Integrationsklasse der Max-Eyth-Schule

Wer hier sitzt, ist angekommen

  • VonNicole Jost
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Die Integrationsklasse der Max-Eyth-Schule hat eine Bank gebaut, die mit einem Preis gewürdigt wurde. Sie könnten stolz sein, doch einige leben immer noch mit der Angst.

Seit fast einem Jahr steht die blau-grüne Bank mit den Armlehnen in den Deutschlandfarben im Foyer des Neu-Isenburger Rathauses. Lehrer David Distelmann hat das Kunstwerk mit den aufgezeichneten Fluchtwegen der Hugenotten und der Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind, im Unterricht mit seinen Schülern der Dreieicher Max-Eyth-Schule in einer der Integrationsklassen gebaut. Jetzt wurde das besondere Kunstwerk mit dem Förderpreis des Wettbewerbs „Demokratisch Handeln“ ausgezeichnet.

Die Juroren waren begeistert von der Botschaft der Bank: Wer hier drauf sitzt, ist angekommen. Dieses Gefühl soll die Bank ausdrücken, auch für die jungen Leute, die sie gebaut haben: Sie sind nach langer Flucht in Deutschland angekommen. „Ich musste dieses Projekt eigentlich nur delegieren. Die Schüler haben die Bank mit all ihren Ideen selbst erarbeitet. Dabei haben sie nicht nur handwerklich viel gelernt, wir haben dabei auch sehr viel sprechen geübt“, berichtet Distelmann.

Tolle Projekte kennengelernt

Der Pädagoge gab auch zu, dass es nicht immer ganz leicht für ihn war, die Lebens- und Fluchtgeschichten seiner Schüler zu hören. „Ich bin seit zwölf Jahren Lehrer und in den Integrationsklassen zu arbeiten ist eine tolle Erfahrung. Aber in den Gesprächen habe ich Geschichten gehört, die mich manchmal abends nicht einschlafen ließen“, berichtet Distelmann.

Auf die Bank ist er sehr stolz. Er hatte das Projekt beim Deutschen Lehrerpreis eingereicht und schon dabei gehörte das Kunstwerk zu einem der 50 Preisträger bei 250 Einsendungen. Der Sonderpreis von „Demokratisch Handeln“ war für die Gruppe noch einmal etwas besonderes, weil sie für vier Tage nach Hofgeismar zu verschiedenen Demokratie-Seminaren reisen durften.

„Wir haben dort viele Leute und weitere tolle Projekte kennengelernt“, erzählt Abdullah Rahimi. Aber bei der Präsentation des erneuten Erfolgs der Gruppe wird auch deutlich, dass die jungen Flüchtlinge auch große Ängste haben – trotz allem Erfolg. Mahmood beispielsweise besucht inzwischen das Langener Gymnasium im G 8 Zweig und hat nach einem Jahr und acht Monaten in Deutschland einen Notendurchschnitt von 1,4.

Unterstützung zugesichert

„Ich habe große Angst vor einer möglichen Abschiebung“, sagt der junge Mann. Auch sein Klassenkamerad Abdullah weiß, wovon Mahmood spricht: „Ich bin so froh, dass ich den Krieg hinter mir gelassen habe. Ich bin stolz in Deutschland zu sein, fühle mich gut integriert und habe einen Ausbildungsplatz gefunden. Aber mein Asylantrag wurde abgelehnt. Und jetzt fürchte ich, dass ich wieder zurück muss“, erklärt er ebenfalls in einem sehr guten Deutsch. Bürgermeister Herbert Hunkel sicherte seine Unterstützung zu. „Es kann nicht sein, dass junge Menschen, die sich integrieren und Deutsch lernen, einfach abgeschoben werden.“ Noch am gleichen Morgen brachte der Rathauschef sie mit seinem für Flüchtlingsfragen in der Stadt zuständigen Mitarbeiter Alexander Gerstenberger-Vogt zusammen. „Es gibt ja so etwas wie Bleiberecht. Der junge Mann hat schließlich einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Da muss er gut beraten sein“, hofft Hunkel, helfen zu können.

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