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Kneipenwirt mit einem Herz für Fußball

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Die Wirtsfamilie: Mutter Nurten (v.l.), Vater Mikdat und Tochter Aylin Odabasi vor dem Lokal in der Bahnhofstraße 185.
Die Wirtsfamilie: Mutter Nurten (v.l.), Vater Mikdat und Tochter Aylin Odabasi vor dem Lokal in der Bahnhofstraße 185. © Klaus Braungart

In der Isenburger Kneipenlandschaft gibt es ein doppeltes Jubiläum zu feiern: Seit 30 Jahren ist Gastwirt Mikdat Odabasi in Neu-Isenburg zu Hause, und seit 25

Eigentlich wollte er nur drei Monate in Deutschland seinen Bruder besuchen – das war vor 30 Jahren. Mikdat Odabasi gefiel es in Neu-Isenburg so gut, dass er seiner Heimat, der Türkei, den Rücken kehrte und in Deutschland blieb. Seit 25 Jahren führt der Gastronom das „Küchenlämpchen“ in der Bahnhofstraße. Für Mikdat Odabasi also gleich ein doppelter Grund, ein Jubiläum zu feiern.

Gestern war es 30 Jahre her, dass er sich in Neu-Isenburg niederließ. Der 52-Jährige machte in seiner Heimatstadt Erzincan zunächst eine Ausbildung zum Schlosser und absolvierte dann seinen Militärdienst. Am 15. Mai 1985 kam er in Deutschland an. Bereits ein Jahr später lernte Odabasi seine Frau Nurten kennen, und 1990 kam sein Sohn auf die Welt. Kurz darauf begann auch seine Karriere als Gastwirt.

Bevor der gebürtige Türke die Kneipe „Küchenlämpchen“ übernahm, hatte die nach einem Isenburger Original benannte Gaststätte schon viele Namen. Seit 1988 gibt es das „Küchenlämpchen“ unter dem heutigen Namen in der Bahnhofstraße 185. Und Mikdat Odabasi sagt heute, nach 25 Jahren Arbeit als dortiger Gastwirt: „Ich bin ein Isenburger“.

Immer im Stadion

Und nicht nur das: Die kleine Gaststätte ist auch eine Fankneipe von Eintracht Frankfurt – der Gastwirt ist ein glühender Anhänger des Fußballclubs und gründete in der Kneipe am 1. März 2009 sogar den „Eintracht Fan Club Neu-Isenburg“ als Gemeinschaftsprojekt von Eintracht Frankfurt und der Isenburger Spielvereinigung 03. Wenn die Eintracht spielt, können Odabasis Gäste das auf dem großen Flachbildschirm im Gastraum verfolgen – der Wirt ist bei Heimspielen immer im Stadion und lässt sich vertreten. „Immer wenn Alex Meier ein Tor schießt, gebe ich einen Schnaps aus“, sagt der Gastwirt lachend.

Wenn er mit seinen Stammgästen und vielen weiteren Fußballfans die Spiele der Eintracht am Fernseher verfolgt, gibt Odabasi Rindswürste aus. Dazu gibt es Kartoffelsalat.

Ohne Licht gefahren

„So muss Integration aussehen“, lobt Bürgermeister Herbert Hunkel das Engagement des Gastwirts. Da dieser ein wenig traurig ist, dass er einst bei Renovierungsarbeiten das Bild des „Küchenlämpche“ auf seinem Fahrrad, das die Wand neben dem Tresen zierte, übermalen ließ, versprach der Bürgermeister, im Stadtarchiv nachschauen zu wollen, ob es nicht dort noch ein Foto vom „Küchenlämpche“ gebe.

Denn die Gastwirtschaft ist nicht etwa nach einer echten Beleuchtung benannt, sondern nach Paul Müller – alias „das Küchenlämpche“. Der war ein Original der Isenburger Kneipenszene in den 1950er und 1960er Jahren und immer zu Streichen aufgelegt. Nachdem er nachts ohne Licht auf seinem Fahrrad von der Polizei angehalten worden war, soll er danach stets mit einer Petroleumlampe am Lenker umher gefahren sein, erzählen sich die Isenburger noch heute. Diese und weitere Geschichten sind in dem Buch „Wahrlich ein gastlicher Ort“ des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur beschrieben.

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