Bembeltreff

Als die Kinokarte noch 50 Pfennig kostete

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Die große Zeit des Kinos ist vorbei. Gerhard Gräber erzählte beim Bembeltreff von den einstigen Isenburger Kinos.

In Neu-Isenburg gab es einmal fünf Kinos: Das Astoria, das Olympia, die „Flohkiste“ die Kammerlichtspiele (Kali), das Gloria und die Bahnhofslichtspiele (Bali). Inzwischen sind alle diese Kinos nur mehr Geschichte. Diese ließ Gerhard Gräber am Freitagabend beim Bembeltreff im Haus zum Löwen wieder aufleben. Gräber ist selbst Jahrgang 1947 und erlebte die große Zeit des Isenburger Kinos als Kind und Jugendlicher mit.

Aber auch die Besucher, die an diesem Abend ins Stadtmuseum gekommen waren, interessierten sich entweder sehr für die Geschichte des Kinos oder hatten sie selbst erlebt. Eine von ihnen hatte sogar eine Mappe dabei mit alten Zeitungsartikeln und Kino-Broschüren, wie der von der Eröffnung des Astoria-Kinos in der Frankfurter Straße 74 am 31. August 1956. Gezeigt wurde damals der Film „Heute heiratet mein Mann“.

Anfang der 1960er Jahre habe in Neu-Isenburg kaum jemand einen Fernseher gehabt, erzählte dann Gerhard Gräber. Deshalb sei für die Jugend der Sonntag so besonders gewesen – denn um 14 Uhr liefen dann in den Kinos die Filme. „Dann ertönte in der Taunusstraße unser Bandenpfiff, die Eltern gaben uns 50 Pfennig, und dann rannten wir alle zur Jugendvorstellung“, so Gräber. Dann ging es meistens ins „Kali“, genannt „Flohkist’“, in der Schützenstraße. „Kino war sehr wichtig. Unter der Woche mussten wir brav sein, damit wir sonntags hingehen durften“, sagte Gräber. Von 100 Mal Kino sei er damals etwa vier Mal nicht dort gewesen.

Später kamen dann die besonderen Filmvorstellungen um 16.45 Uhr dazu – allerdings meist ganz vorn auf den „Rasiersitzen“, bei denen die Besucher den Kopf weit in den Nacken legen mussten, um die Leinwand zu sehen. Bessere Plätze waren teurer.

Während die Kinder und Jugendlichen – meist 130 von ihnen auf 100 Plätzen – ins Kali gingen, liefen im Gloria Märchen-, Heimat- oder Mädchenfilme wie die „Rosen Resli“ oder „Heidi“. Dort liefen auch die ersten Sandalenfilme. Im Astoria wurden eher Filme für Erwachsene sowie Heimatstreifen gezeigt.

Das Bali und auch das Astoria waren Kinos von Welt mit weichen Sitzen, einer Garderobe und einer Bar – sie waren auch teurer als andere Kinos. Allen gemein war aber, dass es keine festen Plätze gab. Wer also zuerst im Kino war, konnte sich die besten Plätze aussuchen. Es sei denn, es kamen größere Jungs von anderen Banden. „Dann hieß es: Los, aufstehen, und wir haben die Plätze geräumt“, so Gräber. Die Schwächsten mussten dann stehen und sich den Film von der Seite aus anschauen.

Nach und nach mussten sie schließen – das Gloria und das Bali Ende der 60er, 1964 das Kali, ’86 das Olympia, das Astoria und das kurz existierende Cherie. Das Astoria war bis Anfang der 2000er Jahre eine unendliche Geschichte, denn das Gebäude stand lange leer und der Wunsch der Isenburger nach einem Kino blieb groß.

Seit einigen Jahren gibt es das „Iseborjer Kinno“ in der Beethovenstraße. Dort werden regelmäßig Filme gezeigt, und es gibt auch ein Kino-Saisonprogramm.

(kir)

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