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Jutta Duchmann, Leiterin der Bibliothek Neu-Isenburg (3. von rechts), wird in den Ruhestand verabschiedet.

Abschied

Die Frau, die aus der Neu-Isenburger Bibliothek einen lebendigen Ort machte

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Nach 27 Jahren verabschiedet sich Jutta Duchmann zum Ende des Jahres als Leiterin der Stadtbibliothek. Sie hat die Entwicklung der Bücherei entscheidend geprägt, nachhaltige Weichen für die Zukunft gestellt – und ganz wichtig – immer den freien Zugang und die Verfügbarkeit zuverlässiger Informationen und Medien für alle Bürger in der Stadt in den Vordergrund gestellt.

„Ich sehe die Stadtbibliothek in ihrem wahrsten Wortsinn als einen Dienstleister. Für mich war es immer bedeutend, ein qualitativ hochwertiges, aber auch ansprechendes Angebot bereit zu halten, um möglichst viele Menschen anzusprechen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich Wissen anzueignen, über Literatur und andere Informationsquellen ein kritisches Bewusstsein für Inhalte und gesellschaftliche Entwicklungen zu erarbeiten und eine eigene Meinung bilden zu können. Nicht zuletzt auch Bedingungen zu schaffen, andere Menschen unterschiedlichster sozialer und kultureller Herkunft zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen“, erklärt Jutta Duchmann, die scheidende Leiterin der Stadtbibliothek, die nun nach 27 Jahren in Neu-Isenburg in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Netzwerk schaffen

Als im Sommer 1991 die Entscheidung für die studierte Bibliothekarin als neue Leiterin fiel, kam sie aus der Stadtbibliothek Darmstadt. Neu-Isenburg war reizvoll, weil „die Bibliothek damals schon einen guten Ruf hatte. Das Gebäude, 1977 eingeweiht, war vorausschauend geplant. Der Medienetat entsprach Standards des Deutschen Bibliotheksverbandes. Und ich habe schnell gemerkt, dass ich hier niemanden von meinem Konzept einer offenen Bibliotheksarbeit überzeugen muss. Ich bin auf ein Team gestoßen, das sich sehr bewusst war, dass wir mit Veranstaltungen und Kooperationen ein Netzwerk schaffen müssen, über das möglichst viele Menschen erreicht werden sollten“, so Duchmann.

Inzwischen sei die Stadtbibliothek in die Jahre gekommen und das mehr als 40 Jahre alte Ensemble aus Hugenottenhalle und Bücherei eben nicht mehr zeitgemäß. „Ich wünschte, wir wären jetzt zum Zeitpunkt meines Abschieds etwas weiter“, sagt sie mit Bedauern. Die Idee, mit der Hugenottenhalle und der Stadtbibliothek nach der vorliegenden Konzeptstudie an diesem markanten Standort ein Bildungs- und Kulturzentrum zu schaffen, wird sie weiter beobachten und als Mitglied des Freundeskreises der Bibliothek unterstützen. „Es wäre wichtig, jetzt auch architektonisch und stadtplanerisch ein Zeichen zu setzen“, erhofft sie sich.

So ein Abschied ist natürlich auch der geeignete Zeitpunkt, zurückzublicken. Höhepunkte hat Jutta Duchmann viele erlebt. Sie zeichnete sich ganz besonders durch die Organisation von Lesungen mit bedeutenden Autoren aus. „Sehr gerne erinnere ich mich an den Abend mit dem Kunsthistoriker Jean-Christophe Ammann, dem damaligen Leiter des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt. Es war unglaublich, wie inspirierend er im documenta-Jahr 1997 zeitgenössische Kunst erklären und vermitteln konnte. Wir saßen noch lange nach der Veranstaltung mit ihm auf der Terrasse“, erzählt die scheidende Bibliotheksleiterin. Auch die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller war zu Gast in der Hugenottenstadt.

Eine Erfolgsgeschichte

Als einen „Tiefpunkt“ bezeichnet sie die Schließung der Zweigstelle im Westend. Der Protest dagegen hatte die Gründung des heute noch sehr aktiven Freundeskreises der Stadtbibliothek zur Folge. „Das war sehr gut, denn wir konnten als städtische Mitarbeiterinnen wenig sagen. Der Verein war dann unser Sprachrohr.“ Das Engagement hat sich gelohnt: 1998 gab es eine neue Zweigstelle und vergangenes Jahr feierte sie mit ihrem Team, dem Verein und der Stadt bereits den zehnten Geburtstag der Westend-Bibliothek am neuen Standort im Schul- und Bildungszentrum – eine Erfolgsgeschichte. Auch die neue Stadtteilbibliothek in Gravenbruch, die 2016 eröffnet wurde, trägt die Handschrift Jutta Duchmanns.

Jetzt ist es also Zeit, Abschied zu nehmen: „Dieses tolle Team, meine vielen Kooperationspartner und auch die Leser werden mir sehr fehlen“, sagt die 65-Jährige. Sie verspricht Neu-Isenburg und auch der Bibliothek verbunden zu bleiben. Mehr Zeit hat sie ab Januar für Café- und Museumsbesuche, fürs Zeitunglesen, für Bewegung an der frischen Luft und Reisen.

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