Gegner der Regionaltangente West wollen eine Bürgerinitiative gründen

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Während die Regionaltangente West im Isenburger Rathaus als wichtiges Projekt betrachtet wird, machen einige Bürger gegen das Vorhaben mobil. Sie halten die neue Bahnverbindung für überflüssig.

Zu viel Lärm, unschöne Bahnschienen im Stadtbild, notwendige Baumfällungen oder auch der Zweifel am Bedarf – die Begründungen für die ablehnende Haltung gegenüber der Regionaltangente West (RTW) in Neu-Isenburg sind vielseitig. Jetzt bringen sich die Gegner in Position und wollen zumindest einen Bau der Bahn bis ins Birkengewann verhindern. AfD-Mitglied Wolfgang Hufer hat zu einer Gründungsveranstaltung für eine Bürgerinitiative eingeladen. Rund 15 Isenburger kommen dabei zusammen.

Auch wenn Hufer am liebsten gleich die Formalitäten ausgetauscht hätte, um eine schlagkräftige BI verkünden zu können, muss er sich doch zunächst dem Redebedarf der Bürger stellen: „Wir wohnen in der Carl-Ulrich-Straße. Der Verkehr dort ist heute schon immens. Wenn ich mir vorstelle, dass dort dann auch noch eine Bahn langfährt, dann ist das ein Alptraum“, sagt einer der direkten Anwohner. Eine junge Frau kann wiederum gar nicht verstehen, dass die Grünen möglicherweise dem Bau der RTW durch Isenburg zustimmen: „Da stehen 80 Jahre alte Bäume, die sind wunderschön. Jeder fordert Grün in der Stadt, und hier will man die Pflanzen achtlos abholzen.“ Die Gegner bezweifeln die Sinnhaftigkeit der Bahn. Mit 100 Metern Länge sei sie völlig überdimensioniert für den Bedarf – selbst wenn die Gewerbegebiete in der Stadt weiter wachsen. Ein Mann meint, dass Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) das Renommeeprojekt RTW um jeden Preis durchboxen wolle.

Einer, der auch schon mit den Verantwortlichen im Rathaus diskutiert hat, ist Jürgen Czernio. „Ich lebe seit 54 Jahren in Neu-Isenburg und bin Anwohner der Friedhofstraße. Wir haben große Bedenken gegen die RTW – aus ganz persönlicher Sicht“, erläutert er. Schon jetzt sei die Friedhofstraße eine „Autobahn“, er müsse dann künftig auf hässliche Oberleitungen blicken und auf neue Hochhäuser im Birkengewann. „Und dann schaue ich vermutlich auf zumeist leere Züge, die im Viertelstundentakt zwischen 5 Uhr morgens und 1 Uhr nachts pendeln. Ich bin kein Gutachter, aber die Annahmen über die Zahlen für den künftigen Verkehr erscheinen mir überhöht“, so Jürgen Czernio.

Die 1300 Neubürger im Birkengewann seien dabei nur ein Beispiel. Viele der Wohnungen seien altengerecht und die künftigen Bewohner sicher keine Berufspendler in Richtung Frankfurt. Er bezweifelt auch, dass Isenburg mit dem ehemaligen Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, Rolf Valussi, ergebnisoffen und neutral beraten ist. Czernio fürchtet zudem, dass ein versprochenes Rasenbettgleis aus Kostengründen wieder verworfen werden könnte und dass alle Bedenken von Bürgern im Rathaus vom Tisch gewischt werden.

Oliver Hatzfeld, Fraktionsvize der Isenburger CDU, mischt sich an diesem Abend unter die RTW-Gegner. Er bekennt sich von Beginn an dazu, dass er aus Interesse an den Gegenargumenten gekommen ist. „Meine Partei ist noch im Entscheidungsprozess“, stellt er klar. Hatzfeld ist in der Runde aber einer der Wenigen, der Details aus der Planung kennt und auch die öffentlich einsehbaren Berichte gelesen hat. Seine Anwesenheit ist durchaus hilfreich, er bringt manches Mal Licht ins Dunkle, ob es bei der genauen Streckenführung oder den potenziellen Nutzerzahlen ist. Immer wieder mäkeln die Anwesenden an der Glaubhaftigkeit der Basiszahlen herum: „Wenn Sie denken, dass die Gutachten fehlerhaft sind, dann wehren Sie sich dagegen“, empfiehlt Hatzfeld die Möglichkeit einer Einwendung.

Initiator Wolfgang Hufer markiert ein Bürgerbegehren gegen die RTW als großes Ziel. Er schlägt Kaffeekränzchen in der Friedhofstraße, eine Markierung der Bäume und Protestaktionen vor. Ralf Schmidt ist pragmatischer, der Anwohner regt an, zunächst einmal die wichtigen Fragen zu sammeln: Auf welcher Basis wurde die RTW geplant? Wo kommt das Gutachten her? Ist möglicherweise ein zweites Gutachten notwendig? Es gelte, die Bürger besser über die negativen Auswirkungen zu informieren und sich in dem Protest gegen die RTW zu positionieren. Schmidt stellt aber auch klar: „Ich werde kein Gründungsmitglied in einer BI, die von einem AfD-Mitglied geführt wird.“ Die Gründung einer offiziellen Bürgerinitiative ist an diesem Abend vom Tisch. Die Teilnehmer verabreden nach rund zwei Stunden, sich ein zweites Mal zum Austausch zu treffen. Ein Termin für dieses Treffen ist noch nicht gefunden.

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