Hans Joachim Dangeleit geht in Ruhestand

Juz-Legende "Hugo" nimmt seinen Hut

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40 Jahre lang prägte er das Jugendzentrum Gravenbruch wie kaum ein anderer. Nun feiert der Sozialarbeiter „Hugo“ Hans Joachim Dangeleit seinen Abschied.

Hans Joachim Dangeleit – von allen nur Hugo genannt – ist eine Institution im Jugendzentrum (Juz) Gravenbruch. Als der Sozialarbeiter 1977 dort seinen Dienst antrat, war er gerade mal 25 Jahre alt, das Juz war gerade zwei Jahre alt. 40 Jahre später hat sich vieles verändert, und Hugo hat mit den Jugendlichen aus dem Neu-Isenburger Stadtteil so einiges erlebt.

An den Wänden der Räume hängen Fotos von Freizeiten, wie etwa vom Wasserskifahren oder Zelten in der Heide. Noch viel mehr Erinnerungen stecken natürlich im Kopf von „Hugo“ Dangeleit, der sich Ende Januar nach vier Jahrzehnten im Dienst für die Jugend in den Ruhestand verabschiedet.

Als er mit seiner Arbeit begann, ging es reichlich turbulent im Juz zu. Das Haus war eine der größten Jugendeinrichtungen im Kreis Offenbach, mit insgesamt 624 Quadratmetern Fläche – allein die Disco im Untergeschoss hatte 185 Quadratmeter. Dem Juz drohte damals die Schließung – die Jugendlichen forderten die Selbstverwaltung. Hugo schuf eine Struktur, regelte Abläufe, und gewann das Vertrauen der Jugendlichen.

„Die Zeiten haben sich natürlich geändert. Damals war ich altersmäßig ja gar nicht so weit weg von den Jugendlichen“, berichtet Dangeleit. „Sie waren chaotisch, aber sehr kreativ. Es wurde ständig umgeräumt. Sie haben Parties gefeiert, aber sie haben sich dabei selbst organisiert.“ Nach der Disco habe er oft noch mit ihnen etwas gegessen und aufgeräumt. „Um 2 Uhr morgens sind wir dann hier raus“, erinnert sich der Sozialarbeiter.

Heute kommen die Teenager zum „chillen“, zum lässigen Beisammensein. Sie würden auch heute noch gerne Parties feiern, seien aber nicht mehr bereit, Verantwortung zu übernehmen, sondern wollten eher bedient werden. Deshalb gibt es heute keine Disco mehr im Juz. Auch andere Angebote haben sich gewandelt, aus dem ehemaligen Fotolabor wurde ein Band-Probenraum, aus der ehemaligen Werkstatt ein Fitness- und Kraftraum, der sehr begehrt sei. Dangeleit erzählt gerne von den zahlreichen Freizeiten, alleine 19 Skifreizeiten habe es in den vergangenen 40 Jahren gegeben. „Dazu gibt es auch eine der skurrilsten Geschichten aus den vergangenen 40 Jahren zu erzählen. Wir waren im damaligen Jugoslawien, heutigen Slowenien“, erinnert sich der Sozialarbeiter. „Eine Skigruppe hatte sich verfahren und ist in ein Waffenlager der Partisanen geraten. Der Herbergsvater hat unsere Leute mit einer Kiste Slibovitz ausgelöst. Wir hatten sehr viel Glück, dass niemand zu Schaden kam.“

Eine weitere Geschichte stammt aus dem Jahr 1977: Damals seien bei einem Jugend-Tennisturnier alle Fahnen gestohlen worden – nur die südafrikanische hätte noch auf Halbmast gehangen. „Das hatte einen Einsatz der GSG 9 zur Folge, man vermutete einen terroristischen Akt im Zusammenhang mit der RAF“, erläutert Dangeleit. „Letztlich kam raus, dass die Jugendlichen die Fahnen als Bettwäsche haben wollten und die südafrikanische im Fahnenmast verklemmt war.“ Diese Geschichte bringt „Hugo“ heute zum Schmunzeln. Letztlich seien es die jungen Menschen, die bei ihm in Erinnerung blieben. Viele von ihnen schickten inzwischen Fotos von ihrer Hochzeit oder von ihren Kindern.

„Letzte Woche war ein Vater da, der inzwischen in Unna lebt. Er wollte seinem 14-jährigen Sohn zeigen, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Das zeigt ja auch die besondere Verbindung zu diesem Haus“, freut sich Dangeleit. Solche Besuche bewegen ihn.

Seine Schützlinge organisieren am 28. Januar von 17 Uhr an eine große Abschiedsparty für ihren „Hugo“. Seiner Rentnerzeit sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich habe eine schlechte Nachricht bekommen und werde den Herrn Morbus Waldenström mit Frau Chemo bekämpfen. Trotz dieser Widerwärtigkeiten freue ich mich auf den Rest meines Lebens“, sagt Hugo Dangeleit zum Abschluss. Ein Nachfolger ist übrigens noch nicht gefunden.

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