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Bei „Jugend forscht“ wurde nur ein Funktionsmodell präsentiert. Nun soll ein Prototyp entstehen. 

Neu-Isenburg

Jugendlicher Erfindergeist aus Neu-Isenburg

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Eine Erfindung von Neu-Isenburger Gymnasiasten hat bei „Jugend forscht“ den Sonderpreis Klimaschutz erhalten. Ihre bepflanzte Lärmschutzwand findet viel Beachtung.

Ihre Erfindung könnte durchaus ein Geschäftsmodell sein: Junge Neu-Isenburger haben eine bepflanzte Lärmschutzmauer entwickelt, die die Luft reinigt. Sie ist effektiver und effizienter als herkömmliche Lösungen – und kostet nur ein Zehntel davon. Die Idee namens „No Smog“ erhielt im Regionalwettbewerb von „Jugend forscht 2019“ den ersten Preis sowie im Landeswettbewerb den Sonderpreis Klimaschutz. Nun wollen Nick Zobel und Vincent Bukal ihre Erfindung weiterentwickeln und einen Prototypen auf dem Gelände ihrer Schule, dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Frankfurt, entstehen lassen. Auch ein Neu-Isenburger Architekturbüro ist schon hellhörig geworden.

Vor eineinhalb Jahren brüteten einige Jugendliche in der AG Science Club an der Frankfurter Schule mit ihrem Betreuer Marco Wehner über einer Idee für den Wettbewerb „Jugend forscht“. „Es sollte in die Richtung Klimaschutz gehen“, sagt Nick Zobel. Er hatte von City-Trees gehört, die neuartigen, aber teuren Stadtmöbel, die einige Kommunen als Filter für Staub und Abrieb angeschafft haben. Das müsse doch günstiger zu lösen sein, dachte er – und machte sich mit einem Mitschüler ans Werk.

Das Ergebnis war „No Smog“ – eine Lösung, die nicht nur vor Lärm schützt und die Luft filtert. Die bepflanzte Lärmschutzwand sieht auch optisch gut aus, funktioniert mit Regenwasser, ist völlig autark von Stromquellen und kann sogar in der Terrorprävention Verwendung finden.

Das Prinzip von „No Smog“ ist schnell erklärt: Ein Grundelement wird mit Kästen bestückt, in denen möglichst anspruchslose und robuste Pflanzen auf Mineralienboden wachsen. Regenwasser wird in implementierten Tanks gespeichert, die auch durchsickerndes Wasser auffangen. Ein Microcomputer, der von Solarpanels gespeist wird, steuert je ein bis zwei Feuchtigkeitssensoren in den Kästen an und erkennt, ob nachgewässert werden muss oder nicht. Das dafür erforderliche Computerprogramm haben die Jugendlichen selbst geschrieben. „Die Kästen können auch alle herausgenommen werden“, sagt Zobel. Innerhalb von Minuten ist dann die Bepflanzung ausgetauscht. Ein Wechsel zwischen Sommer- und Winterbepflanzung ist somit denkbar.

„Je nach Anwendungsgebiet können wir die Form von No Smog abwandeln“, sagt Vincent Bukal, der wie Nick Zobel den Leistungskurs Physik belegt und sich für den kommenden Wettbewerb von „Jugend forscht“ mit ihm zusammentat. Die Erfindung kann als Lärmschutzmauer an Autobahnen und an viel befahrenen Straßen Verwendung finden. Dafür werden die bepflanzten Kästen einfach in mit Steinen gefüllte Drahtkorbwände, sogenannte Gabionen, eingelassen. Auch bestehende Gabionen können durch die Erfindung verschönert und „upgegradet“ werden, dienen dann nicht nur als Lärmschutz, sondern durch die Bepflanzung auch als Stickstoffsammler. Die intelligente Bewässerung sorgt dafür, dass die Pflanzen auch einen Jahrhundertsommer schadlos überstehen.

In der Stadt kann „No Smog“ grüne Oasen schaffen. Kästen mit Stauden-, Ranken- oder Trockenmauerpflanzen können treppenförmig in Wände oder Hochhausmauern eingelassen werden. Auch Einzelelemente, an die Sitzbänke, Werbeflächen oder W-Lan-Hotspots angebracht werden können, sind denkbar. Diese Einzelelemente können sogar als Terrorschutz dienen. „Da sind 1000 Liter Wasser drin“, sagt Zobel. Genug, um als schwere Barrikade zu dienen.

Auch eine Indoor-Version schwebt ihnen vor. Die Module sollen mit verschiedensten Pflanzen im Internet bestellbar sein. Die Luftqualität im Gebäude wird dann ständig gemessen und per App gesteuert. Für die Messtechnik planen sie eine Kooperation mit der Frankfurter University of Applied Sciences.

Ein Stück No-Smog-Mauer rechnen die 15-jährigen Gymnasiasten mit einem Zehntel hoch von dem, was grüne Wände bisher kosten. Die Erfindung soll auch in 3D erlebbar gemacht werden. Bukal versucht sich deshalb gerade an einer Virtual-Reality-Modellierung. In einem halben Jahr soll auf jeden Fall der Prototyp auf dem Schulgelände fertig sein, der 2,50 Meter hoch, 1,60 Meter breit und 1,50 Meter tief sein wird. „Wir brauchen noch Sponsoren für die Pflanzen“, sagt er. Welche das sein werden, ist nach einem Gespräch mit dem städtischen Bauhof schon klar: keine Exoten, sondern „Allerweltspflanzen“ wie Grünlilie, Efeu und Birkenfeige, sowie die Efeutute als Zimmerpflanze. Alle Sorten haben eines gemein: Sie binden Feinstaub besonders gut.

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