie mit Sorge den Antisemitismus in Osteuropa beobachtet. Auf ihren Reisen in den Orient, Palästina, Osteuropa und das zaristische Russland traf sie auf bedeutende Persönlichkeiten und hat für die Juden und besonders für die Frauen gekämpft. Dass auch in Deutschland unter den Nazis das

Feindbild Jude

aufkam, traf sie schwer. „Sie selbst hatte eine bedingungslose Liebe zu Deutschland, was dann unter den Nazis in den 1930er Jahren geschah, war für sie unbegreiflich.“

Die nächste Veranstaltung im Bertha-Pappenheim-Haus ist am Donnerstag, 10. November. Um 18.30 Uhr wird ein Kranz im Gedenken an die Pogromnacht niedergelegt, anschließend berichtet Martina Hartmann-Menz über das Schicksal von Selma Klein.

(njo)

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