1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Offenbach
  4. Neu-Isenburg

Heinrich Heine und die Reformation

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Leo Postl

Kommentare

Der Schriftsteller Heinrich Heine war Protestant und gleichzeitig auch Kritiker der Kirche. Pfarrer Matthias Loesch beschrieb in einem Vortrag sein Verhältnis zu Martin Luther und der Reformation.

Die evangelischen Kirchen gedenken am Tag des Anschlages der 95 Luther-Thesen an die Schloßkirche in Wittenberg ihrer Reformation. Die evangelisch-reformierte Kirche Am Marktplatz stellte in den vergangenen Jahren immer eine Person mit besonderem Bezug zur Reformation in den Mittelpunkt eines Vortrags. Diesmal war es Heinrich Heine.

„Sie werden sich sicherlich wundern, warum Heinrich Heine diesmal im Mittelpunkt der Reformation steht“, meinte Pfarrer Matthias Loesch in die Reihen der voll besetzten Marktplatzkirche am Montagabend. „Ich hoffe aber genauso, dass Sie sich nach meinem Vortrag diese Frage nicht mehr stellen“, so Loesch überzeugt. Der Pfarrer gilt als überzeugter „Reformierter“ und versteht es, in beeindruckender Weise – ohne belehrend zu sein – anderen seine Erkenntnisse und Überzeugung zu vermitteln. Dies war auch im Falle Heines so.

Große Ambivalenz

Viele, die sich mit dem „streitbaren Geist“, wie Heine oft genannt wird, beschäftigt haben, wissen sicherlich, dass Harry Heine als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers (wahrscheinlich) am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren wurde. Doch wer weiß schon, dass er nach seinem Kaufmans-Studium mit unzufriedenem Berufsleben bei seinem Onkel in Hamburg auf Wanderschaft in den Harz ging, dort auf einen zugänglichen Pfarrer traf und Protestant wurde – von da an nannte er sich auch Heinrich. Der Lebensweg führte Heine nach Berlin, wo er sich der gehobenen Literatur widmete. Seine journalistischen Arbeiten gingen jedoch recht kritisch mit Gott und der Welt ins Gericht, so dass sich die weltlichen Herrscher genötigt sahen, Heines Werke zu verbieten – auch seine Bücher wurden später verbrannt. Heine emigrierte schließlich nach Paris, wo er nicht nur jene geistige Freiheit, sondern auch seine Liebe fand – und die war katholisch.

„Schon in dieser kurzen Dokumentation von Heines Leben zeigt sich seine große Ambivalenz, nicht nur zur Gesellschaft, sondern auch zur Kirche“, betonte Loesch. Er verwies auf das stetige Bekenntnis von Heine zu seiner deutschen Heimat, obwohl er dort nicht mehr geduldet war. Noch auf dem Schmerzenslager richtet er einen Antrag über seinen einflussreichen Freund Alexander von Humboldt an die deutsche Obrigkeit, zurückkehren zu dürfen – ohne Erfolg.

Bewundernswerte Person

„Aber welches Verhältnis hatte Heine zur Reformation?“, fragte Pfarrer Loesch und kam damit zum Kern seines Vortrages. „In Martin Luther sah er einerseits einen dahergelaufenen Protestierer gegen das Kirchensystem, aber andererseits auch eine bewundernswerte Person mit besonderer Überzeugungskraft“, so Loesch. „Der Glaube an ein Leben nach dem Tode ist Wahnsinn“, schrieb Heine einst. Die Bibel bezeichnete er als älteres und schlichtes Buch, ähnlich einer Großmutter. „Wer Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buch wieder finden“, schrieb er jedoch an anderer Stelle. Luther war für Heine nicht nur der größte, sondern auch der bedeutendste deutsche Mann. Die größte Anerkennung zollte er ihm als dem Übersetzer der Bibel ins Deutsche. „Die Bibelübersetzung gab dem politisch zerrütteten Deutschland eine sprachliche Einheit. Die Freiheit wird nun überall sprechen können – und ihre Sprache wird biblisch sein“, so Heine.

In seinem Testament veranlasste Heine eine Grabstätte auf dem katholischen Gottesacker am Fuße der Montmartre zu erhalten, damit er dort neben seiner katholischen Frau liegen könne. „Diese Ambivalenz, aber auch besondere Fürsorge bis über den Tod hinaus muss man einfach bewundern“, schloss Pfarrer Loesch seinen mit großem Applaus bedachten Vortrag.

Auch interessant

Kommentare