Arbeitslos und verschuldet

Heizung abgestellt: Isenburgerin muss frieren

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Schuldlos rutschte Ulrike Biegler in die Arbeitslosigkeit. Derzeit friert sie, weil ihr der Energieversorger die Heizung abstellte. Obendrein fallen Rechnungen an, die ihr den Atem rauben. Die Frau ist verzweifelt.

Mit einem dicken Schal und einem heißen Kaffee in den Händen, um die klammen Finger zu wärmen, sitzt Ulrike Biegler an ihrem Küchentisch und erzählt ihre Geschichte. Die Verkäuferin im Einzelhandel ist verzweifelt. In ihrer kleinen Wohnung in der Meisenstraße in Gravenbruch ist seit Donnerstag vergangener Woche die Heizung abgestellt. Das bleibt in dieser Jahreszeit und bei den immer frischer werdenden Nächten nicht folgenlos. Von den empfohlenen 21 bis 23 Grad Celsius Raumtemperatur ist sie weit entfernt.

„Es ist abartig kalt, und ich mache mir echt Sorgen, dass meine Katze krank wird. Auch meine Enkelkinder können gerade nicht zu mir kommen, weil sie hier ja nicht in der Kälte spielen können.“ Die 53-jährige Frau ist verzweifelt. Nie in ihrem Leben war sie in einer solchen Lage. Das Thermostat des Heizkörpers wurde von ihrem Energieversorger EVO mit einer Eisenhülse verplombt und auch der Warmwasserhahn im Bad ist abgeschraubt, so dass an eine warme Dusche nicht zu denken ist.

Natürlich stellt die Energieversorgung Offenbach (EVO) nicht grundlos das heiße Wasser ab. Ulrike Biegler hat rund 3400 Euro Schulden bei dem Unternehmen. Die Ursache ihres finanziellen Dilemmas liegt schon ein paar Jahre zurück. 2011 wurde sie das erste Mal in ihrem Leben arbeitslos, sie arbeitete bis zur Schließung bei Tengelmann als Verkäuferin. „Damals hatte ich noch einen Rest von einem alten Autokredit laufen, in der gleichen Zeit kam eine Nachzahlung der EVO über 1200 Euro in den Briefkasten geflattert. Dann ging plötzlich nichts mehr, von 950 Euro Arbeitslosengeld war diese Last nicht mehr zu tragen.“

Oft musste sie sich entscheiden, ob sie eine Rechnung bezahlt oder sich von dem Geld Nahrungsmittel kauft. Beides ging nicht. Zu der ausweglosen finanziellen Situation kamen Ängste, Depressionen und eine Essstörung. Mit ihrem Energieversorger wurde eine Ratenzahlung vereinbart, insgesamt 130 Euro für die Nachzahlung und 60 Euro Abschlag für die neue Energie.

Oft bezahlt sie, manchmal reicht das Geld nicht. Es laufen neue Schulden auf, dazu kommen Zinsen. Geld, das ein Inkassobüro von ihr fordert und Gerichtskosten, die fällig werden. Nach 1,5 Jahren Arbeitslosigkeit war sie wieder in Lohn und Brot, doch am 1. April dieses Jahres wurde sie erneut arbeitslos: „Ich war fix und fertig, ich kann auch nicht mehr an den Briefkasten gehen. Ich bekomme Atemnot.“

Mahnungen und Vorladungen bleiben ungeöffnet liegen. Es folgte im Juli ein Aufenthalt in einer Klinik zur Behandlung ihrer Depression. Im August hätte sie zu einer Gerichtsverhandlung wegen der ausstehenden Rechnungen gemusst. Ulrike Biegler hat den Überblick über ihre Finanzen verloren, hat sicherlich auch ein bisschen resigniert. Am vergangenen Donnerstag stand der Gerichtsvollzieher vor ihrer Tür und stellte die Heizung ab. Jetzt muss sie frieren. „Das ist mein persönlicher Alptraum“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Sie habe seit zwölf Jahren keinen Urlaub gemacht, habe keine wilden Partys gefeiert oder Geld unnötig verbrannt. „Aber ich kann diese aufgelaufenen Schulden jetzt nicht bezahlen. Ich habe das Geld nicht.“

Doch einen Lichtblick gibt es für Biegler. Von 1. November an hat sie wieder einen Arbeitsplatz im Einzelhandel. Bei der Schuldnerberatung im Beratungszentrum Mitte in Dreieich war sie auch schon. „Ich wurde über ein Privatinsolvenzverfahren aufgeklärt. Ich hoffe, dass das klappt, dann würde ich endlich wieder Licht sehen“, sagt sie. Aber sie hofft jetzt auch, dass die Energieversorgung Offenbach ihr entgegenkommt und ihr die Heizung bald wieder anstellt.

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