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Oliver Scheufler (links) und Heinz Kapp von der Nabu-Ortsgruppe Neu-Isenburg freuen sich über den Nistkasten, der an einer Eiche auf dem Waldfriedhof angebracht ist.

Naturschutz

Freiflächen auf dem Friedhof: Ein Tummelplatz für Vögel und Co.

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Die immer mehr werdenden Freiflächen auf den Friedhöfen sind für Naturschützer interessant. Dort können Wildblumenbeete oder Bienenweiden angelegt oder auch Greifvogelstangen für Mäusebussarde oder Turmfalken aufgestellt werden.

Die Friedhöfe erfahren derzeit einen beträchtlichen strukturellen Wandel. Erdbestattungen gehen deutlich zurück, dafür steigen die Wünsche nach pflegeleichten Bestattungsvarianten – wie es Urnengräber oder auch Baumbestattungen sind.

„Vor ein paar Jahren haben wir noch, aus damaliger Sicht der Notwendigkeit, größere Flächen für Erdbestattungen dazu gekauft, diese werden jetzt aber kaum noch benötigt“, beschreibt Oliver Gröll, Vorsitzender des Friedhofszweckverbandes Neu-Isenburg und Dreieich, die Situation. Dazu kommt, dass immer mehr Gräber der Erdbestattungen das Ende ihrer Verweilzeit erreicht haben und somit weitere Flächen brach liegen. Hier will sich der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland einbringen und für ein positiveres Erscheinungsbild sorgen.

„Kleinere Flächen einzelner Erdbestattungsgräber können als Wildblumenbeete und größere Flächen als Bienenweide nicht nur für schöneres Bild auf dem Friedhof sorgen, sondern auch der Natur selbst helfen“, erklärt Heinz Kapp. Bei einem Erörterungsgespräch mit Oliver Gröll, Heinz-Georg Stöhs und Andrea Mansfeld auf der einen, sowie Heinz Kapp und Oliver Scheufler von der Nabu-Ortsgruppe Neu-Isenburg auf der anderen Seite wurde über Ruhe und Besinnung in Verbindung mit schönen Naturbeobachtungen auf einem Friedhof gesprochen.

„Wir wissen um die Diskrepanz zwischen der gesetzlichen Verkehrssicherung auf Friedhöfen und dem Wunsch von Naturschützern nach alten und morschen Bäumen mit Hohlräumen für die Höhlenbrüter“, betonte Heinz Kapp, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Neu-Isenburg. Frei brütende Vögel haben kein Problem, ihre Nester in Gebüschen und lichten Bäumen zu bauen. Den Höhlenbrütern soll nun mit dem Aufhängen von entsprechenden Nistkästen geholfen werden. „Wir freuen uns, dass wir im Kostenrahmen unter 2000 Euro entsprechende Artenschutzmaßnahmen durchführen dürfen“, sagte Kapp und dankte dem Friedhofszweckverband für die finanzielle Unterstützung. So wurden bereits zu Beginn der diesjährigen Brutsaison erste Nistkästen für Meisen, Kleiber oder auch Trauerschnäpper, Fledermäuse und Eulen im Neu-Isenburger Waldfriedhof aufgehängt – insgesamt sollen es rund 50 werden.

Aber auch die immer mehr werdenden Freiflächen sind für die Naturschützer interessant. „Dort können wir Greifvogelstangen für Mäusebussarde und Turmfalken platzieren, somit sorgen wir sogar für eine Dezimierung ungeliebter Plagegeister“, erklärt Kapp. Allein ein Meisenpaar vertilge mit seiner Nachkommenschaft in einem Jahr 75 Kilo lebende Insekten – das sind 120 Millionen Insekteneier oder 150 000 Raupen. „Das sind locker drei Putzeimer voll“, zieht Heinz Kapp einen Vergleich. Für das Anlegen einer Bienenweide auf dem Friedhof in Dreieichenhain werden Gespräche geführt.

„Auf den Friedhof kommen nicht nur Angehörige, um die Gräber zu pflegen, es kommen auch Menschen, die

Ruhe und Erholung

suchen“, betont Oliver Gröll. Die vorgeschlagenen Aktionen des Nabu schaffen dafür eine Bereicherung der Friedhöfe durch die dann möglichen Naturbeobachtungen.

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