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Auch kollektives Heulen von Gordana Petkovic (von links), Regina Krestin und Vincenza Arendt hilft nicht weiter.

Umzug

Sturmtief Bennet verhagelt den Narren den Lumpenmontag

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Traurige Gesichter gab es gestern bei den Isenburger Narren: Der Lumpenmontagsumzug musste aufgrund des Wetters abgesagt werden. Ein wenig getanzt wurde auf den Straßen dennoch.

Bürgermeister Herbert Hunkel tagt um 13.15 Uhr in seinem Clowns-Kostüm hinter verschlossenen Türen im Restaurant der Hugenottenhalle. Gemeinsam mit Erstem Stadtrat Stefan Schmitt, Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamtsleiterin Cornelia Marburger und der Zugleitung mit Günter Schleifer und Jörg Knitter entscheidet er schweren Herzens, den Lumpenmontagsumzug abzusagen.

„Es ist einfach zu gefährlich“, meint Hunkel bedauernd, „wir haben genau für 14 Uhr eine Sturmwarnung mit bis zu 100 Kilometer pro Stunde mit einer möglichen Gewitterfront. Wir können dieses Risiko einfach nicht eingehen.“ Die Verantwortlichen fürchten, dass die Schaulustigen durch umher fliegende Gegenstände verletzt werden könnten.

Die Nachricht verteilt sich über die sozialen Netzwerke wie ein Lauffeuer unter den rund 60 Zugnummern, die sich zum Teil schon in der Carl-Ulrich-Straße in Position gebracht haben. Das Ordnungsamt fährt mit einem Megafon durch die Reihen. All die Lumpen, Hexen, Garden und vor allem Oberlump Markus Letz und Watz Uwe Fräger sind traurig über die Absage.

Letzter Auftritt

„Natürlich sind wir enttäuscht. Es ist viel Arbeit, den Umzug vorzubereiten, und es ist nun mal der Höhepunkt der Kampagne“, sagt Fräger, der sich schon gefreut hatte, hoch oben im Gerippten in die Menge zu winken. „Für das Prinzenpaar tut es mir ganz besonders leid“, sagt der Watz, der das Spektakel im vergangenen Jahr selbst im Kostüm der närrischen Hoheit erleben durfte. „Aber wir werden Martina I. und Jörg III. heute Abend auf den diversen Partys trösten“, kündigt der Oberlump an.

Günter Schleifer bedauert den Ausfall des Zugs ebenfalls, sollte es doch sein letzter als Zugmarschall sein. Seit 1972 ist er bei den Watzen, war 14 Jahre Vorsitzender. „Ich hatte ein paar Überraschungen vorbereitet für meinen letzten Lumpenmontagsumzug an der Spitze. Die bleiben jetzt in der Kiste.“

Etwas kurios: Noch während Hunkel mit den Narren tagt, vermeldet das Radio schon den Ausfall des Zugs. Die Isenburger gehen wieder nach Hause. Aber eben nicht alle: Während die Gäste aus Dreieich mit ihren Motivwagen gen Heimat ziehen, sorgen die Fränkischen Rebläuse aus Bürgstadt, der Musikzug Rippberg, die Lumpengruppe und die Watze auf der Frankfurter Straße noch für Stimmung.

Köstlicher Eintopf

Gemeinsam ziehen sie musizierend bis auf den Rosenauplatz. Während die Schaulustigen noch zu „Komm’ hol das Lasso raus“ tanzen, wird ziemlich pünktlich um 14.10 Uhr klar, dass es die richtige Entscheidung war, den Zug abzusagen. Der Wind bläst, der Regen peitscht auf die tanzende Menge, dass sich alle schnell unter das Vordach der Hugenottenhalle retten. Es wird so heftig, dass die Straßensperrungen umkippen und allerhand Kleinteile über die Frankfurter Straße fegen. Das Unwetter ist nach zehn Minuten schon wieder Geschichte. Auf den hohen Motivwagen hätte Sturmtief Bennet aber durchaus sehr gefährlich werden können.

Zum Glück bleibt den Isenburgern aber eine Tradition erhalten: Der Linsensuppenanstich am Morgen auf der Bahnhofstraße fällt nicht aus. In der Küche der DLRG hatte das bewährte Linsensuppenteam aus über 100 Kilo Frankfurter Würstchen, Linsen, Kartoffeln und Gemüse nach Anweisung von Chefkoch Dietmar Scherf den köstlichen Eintopf zubereitet. Die Gäste aus den französischen Partnerstädten zieht es magisch zum großen Topf. „Trés bien“ lautet das einhellige Urteil. Den Ausfall bedauern sie, aber der Marsch durch die Hugenottenstadt ist nur verschoben: „Wir kommen nächstes Jahr wieder“, kündigen sie an.

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