Spenden für Asylbewerber

Highheels für Flüchtlinge?

  • schließen

Es ist für viele Bürger eine „Menschenpflicht“, Flüchtlinge willkommen zu heißen, für sie zu spenden. Doch für Elektro-Schrott hat niemand Verwendung.

Die Spendenfreudigkeit der Neu-Isenburger scheint grenzenlos. Doch die Stadt setzte ihr gestern Nachmittag eine solche Grenze, indem sie erklärte: „Derzeit werden keine weiteren Sachspenden benötigt.“ Der Grund: Die Lagerkapazitäten sind erschöpft.

Nachdem in der zurückliegenden Woche am Donnerstag bekannt geworden war, dass aufgrund des starken Flüchtlingszustroms Neu-Isenburg 700 Asylbewerber aufnehmen muss, begannen die Bürger unversehens, Spenden abzugeben. Die erste Anlaufstelle war das Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Haus der Vereine in der Offenbacher Straße. Doch bereits am Samstagmorgen seien die Raumkapazitäten dort aufgebraucht gewesen, berichtete Christine Zoeller von der Kleiderkammer des DRK.

Schnell sei der städtische Dienstleistungsbetrieb (DLB) eingesprungen und stellte einen Raum zur Verfügung. Rasch hatte sich dies in Neu-Isenburg herumgesprochen, und auch Bürger, die ihre Spenden direkt in der Flüchtlingsunterkunft in der Rathenaustraße, in der ehemaligen Druckerei der Frankfurter Rundschau, abgeben wollten, wurden zum DLB geschickt.

Dort herrschte Hochbetrieb, so Michael Kaul von der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg. Rund 50 Helfer seien dort damit beschäftigt gewesen, die unablässig eingehenden Spenden sofort zu sortieren und in Umzugskartons zu verpacken. In dem großen Besprechungs- und Schulungsraum des DLB stapelten sich schon bald die Kartons bis unter die Decke – und noch immer war kein Ende der Spendenflut abzusehen.

Bereits gestern Vormittag waren kurz nach 10 Uhr die ersten Helfer beim DLB im Einsatz, um die immer noch eintreffenden Spenden zu sortieren, darunter Jennifer Lesegeld. Die Lufthansa-Mitarbeiterin hatte einen freien Tag und wollte einfach nur mit anpacken, ebenso wie Marvin Goetz. Der Student der Energiewirtschaft hat Semesterferien und kann so etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anfangen. Ihren Einsatz für die Flüchtlinge begründete Vera Henrici: „Weil’s eine notwendige Menschenpflicht ist.“

Christine Zoeller allerdings wunderte sich schon über so manche Spende. „Da ist viel Elektro-Schrott bei“, sagte sie, um fast schon empört hinzuzufügen: „Und was will ein Flüchtling mit Highheels anfangen?“

Doch jetzt ist erst einmal Spendenannahmeschluss. Die Flüchtlingshilfe sucht derzeit nach einer Halle, die als Sammellager und zugleich als Kleiderladen für die Flüchtlinge, bis gestern Abend waren 477 eingetroffen,eingerichtet werden kann.

Die Stadt Neu-Isenburg weist zugleich daraufhin, dass auf der Homepage der Stadt in den nächsten Tagen ein

Onlineformular

veröffentlicht wird, in dem alle Hilfsangebote von Spendern eingetragen werden können. Dazu Bürgermeister Herbert Hunkel: „Am Wochenende hat uns eine große Welle der Hilfsbereitschaft überrascht. In den nächsten Tagen wird sich herausstellen, was das Land Hessen, der Betreiber der Flüchtlingsunterkunft, an zusätzlichem Unterstützungsbedarf benötigt. Bis dahin wollen wir alle Hilfsangebote erfassen.“

Wichtig sei, das Hilfsangebot möglichst genau zu beschreiben. Es wird darum gebeten, keine Sachspenden in den Unterkünften abzugeben. Lebensmittelspenden können grundsätzlich nicht angenommen werden. Das RP ist unter der Telefonnummer (0 61 51) 12 60 01 oder E-Mail, fluechtlingshilfe-neu-isenburg@rpda.hessen.de, zu erreichen. Außerdem wurde ein Spendenkonto für die Flüchtlingshilfe eingerichtet: DRK Spendenkonto Flüchtlingshilfe Offenbach, IBAN: DE23 505 500 200 000 171 719, BIC: HELADEF10FF (Offenbach am Main), bei der Städtische Sparkasse Offenbach.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare