Der Terrorismus des IS

"Kampf gegen Extremismus ist eine gesellschaftliche Verpflichtung"

  • vonLeo Postl
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Ahmad Mansour hilft jungen Menschen dabei, nicht in die radikale Falle zu tappen. Darüber hat er auch ein Buch mit dem Titel „Generation Allah“ geschrieben.

Warum zieht es Jugendliche in den Dschihad? Ist der Islam verantwortlich für den Terror? Und wie sollten sich die Bürger dem religiösen Extremismus stellen? Diesen Fragen geht Ahmad Mansour schon seit längerer Zeit nach. Die Arbeit des Diplom-Psychologen, die er seit vielen Jahren bereits in Berlin an der „Basis“ in der Berliner Beratungsstelle „HAYAT“ leistet, wurde jedoch erst so richtig bewusst wahrgenommen, als er sein Buch mit dem Titel „Generation Allah“ veröffentlichte. Nach seinem Fernsehauftritt am Montag war er am Dienstag in Neu-Isenburg zu Gast.

Der 1976 geborene Ahmad Mansour ist arabischer Israeli und lebt seit 2004 in Berlin. „Arabischer Israeli – geht das überhaupt?“, stellte er gleich selbst zu Beginn eine provokante Frage. Feinde im buchstäblichen Sinne habe er im damaligen Israel jedoch keine getroffen. Der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Mansour fand in der streng patriarchalisch geführten Familie keine Anerkennung, jedoch bei einem Imam in einer Moschee. „Das gab mir das Gefühl anerkannt zu sein und ich durfte andere zurechtweisen: meine Nachbarin, die ihre Haare offen trug, und meinen Nachbar, der Alkohol trank“, schilderte Mansur den Einstieg in eine radikale Schutzzone.

Glück hatte Mansour, dass er an der Universität Tel-Aviv zugelassen wurde und Pech, als er dort keine Freunde fand, denn alle wollten Medizin und keiner Psychologie – so wie er – studieren. Wieder fühlte er sich in eine „Ecke“ gedrängt und wieder fand er „Schutz“ in einer Moschee. „Wie radikal dort die Lehre des Islam vermittelt wird, erkennt man als Außenstehender ja nicht, man glaubt einfach alles, denn eine Hinterfragung ist nicht erlaubt“, erklärte Mansur und verwies auf den Beginn eines Teufelskreises. Dieser beginnt mit einer Angstpädagogik von Himmel und Hölle, der Ablehnung der Neuerung des Islam und der Tabuisierung der Sexualität mit der Geschlechterrolle, die Frauen „wertlos“ macht, und schließt sich in Verschwörungstheorien, dem Exklusivitätsanspruch und Ablehnung anderer als auch der Opferrolle mit Bestimmung eines Feindbildes.

Eigenen Weg gefunden

Aufgrund der vielen Terroranschläge in Israel kam Ahmad Mansour nach Deutschland, um sein Studium zu beenden, stieß aber auch hier zunächst auf eine ihm abweisend erscheinende Welt. „Wiederum ging ich in eine Moschee, es war leider eine der radikalsten, doch es gelang mir, meinen eigenen Weg zu finden“, schilderte Mansour den schwierigen Ausstieg aus der „Schutzgemeinschaft“ der Moschee. Schließlich fühlte sich Ahmad Mansour sogar verantwortlich, junge Menschen davon abzuhalten, seinen einst selbst gegangenen Weg einzuschlagen.

„Ich war erschrocken, als ich in Deutschland die bereits festen Strukturen dieser von Salafisten missbrauchten Methode kennenlernte, aber auch von der großen Bereitschaft von sich wertlos fühlenden Jugendlichen, sich diesen anzuschließen“, berichtete Mansur. Er habe das Buch geschrieben, um die Gesellschaft aufzurütteln. „Ich sehe meine Arbeit gegen Extremismus jeglicher Art als gesellschaftliche Verpflichtung – und wir müssen viel mehr sein, um den Kampf noch zu gewinnen“, so Mansur deutlich.

Preis für Toleranz

Er hielt den Regierenden vor, die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt zu haben und auch jetzt nicht genügend gegen die Radikalisierungskampagnen – insbesondere in den modernen Medien – zu tun. „Besonders in den staatlich gelenkten Moscheevereinen wurde und wird immer noch ein Islam des Buchstabenglaubens gelehrt“, kritisierte er. Für seine Arbeit erhielt Mansour den Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Salafismus und Antisemitismus vorgelegt.

In der Fragerunde beklagte eine Sozialarbeiterin aus Frankfurt, dass sie manchmal machtlos seien. „Wir gehen in die Familien, besprechen alles und alle stimmen zu, dann geht der Vater in die Moschee, befragt den Imam – und alles wird doch anders gemacht.“ Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Paola Fabbri Lipsch, hätte sich mehr als nur die handvoll Muslime bei dieser Veranstaltung gewünscht.

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