Anika Jürß sicherte mit ihrer Leistung den Sieg der Hessinnen.
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Anika Jürß sicherte mit ihrer Leistung den Sieg der Hessinnen.

Vergleichswettkampf im Rasenkraftsport

Hessen zeigten, wo der Hammer hängt

  • vonLeo Postl
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Der Rasenkraftsport setzt sich aus dem Hammer- und Gewichtwerfen und Steinstoßen zusammen. Am Wochenende trat die hessische Landesauswahl gegen die bayerische und baden-württembergische an.

Rasenkraftsport ist eine spezielle Art von Sport auf dem grünen Rasen – er besteht aus den Disziplinen Hammerwerfen, Gewichtwerfen und Steinstoßen. Und es ist eine recht „sinnvolle“ Sportart, wie Yannick und Sebastian Klaus bestätigen können. „Wir wollten eigentlich in eine Muckibude gehen, um dort etwas für unseren Body zu tun. Doch das geht ins Geld, also riet uns unser Vater, doch eine vernünftige Sportart zu betreiben – und das wäre Rasenkraftsport“, erklären die Brüder. Ihre erste Begegnung mit den für sie damals ungewöhnlichen Disziplinen hatten sie bei den schottischen Highland Games – und waren begeistert. Dort gibt es auch Gewichtwerfen und Steinstoßen, allerdings mit einem richtigen Stein.

Also wurden die Brüder Rasenkraftsportler beim Athletik Sport Club (ASC) Neu-Isenburg. Beide fanden Gefallen an den gewichtigen Sportgeräten. Sie sind sogar so erfolgreich, dass beide in der Landesauswahl Hessen der Junioren standen, die am Wochenende einen Vergleichskampf gegen ihre Vertreter aus Bayern und Baden-Württemberg austrugen. Aber auch die Senioren sowie die weiblichen Rasenkraftsportler waren am Vergleichskampf auf dem Hammerwerferplatz im Neu-Isenburger Sportpark vertreten.

Bei den Schülern gewann die Mannschaft Hessen vor Bayern und Baden-Württemberg, bei der männlichen Jugend B lautete die Reihenfolge: Baden-Württemberg, Hessen, Bayern – und die gleiche Reihenfolge gab es bei der männlichen Jugend A. Bei den Männern gewann Hessen, vor Baden-Württemberg und Bayern.

Bei den Schülerinnen A gewann Hessen vor Bayern – hier war Baden-Württemberg nicht vertreten. Bei der weiblichen Jugend B siegte Hessen vor Baden-Württemberg und Bayern. Den Sieg bei der weiblichen Jugend A holte sich ebenfalls Hessen vor Bayern und Baden-Württemberg, wie auch bei den Frauen, auch hier siegte Hessen vor Bayern und Baden-Württemberg.

Das Wettkampfgericht hat die Lizenzierung von Hammer, Gewicht und Stein gesetzt – alle Wettkampfgeräte müssen bestimmte Normen erfüllen. Das Gewicht des „Steines“ – ein Metallquader – muss stimmen, aber auch das Seil beim Hammerwurf oder die Kette beim Gewichtwerfen dürfen eine bestimmte Länge nicht überschreiten. Nun zu den Eigenheiten der Disziplinen selbst. Der Hammerwurf erfolgt aus einem mit Gitter oder Netz geschützten Wurfkreis von 2,134 Meter Durchmesser. Der „Hammer“, eine am Ende des Stahlseils befestigte Metallkugel, wiegt bei den Frauen 4 Kilo und bei den Männern 7,25 Kilo. Ganz ähnlich das Gewichtwerfen: hier ist eine Metallkugel an einer 50 Zentimeter langen Kette befestigt, diese wiegt bei den Frauen 5 Kilo, bei den Männern 12,5 Kilo. Beim Steinstoßen wird der Stein mit einem Gewicht von 5 Kilo bei den Frauen und 15 Kilo bei den Männern, mit oder ohne Anlauf, einarmig möglichst weit gestoßen.

Von der mehrfachen Drehung des Athleten gibt es eine gewaltige Fliehkraft, die den Hammer oder das Gewicht nach dem Loslassen möglichst weit fliegen lässt. „Da werden die Arme ganz schön lang, wenn plötzlich ein Zentner oder mehr am Ende des Stahlseiles zerrt – und jeder Fehler bei der Drehung wirkt sich fatal aus“, weiß Johannes Simon aus seiner Erfahrung. Für das Gewichtwerfen fehlen ihm ein paar Kilo als Eigengewicht, aber darauf verzichtet er lieber. „Ich versuche das durch meine Technik auszugleichen“, meint Simon schmunzelnd. Star-Athlet des ASC ist freilich Christian Schmitt, der mittlerweile auf zahlreiche Erfolge, bis hin zu deutschen Meistertiteln verweisen kann.

Mittlerweile finden aber auch vermehrt junge Frauen zum Rasenkraftsport, so wie Lara Schmidt und Anika Jürß, die für das Land Hessen beim Vergleichskampf antraten. Jürß, die bei der Turngemeinde (TG) Unterliederbach trainiert, stellte im vergangenen Jahr einen Kreisrekord auf und erkämpfte sich einen Startplatz bei den deutschen Meisterschaften.

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