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Neu-Isenburg Polizeichef Volkmar Meyer stand den Gravenbruchern Rede und Antwort. Meyer sieht derzeit kein ?besonderes Konfliktpotenzial?.

Bürgerinformation

Gravenbrucher sind sauer auf den Kreis

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Bei einer offenen Bürgerinformation zur geplanten Flüchtlingsunterkunft im Singh-Haus war jede Menge Dampf im Kessel. Die Gravenbrucher kamen in Scharen gelaufen.

Der Kreis Offenbach hat das „Singh-Haus“ in Gravenbruch angemietet, um Flüchtlinge dort unterzubringen. Als dies öffentlich wurde – Ortsbeirat und Bürger erfuhren dies über die Presse – schlugen die Wellen hoch. Die einen fühlten sich „übergangen“, die anderen hatten generelle Bedenken gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in diesem Haus.

Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) reagierte nun mit einer offenen Bürgerinformation darauf. Die Gravenbrucher hatten Gelegenheit, nicht nur Fakten aus erster Hand zu erfahren, sondern auch ihre Bedenken zu äußern.

So voll dürfte sich Gastgeberin, Pfarrerin Barbara Friedrich, ihre evangelische Kirche öfters wünschen. Die Resonanz seitens der Bevölkerung war groß. Bürgermeister Herbert Hunkel hieß Carsten Müller (SPD), den Sozialdezernenten des Kreises Offenbach, willkommen – sollte er doch Rede und Antwort bezüglich der Wahl des Objektes stehen. Für die meisten wohl überraschend, war auch Kai Singh unter den Gästen. „Ich mache nichts Geheimes oder Verbotenes, ich will einen offenen Dialog mit den Bürgern und werde meine Pläne im Internet offenlegen“, sagte der Eigentümer der Immobilie souverän. Er ließ sogar ein Infoblatt mit dem Umbauvorhaben verteilen. „Auf drei Etagen entstehen je vier abgeschlossene, kleinere Wohneinheiten, zuzüglich Gemeinschaftsflächen, Gruppenräumen, Waschküche und einem Büro des Kreises“, so die Angaben. Infos dazu finden sich im Internet unter .

Zunächst schilderte Carsten Müller das Zustandekommen des Vertrages des Kreises Offenbach mit dem Eigentümer der Immobilie. Als er bestätigte, dass die Verhandlungen bereits seit Dezember vergangenen Jahres liefen, gab es Raunen im Publikum. „Gemäß Gesetz sind wir verpflichtet, die uns zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen. Entweder stellen uns die Städte Wohnraum zur Verfügung oder wir machen das selbst“, sagte Müller deutlich. Bisher gebe es in elf Städten des Kreises mindestens eine vom Kreis entweder selbst errichtete Wohnunterkunft oder angemietete Objekte, erläuterte der Sozialdezernent – nun sei auch mal Neu-Isenburg dran.

Gemäß einem Verteilungsschlüssel, werden die Einwohnerzahl und die Wirtschaftskraft berücksichtigt, werden die Flüchtlinge zugewiesen. Für Neu-Isenburg beträgt der Schlüssel 8,5 Prozent. „Demnach werden wir seitens des Kreises 8,5 Prozent aller uns zugewiesenen Flüchtlinge an die Stadt Neu-Isenburg weiterleiten“, erklärte Müller. „Vor einer Woche wurde im Kreistag ein Beschluss gefasst und mit dem Eigentümer ein Mietvertrag über vorerst fünf Jahre abgeschlossen“, so der Sozialdezernent.

Auch die Stadt Neu-Isenburg wurde mit einbezogen, schließlich hat sie in Sachen Baurecht die letzte Entscheidung. Doch gerade diese Aussage kam bei den Gravenbruchern nicht gut an und auch Ortsvorsteher Eddi Fischer (CDU) monierte, dass er sich sehr wohl übergangen fühle.

Wie Kai Singh erläuterte, will er das Gebäude so umbauen, dass dies später für sozial schwache Familien als Unterkunft genutzt werden könne. So werden „Wohneinheiten“ mit 25 Quadratmetern für zwei Personen, solche mit 30 Quadratmetern für drei Personen und mit 60 Quadratmetern für bis zu sieben Personen entstehen – gekocht wird in einer Gemeinschaftsküche mit mehreren Kochstellen. Müller verwies zudem darauf, dass die dort untergebrachten Flüchtlinge ihren Alltag selbst organisieren. Die sozialarbeiterische Betreuung wird die Diakonie übernehmen. „Es ist an eine Belegung von 58 bis 72 Personen gedacht“, so Müller.

Die Bedenken der Bevölkerung, dass die Kriminalität wegen der Flüchtlinge steigen könnte, wollte Isenburgs Polizeichef Volkmar Meyer nicht sehen. Schließlich wurde Landrat Oliver Quilling noch Wortbruch vorgeworfen, da er versichert hatte, dass mit der Erstaufnahmeeinrichtung keine weiteren Flüchtlinge folgten. Hier verwies Müller darauf, dass die Einrichtung in der Rathenaustraße zum 31. August geschlossen werde und Isenburg dann einen Nachholbedarf bei der Flüchtlingsaufnahme habe.

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