Ausstellung im Stadtarchiv

Die Keimzelle Isenburgs

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„Was, das ,Haus zum Löwen’ ist gar nicht so alt wie es aussieht – und wie ich gedacht habe“, meinte eine Besucherin der neuen Ausstellung im Stadtarchiv, als sie vor dem Foto steht, das nur noch

„Was, das ,Haus zum Löwen’ ist gar nicht so alt wie es aussieht – und wie ich gedacht habe“, meinte eine Besucherin der neuen , als sie vor dem Foto steht, das nur noch den freigelegten Gewölbekeller zeigt. Ähnlich ist es auch mit vielen anderen Gebäuden rund um den Marktplatz im Alten Ort, sie wurden gar mehrfach umgestaltet oder neu erbaut. Das einzig noch ursprüngliche Gebäude, welches äußerlich kaum verändert die bewegten Zeiten überstanden hat, ist das ehemalige Schulhaus, das heute das Info-Café beherbergt.

Wer glaubt, vieles oder gar alles über den Alten Ort in Neu-Isenburg zu wissen, der sollte dennoch oder gerade deswegen die sehr interessante Ausstellung „250 Meter im Quadrat“ im Stadtarchiv besuchen. Das ehrenamtliche Stadtarchivteam um Heidelore Kretschmann hat mehr als ein Jahr lang aus vielen vorhandenen Quellen zusammengetragen, was die Geschichte des Alten Orts betrifft. Neben den rein baulichen Veränderungen, es stand sogar die große Statue der Germania mitten auf dem Platz, gibt es aber auch interessante Geschichten um einige Häuser und deren Bewohner. Dies alles zeigt die Ausstellung, die von Bürgermeister Herbert Hunkel eröffnet wurde.

„Hier beweist sich, dass man einfach nicht alles wissen kann“, sagte Hunkel, der selbst über ihm bisher noch unbekannte Details überrascht war. „Es ist aber auch der besondere Verdienst von Heidelore Kretschmann, Renate Koenen, Birgit Schäfer und dem neu hinzugestoßenen Bernd Schander, eine solche Fülle von Informationen aufgegriffen und zu einer solch interessanten Dokumentation zusammengetragen zu haben“, lobte Hunkel das Team. Diese Ausstellung widmet sich, wie es Hunkel nannte, der Keimzelle der Stadt Neu-Isenburg.

Graf Johann Philipp von Isenburg hatte den ankommenden Glaubensflüchtlingen nicht nur einen Flecken Erde zur Verfügung gestellt, um sich niederzulassen, sondern beauftragte auch seinen Baumeister Andreas Löber, auf einem Quadrat von 250 Meter Seitenlänge eine Stadtbebauung zu planen. In der Mitte wurde später das Rathaus errichtet.

Woher die Pfarrgasse ihren Namen hat, dürfte klar sein, doch wie kam die Hirtengasse zu ihrem Namen – sie hieß ursprünglich Rue de Four. Den ersten Siedlern war ein Backhaus versprochen worden, doch dazu kam es nicht. Als ein Hirte nach Neu-Isenburg kam, wurde für ihn ein Haus samt Stallungen errichtet. Der letzte Eigentümer dieses Hirtenhauses J. Stroh betrieb eine „Spezereihandlung“ – also einen Gewürzladen.

Im zweiten Vertrag zwischen Johann Philipp und den Hugenotten ist unter Artikel XIV – dem letzten Artikel – folgendes festgehalten. „Endlich soll es nun zwei Gasthäuser geben, welche die Erlaubnis haben sollen, zu speisen und zu beherbergen.“ Die Erlaubnis, Brauereien oder Wein-, Bier- oder Branntweinschenken zu errichten, wurde nicht gegeben. Die beiden Gasthäuser wurden „Goldener Löwe“ und „Goldene Krone“ genannt – so entstanden wohl die Kronen- als auch Löwengasse. Allerdings stand das leibliche Wohl der Glaubensflüchtlinge nicht an erster Stelle, denn die Gasthäuser sollten Wandersleute und Reisende, die zur Messe nach Frankfurt wollten, beherbergen.

Viele weitere interessante Ereignisse, Begebenheiten und auch Geschichten begleiten die Ausstellung „250 Meter im Quadrat“. Die Ausstellung ist noch „bis auf Weiteres“ in den Räumen des Stadtarchivs zu sehen.

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