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Bernhard Pries, Technischer Betriebsleiter, sitzt an einer alten Bleisatzmaschine.

550. Todestag

Gutenbergs Geist ist noch lebendig

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Mit seiner revolutionären Erfindung hat Johannes Gutenberg die menschliche Kulturgeschichte entscheidend geprägt. In einer Druckerei der Hugenottenstadt wird die Historie der Buchdruckkunst wie auch ihr modernes Erbe greifbar.

Es rumst hin und wieder mal mächtig im Hause mt druck. „Da werden nicht schwere Druckplatten aufs Papier gepresst, sondern das ist der Druckzylinder, der zum Nuten, Prägen und Perforieren genutzt wird – aber früher haben wir damit auch noch bedruckt“, erklärt Andreas Thiele. Der Geschäftsführer von Druckhaus mt druck und Verlag momos hat die Arbeiten in einem Druckereibetrieb nicht nur von der Pike auf durchlaufen, sondern den wohl größten Umbruch des Druckens in so kurzer Zeit miterlebt. „Ich kann mir gut vorstellen, wie es in einer Druckereianstalt von Johannes Gutenberg zugegangen sein mag. Denn auch ich habe selbst noch Klischees mit Hirschleder geputzt – da brauchte man keine Drogen mehr“, verweist Thiele auf Arbeitsweisen, die heute unvorstellbar wären.

Bahnbrechende Erfindung

Bis 1450 war die gängige Drucktechnik in Europa der Holztafeldruck. Dabei musste man den zu druckenden Text oder das Bild mühsam spiegelverkehrt in einen Holzblock schneiden. Dann wurde das Relief mit Farbe bedeckt. Anschließend legte man ein Blatt Papier auf den Holzstock und drückte die überstehenden Teile so ab. Die Bibel und andere wichtige Bücher wurden von Mönchen in einem aufwendigen Verfahren Zeichen für Zeichen eher gemalt als geschrieben.

Johannes Gutenberg entwickelte erstmals in Europa ein Druckverfahren mit beweglichen Lettern. Der Text wurde dabei aus einzelnen Buchstaben, Satzzeichen und oft benutzten Kombinationen zusammengesetzt. Um identische Lettern herzustellen, machte Gutenberg eine weitere wichtige Erfindung – das Handgießinstrument. Buchstaben und Zeichen wurden nun aus Blei hergestellt. Außerdem entwickelte er die Druckerpresse, die einen schnellen, gleichmäßigen Druck ermöglichte. Der erste Druck nach dem neuen Verfahren war ein Gedicht, das Gutenberg selbst verfasst hatte. Sein größter Verdienst war der Druck der Bibel – die Martin Luther ins Deutsche übersetzt hatte. Man mutmaßt gar, ohne Gutenbergs „Massendruck“ wäre die Reformation gescheitert.

Zurück ins Haus mt druck in der Friedrich-Gauß-Straße im Osten von Neu-Isenburg. Dort hat sich das Familienunternehmen Walter Thiele nach seinem Wegzug aus Frankfurt im Jahre 1994 auf 2000 Quadratmetern eine neue Betriebsstätte geschaffen. 2003 war mt druck offizieller Feldtest-Partner des weltberühmten Druckmaschinenherstellers Heidelberg. Nach zehn Jahren am neuen Standort hatte die Firma über drei Millionen Euro in neue Technik investiert und über zehn Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen ausgebildet. „Ein Jahr war der damalige Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement bei uns und dankte uns für unser unternehmerisches Engagement“, zeigt Andreas Thiele auf ein Erinnerungsfoto, das ihn mit seinem Vater Walter neben Wolfgang Clement zeigt. „Auf dieser Bleisatzmaschine musste Clement seinen Namen erstellen“, schmunzelt heute noch Andreas Thiele über die besondere Aufgabe, die Clement aber dennoch meisterte.

Bis 2004 investierte mt druck weitere zwei Millionen Euro in modernste Technik zur Absicherung von Qualität und Geschwindigkeit – beides war vermehrt als „Überlebensgarantie“ gefragt. „Mit der modernen weltweiten Kommunikation war plötzlich ein gewaltiger Preis- und Konkurrenzkampf entstanden, dem wir uns stellen mussten“, beschreibt Andreas Thiele den Beginn einer schwierigen Zeit, die noch nicht überwunden ist.

Überleben nur im Team

Nur im Team mit allen Mitarbeitern, davon ist Thiele überzeugt, können die anstehenden Herausforderungen gemeistert werden. „Alle wollen beste Qualität zu einem möglichst günstigen Preis, damit stehen wir einer weltweiten Konkurrenz gegenüber“, so Andreas Thiele. Ein wichtiger Schritt war deshalb auch 2016 die Modernisierung der Druckvorstufe mit einem umweltfreundlichen Druckplattenbelichter. Aber auch das gesellschaftliche Engagement ist für das Haus mt druck eine persönliche Verpflichtung der Geschäftsführung. „Es ist unser Anspruch, uns nicht isoliert zu betrachten. Wir sind ein Unternehmen, das über den alltäglichen Tellerrand blickt und sich hier in verschiedenen Bereichen, von sozial über kulturell bis ökologisch, engagiert“, betont Thiele.

Beispiel hierfür war 2007 die Auszeichnung mit dem Umweltpreis der Stadt Neu-Isenburg. Das von Dr. Gudrun Petasch übersetzte Konsistorienbuch, das Neu-Isenburger Geschichtsbuch oder auch die Stadtillustrierte „Der Isenburger“ sind Beispiele besonderer Druckwerke aus dem Hause mt druck. Ein Johannes Gutenberg hätte sicherlich seine große Freude daran.

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