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GHK-Vorsitzender Herbert Hunkel (rechts) bedankt sich beim Referenten Marco Janotta. Mit dabei Christian Mazzeo (Regionalmarktdirektor, links) und Stephan M. Schader (Vorstandsvorsitzender Volksbank Dreieich).

Vortrag zum Brexit

Marco Janotta von der Volksbank Dreieich: „Das Geld der Isenburger ist sicher“

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Die Bürger der Hugenottenstadt müssen sich keine Sorgen um ihr Geld machen, sagte Marco Janotta von der Volksbank Dreieich. Er hielt einen Vortrag zum Brexit und sagte, was die unsichere Situation, verursacht von den Briten, unter anderem für die Kapitalmärkte bedeutet.

Der Verein für Heimatpflege, Geschichte und Kultur (GHK) Neu-Isenburg um seinen rührigen Vorsitzenden Herbert Hunkel widmet sich nicht nur historischen Themen, sondern greift auch aktuelle Fragestellungen auf. Am Mittwochabend stand der „Brexit“ – also der Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union – auf dem Programm. Recht passender Ort war die Galerie der Filiale der Volksbank Dreieich in der Frankfurter Straße in Neu-Isenburg. Als Referent konnte der Leiter der Abteilung Kapitalmarkt, Marco Janotta, gewonnen werden.

Das Interesse seitens der Isenburger war so groß, dass weitere Stühle aus den Beratungsräumen geholt werden mussten. Am Ende waren es mehr als 50 Gäste. „Ich glaube, wir hätten diesen Termin nicht besser legen können“, freute sich der GHK-Vorsitzende Herbert Hunkel und verwies auf das Nein des britischen Parlaments zu Theresa Mays Brexit-Deal am Abend zuvor. „Und heute Abend steht noch das Misstrauensvotum an, das dürfte auch spannend werden“, so Hunkel.

Christian Mazzeo, Regionalmarktdirektor, verwies darauf, dass es aus Sicht des Kapitalmarktes seit der Bankenkrise 2008/2009 keine so einschneidende Situation wie den Brexit mehr gegeben habe. „Seit gestern wissen wir aber, dass wir dennoch nichts wissen“, beschrieb er die Hängepartie zum Brexit.

Nicht überraschend

Marco Janotta sah den Ausgang der Brexit-Entscheidung im britischen Parlament als nichts Überraschendes an. „Dennoch wird auch diese Situation ihre Auswirkungen haben, und es wird alle treffen“, sagte er. In einem kurzen Film ließ Marco Janotta die Fakten des Brexits noch einmal Revue passieren. Am 23. Juni 2016 entschieden die Briten, dass sie aus der Europäischen Union austreten möchten. „Darüber war man überrascht, und die Börsen reagierten scharf“, erklärte Janotta. Am 29. März 2017 wurde dann der Antrag dem EU-Parlament in Brüssel zugestellt, dass Großbritannien den EU-Raum verlassen möchte. Ursächliche Gründe waren eine größere Selbstbestimmung, aber auch die Flüchtlingspolitik der EU.

„In über zweijährigen Verhandlungen wurde nun der Modus eines geregelten Brexits ausgehandelt, der für alle Beteiligten möglichst wenig Bremsspuren hinterlassen sollte“, so Janotta. Auch setzten diese Verhandlungen nur einen groben Rahmen, denn im Detail sei noch viel Spielraum. Die 100 Abgeordneten der von Theresa May geführten Conservative Party, die auf die Seite der Opposition abwanderten, waren der Grund dafür, dass die Abstimmung schließlich scheiterte.

Hauptstreitpunkt im Brexit-Abkommen ist die Situation um Nordirland. „Diese 100 Seitenwechsler sind sich selbst so uneins, die einen wollen einen ganz harten Schnitt, die anderen wollen noch mehr Zugeständnisse der EU“, so Marco Janotta. Für das weitere Vorgehen sah Janotta drei Szenarien: erstens neue Verhandlungen, zweitens ein zweites Referendum oder drittens der Stopp des Brexits. Doch im Vordergrund stehe der Zeitfaktor. Im Mai stehen Wahlen zum EU-Parlament an. „Sollen oder dürfen die Briten da noch wählen – also mitbestimmen – und dann womöglich nach einem Jahr die EU doch verlassen?“, fragt Marco Janotta. Im Rahmen zahlreicher wirtschaftlicher Projekte bestehen Handelsbeziehungen zwischen den EU-Ländern sowie der EU und dem Rest der Welt.

„Ich nehme nur das Beispiel des Airbus-A380-Bau, dessen Einzelteile in vier verschiedenen Ländern gefertigt und in Toulouse zusammengebaut werden – gerade die Flügel kommen aus England“, so Janotta. Auf wirtschaftliche Unwägbarkeiten reagieren Kapitalmärkte meist nervös, darin liege auch eine Gefahr.

Keine Besserung in Sicht

„Kein vernünftiger Mensch und erst recht kein Großinvestor investiert in eine politisch unsichere Region“, betont Marco Janotta. Dies zeige sich auch an der boomenden Wirtschaft in Neu-Isenburg, auch hier setzen die Unternehmen auf eine perspektivisch langfristig verlässliche Stadtregierung.

Kurzfristig sah der Kapitalmarktspezialist keine Besserung der Zinssituation. Die derzeitige finanzielle Repression mit einem Null-Zinsertrag und einer jährlichen Inflation von rund zwei Prozent könne noch eine Weile andauern.

Wichtigste Botschaft war jedoch, dass das Geld der Isenburger auch weiterhin sicher sei. „Wichtig für uns Bankmenschen wäre es jedoch, dass die Engländer endlich mal sagen würden, was sie wirklich wollen, damit wir uns alle entsprechend darauf einstellen könnten“, schloss Marco Janotta seinen Vortrag.

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