An den Turm der evangelischen Gemeinde wird das neue Gebäude gebaut.  Anstelle der heutigen Gemeinderäume (links) entstehen Wohngebäude mit einer Kita im Erdgeschoss.
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An den Turm der evangelischen Gemeinde wird das neue Gebäude gebaut. Anstelle der heutigen Gemeinderäume (links) entstehen Wohngebäude mit einer Kita im Erdgeschoss.

Evangelische Gemeinde

In Gravenbruch entsteht Platz für Kirche und Wohnungen

  • VonLeo Postl
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Die evangelische Gemeinde Gravenbruch wird zukunftsfähig gemacht. Das neue Gebäude wird an den Turm gebaut und umschließt es von drei Seiten. Auch Wohnungen sollen entstehen.

Dass der evangelischen Kirchengemeinde in Gravenbruch eine Zäsur, was das äußere Erscheinungsbild betrifft, bevorsteht, ist bekannt. Die Kosten für den Unterhalt des großen Kirchengebäudes samt angeschlossener weiterer Gemeinderäume waren nicht mehr vertretbar. Die Zahl der Gemeindemitglieder sank inzwischen auf rund 1000 treue Gläubige. Nachdem auf der gegenüberliegenden Seite des Dreiherrnsteinplatzes auch die katholische Gemeinde St. Christoph sogar ihren Kirchturm abreißen ließ, um Platz für ein Wohnhausprojekt zu schaffen, schossen auch für die Evangelischen die Gerüchte ins Kraut.

„Wir müssen etwas tun, um den Menschen und insbesondere unseren Gemeindemitgliedern Klarheit zu verschaffen, was wirklich passieren soll“, hatte Andreas Friebel vom Kirchenvorstand gefordert. Darum hatte die evangelische Gemeinde den Ortsbeirat zu seiner jüngsten Sitzung in den Gemeinderaum eingeladen. Dort erläuterte Pfarrerin Barbara Friedrich den Mitgliedern des Ortsbeirats, aber auch zahlreichen Gästen, die Pläne der bevorstehenden Veränderungen und Architekt Manfred Hagelstein präsentierte sogar schon ein Modell der neuen Kirche.

Hell, aber vertraut

„Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verpflichtung bewusst und wollen uns sowohl baulich den neuen Gegebenheiten mit rund 1000 Mitgliedern anpassen als auch dringend benötigten Wohnraum zur Verfügung stellen“, umriss Pfarrerin Barbara Friedrich die Gründe der vielfältigen bevorstehenden Veränderungen.

Geplant ist nun, das Kirchengebäude samt Gemeinderäumen, in denen die Sakristei, Bibliothek sowie verschiedene Versammlungsräume untergebracht sind, und auch den benachbarten Kindergarten aufzugeben.

„Wir wollen unsere Gemeinde zukunftsfähig machen und auch der Gesellschaft etwas zurückgeben – dafür haben wir mit Bonava einen idealen Partner gefunden, der das Gelände mit Wohnungen bebauen wird“, so die Pfarrerin.

Das neue Kirchengebäude soll eine Mischung aus „hell, aber auch vertraut“ werden, wie Pfarrerin Barbara Friedrich die Zukunft beschrieb. „Die Kindertagesstätte ist von einem guten Geist beseelt, jedoch entspricht sie baulich nicht mehr ganz den heutigen Anforderungen“, verwies Friedrich auf eine Betriebsgenehmigung, die gerade nochmals erreicht werden konnte. Ferner reichten auch die zwei Gruppen für den künftigen Bedarf nicht mehr aus – es sollten schon drei sein.

Vorzeigbare Lösung

Wie dies alles erreicht werden könnte, erklärte der mit den Planungen beauftragte Architekt Manfred Hagelstein. „Dies war ein nicht ganz einfaches, aber dafür umso reizvolles Projekt“, beschrieb der Architekt die vielfältige Aufgabenstellung. Zunächst stand die Erhaltung des bestehenden Kirchengebäudes im Fokus, hier sprachen jedoch ein hoher Sanierungsbedarf, insbesondere des Daches, und auch der Einzug einer Decke dagegen. „Zudem hätte die Einrichtung der Kindertagesstätte im Obergeschoss weitere bauliche Veränderungen bezüglich Rettungswegen mit sich gebracht“, so der Architekt.

„Bei diesem Projekt galt es insbesondere, die mit vielen Emotionen belegten Teile in einem neuen Zweckbau unterzubringen“, schilderte Manfred Hagelstein seine Herangehensweise. Nach vielen Diskussionen und Vorschlägen aus der Kirchengemeinde sei nicht nur ein Kompromiss, sondern eine wirklich vorzeigbare Lösung gefunden, beschrieb der Architekt das Ergebnis des Findungsprozesses.

„Das neue Kirchengebäude rückt direkt an den Turm heran und wird ihn von drei Seiten umschließen“, beschrieb Architekt Hagelstein die Lösung. Auch sieben der zehn Glaskunstfenster – jene der Schöpfungsgeschichte – sollen wieder in der neuen Kirche für Erhellung sorgen. Auch die Orgel, dies war eine weitere Bedingung, wird im Obergeschoss ihren adäquaten Platz finden.

„Und die beiden Tore werden wir sicherlich auch noch unterbringen“, zeigte sich der Architekt hoffnungsvoll. Weiterhin sollen weitere kirchlich notwendige Räume, wie Sakristei, Versammlungsraum, Küche und Sanitäranlagen, noch mit im neuen Gebäude, das mit Geld der evangelischen Landeskirche finanziert wird, untergebracht werden.

Die von der evangelischen Kirche gewünschte Kindertagesstätte soll jedoch im Erdgeschoss des angrenzenden Wohngebäudes nördlich der Kirche ihren Platz finden. „Dort sorgen wir für eine sehr preisgünstige Lösung, denn der Fußboden des darüber liegenden Wohnraumes ist die Decke der Kindertagesstätte“, so der Architekt. Die evangelische Kirche würde diese gerne weiter betreiben, wer die baulichen Kosten tragen soll, ist freilich noch offen. „Wenn es einen weiteren Bedarf an Kita-Plätzen gibt, müssen wir als Kommune ohnehin tätig werden“, meinte Bürgermeister Herbert Hunkel.

„Ich werde immer wieder auf der Straße angesprochen, warum wir so einen radikalen Einschnitt vorhaben“, schilderte Pfarrerin Barbara Friedrich ihre Begegnungen mit Menschen auf der Straße. Sie habe dann immer gefragt: „Wann waren Sie denn das letzte Mal bei uns? Kommen Sie doch mal, dann zeige ich Ihnen den Schimmel und die vielen maroden Stellen.“ Darauf hätte es dann selten eine Antwort gegeben, so die Pfarrerin.

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