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Brüder-Grimm-Schüler

Fußstapfen, die zum Grafen führen

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Das Künstlerpaar Wolfgang und Andrea Auer hat den Wettbewerb "Kunst vor Ort" zum Stadtgründer Graf Johann Philipp gewonnen. Bei der Gestaltung setzen die beiden auch auf die Unterstützung der Brüder-Grimm-Schüler.

Zum 300. Todestag des Neu-Isenburger Stadtgründers Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen wird derzeit nicht nur in der sehenswerten Ausstellung im Stadtmuseum das Leben zur Zeit des Grafen lebendig. Auch die 2018er-Auflage des von Kreis Offenbach, Sparkasse Langen-Seligenstadt sowie der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerbs „Kunst vor Ort“ befasst sich mit dem Thema: Aufgabe war es, ein Kunstwerk zum Thema „Die Hugenotten und Neu-Isenburg“ zu schaffen, das auf der Grünfläche vor der Stadtbibliothek seinen Platz finden soll. Das Künstlerpaar Wolfgang und Andrea Auer hat mit seinem Entwurf den Wettbewerb für sich entschieden. Die Jury überzeugte das gleich in verschiedenen Facetten umgesetzte Thema der Flucht der Glaubensflüchtlinge aus dem Süden Frankreichs vor mehr als 300 Jahren, die 1699 zur Gründung der Siedlung „Neu-Isenburg“ führte.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2004 lief der Wettbewerb „Kunst vor Ort“ schon einmal in Neu-Isenburg. Was dabei entstand, sieht, wer in den Bansapark geht: Dort steht auf der Insel im Teich die Skulptur „Adam und Eva“, damals der von der Darmstädter Bildhauerin Susanne Auslender stammende Siegervorschlag.

Alabastergips anrühren

Der aktuelle Entwurf des Künstler-Paares Auer aus Friedberg bei Augsburg sieht eine in Glas gefasste Körper-Silhouette des Grafen Johann Philipp vor, um ihn herum sind – symbolisch für die Fußstapfen der Glaubensflüchtlinge – Fußabdrücke von Neu-Isenburger Bürgern platziert. Diese schöne Aufgabe, ihre Füße für das Kunstwerk zur Verfügung stellen zu dürfen, wurde der Klasse 6 c F der Brüder-Grimm-Schule zuteil. Gestern Vormittag wurden in der Schule die „Footprints“ hergestellt, am Abend folgte dann die Eröffnung der Ausstellung „Throw in Another World“ (auch) zum Projekt in der Stadtgalerie.

„Heute riecht es aber komisch hier“, meint ein Pädagoge, der kurz die Tür öffnet und in den Klassenraum schaut. „Das sind nicht die Füße der Schüler, sondern das ist der Spezialgips“, erklärt Klassenlehrer Jonas Volz. Einige Schüler haben da schon ihren Fußabdruck in einem Schaumstoffbett hinterlassen, andere sind gerade dabei, Schuhe und Socken auszuziehen, um ihren Abdruck anzufertigen. Am Tisch nebenan sind einige Jugendliche dabei, den Alabastergips anzurühren. „Ihr füllt den Becher zu Dreiviertel mit Wasser, dann gebt ihr den Gips langsam dazu, aber so, dass es keine Knöllchen gibt“, beschreibt Wolfgang Auer die Vorgehensweise.

Langer Weg hierher

Nicht immer klappt es auf Anhieb, doch mit Hilfe des Künstlers hat die „Pampe“, wie Alina das Wasser-Gips-Gemisch beschreibt, die richtige Konsistenz. „Jetzt kippt ihr das vorsichtig in den Fußabdruck im Schaumstoffbett, lasst es ruhig etwas überquellen“, so Auer. Zum Schluss, wenn der Gips sich etwas verfestigt hat, wird die überschüssige Masse mit einem Holzspachtel abgezogen. Das Ganze muss dann ungefähr eine Stunde trocknen, dann lässt sich der Fußabdruck herauskippen.

„Für mich ist diese Aktion hier in der Schule eine perfekte Umsetzung meiner Intention, denn die Klasse verkörpert die multikulturelle Gesellschaft in der Stadt“, sagt Auer. Weiterhin sollen die Fußabdrücke auch die „Fußstapfen“ der Menschen symbolisieren, die einst zu Fuß den langen Weg hierher genommen haben. „Und jeder Mensch hinterlässt als Individuum auch einen Fußabdruck auf dieser Welt.“

Die Abdrücke der Schüler werden eingeschwärzt – als Symbol einer „schwarzen Energie“ – und rund um das Kunstwerk vor Hugenottenhalle und Bibliothek platziert.

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