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Die Besucher können im ?Haus zum Löwen? künftig selbst entscheiden, was ihnen der Eintritt ins städtische Museum wert ist.

Leiter Christian Kunz hat einige Pläne für 2017

Freie Preiswahl für Museen in Neu-Isenburg

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Vor einem halben Jahr hat Christian Kunz die Leitung der Isenburger Museen übernommen. An innovativen Ideen mangelt es ihm nicht, dazu gehören ein Live-Rollenspiel und ein „Pay what you want“-Modell.

Christian Kunz ist vor etwas mehr als einem halben Jahr mit hohen Erwartungen angetreten und nun zieht der Leiter der Neu-Isenburger Museen eine erste positive Bilanz: „Wir haben 40 Prozent mehr Besucher im Haus zum Löwen und einen leichten Rückgang im Zeppelin-Museum. Wir sind ganz zufrieden“, sagte der Museumspädagoge. Für das neue Jahr hat er gemeinsam mit Kulturamtsleiterin Bettina Stuckard etliche Pläne, um möglichst viele Neu-Isenburger für die Museen zu begeistern.

Nach dem Erfolg des Sommertheaters „Eine Stadt macht Geschichte“ gibt es am 23. März ein

Rollenspiel-Projekt

im „Haus zum Löwen“. In einem interaktiven Spiel können die Besucher in fiktive Rollen schlüpfen, das Ganze steht unter dem Motto „Geschichte erleben – Begegnungen 1699–2017“. „Wir können die Besucher so aus ihrer Komfortzone locken und werden Fluchterfahrungen nachspielen. Es ist eine Art Improvisationstheater und das erste LARP-Projekt (Live Action Role Playing) in einem deutschen Museum“, kündigte Kunz an.

Einen besonderen Versuch startet Neu-Isenburg auch mit den Eintrittspreisen im Haus zum Löwen und dem Zeppelin-Museum. Bisher mussten Erwachsene zwei Euro zahlen und Kinder einen Euro. Schulklassen und Kindergartengruppen zahlen ohnehin keinen Eintritt. Im „Versuchsjahr 2017“ dürfen die Kunden ab sofort für den Museumsbesuch bezahlen, was sie wollen. Dieses innovative Preiskonzept wird gelegentlich als „Pay what you want“ bezeichnet. Jeder Besucher kann den eigenen Eintrittspreis selbst bestimmen. Das Projekt ist zunächst für ein Jahr angesetzt.

„Damit wurden in anderen Häusern sehr gute Erfahrungen gesammelt und deutlich höhere Einnahmen erzielt. Wir wollen damit natürlich die Stadtkasse nicht schröpfen“, sagte Kunz. Theo Wershoven, ehrenamtlicher Kulturdezernent, ist nicht beunruhigt: „Wir gehen auch kein sehr hohes Risiko ein“, glaubt er. Selbst wenn die Zahlungsmoral der Besucher nicht so gut ist wie erhofft – große Verluste wird die Stadt nicht einfahren, die Einnahmen lagen 2016 bei rund 4000 Euro.

Im Museum Folkwang in Essen wurden 200 Prozent Steigerung erreicht, in der Nikolaikirche Berlin sogar 500 Prozent. Schweden hat im Jahr 2005 in allen staatlichen Museen mit „Pay what you want“ im Schnitt 50 Prozent Steigerung der Einnahmen erreicht. Zusätzliche Kosten fallen pro Besucher nicht an, jeder Gast trägt, sei es mit der Spende beim Verlassen des Museums, einem Einkauf im Museumsshop oder von Getränken, zur Finanzierung des Museumsangebots bei.

Eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum „Pay what you want“ funktioniert, gibt es auch: Wieso zahlen Kunden freiwillig, wenn sie eine Ware oder eine Leistung gratis haben können? Ju-Young Kim, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Goethe-Universität in Frankfurt und ihre Kollegen fanden in einer Studie heraus, dass bei freier Preiswahl die Normen des sozialen, nicht des ökonomischen Tausches greifen. Fairness und Gerechtigkeit spielen eine wichtige Rolle. Wer sehr wenig oder gar nicht zahlt, verletzt soziale Tauschnormen – mit negativen Folgen wie Missbilligung von anderen oder einem schlechten Gewissen.

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