Erinnern an den Luftangriff

Kranzniederlegung als mahnende Botschaft

  • schließen

An der ehemaligen Flakstellung in Neu-Isenburg wurde gestern ein Kranz niedergelegt. Augenzeugen erinnerten sich an den Luftangriff.

Es war der 29. Januar 1944, ein sonniger und verhältnismäßig warmer Wintertag – so wie gestern auch – als sich die Luft mit einem Dröhnen erfüllte und der Himmel über Neu-Isenburg immer dunkler wurde: Hunderte amerikanischer und britischer Bomber flogen einen Luftangriff gen Frankfurt. Im Osten von Neu-Isenburg waren mehrere Flakstellungen zur Luftabwehr errichtet worden, neben Soldaten waren Schüler aus der Goetheschule als Helfer für den Munitionsnachschub der Flugabwehrgeschütze eingeteilt worden, zudem mussten russische Kriegsgefangene mithelfen.

„Ich war selbst einer dieser Goetheschüler und habe alles selbst hier miterlebt“, schilderte gestern noch einmal Günter Salzmann seine unvergesslichen Eindrücke. „Wir haben nach oben geschossen, was das Zeug hielt und haben auch mehrere Flugzeuge vom Himmel holen können, doch es waren einfach zu viele“, so Salzmann. Mehrere Bomben schlugen neben den Flakstellungen ein, Soldaten, Flakhelfer und fünf russische Kriegsgefangene wurden getötet. „Es war unbeschreiblich, was wir sahen“, wollte Günter Salzmann gar nicht auf Details eingehen. Unvergesslich auch für ihn der Besuch eines Elternpaares aus Neu-Isenburg, die kurz danach vorbeikamen, da sie wussten, dass auch ihr Sohn hier zum Dienst verpflichtet worden war. „Er war leider unter den Toten, sie könne sich vorstellen, was das für ein Schock für uns alle war.“,

Zum 50. Jahrestag dieser schrecklichen Ereignisse ließen die Überlebenden der Flakbatterie 1/681 am Schindkautweg einen Gedenkstein errichten. Hier wird nun alljährlich am 29. Januar ein Kranz niedergelegt. Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel betonte: „Wenn wir an Gedenktagen wie heute an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und an die Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern, darf dies kein Selbstzweck sein.“ Dabei verwies er auf die schrecklichen Ereignisse derzeit in Syrien, Afghanistan Somalia und anderen Ländern. „Wir müssen unsere Geschichte als Verantwortung begreifen und den Frieden, den wir Deutsche jetzt seit über 70 Jahren erleben dürfen, mit den anderen teilen“, so Hunkel. Mit der Kranzniederlegung soll nicht nur ein Zeichen gesetzt sondern auch eine mahnende Botschaft vermitteln werden, dass Terror und Gewalt in Neu-Isenburg nie mehr vorkommen sollen, hob Hunkel hervor.

Mit dabei war auch Liesel Luft, die ein Foto bei sich hatte, auf der sie als junges Mädchen vor der mit Sandsäcken bewehrten Flakstellung zu sehen ist. „Für uns war das immer ein interessanter Platz, doch nachdem dieses schreckliche Unglück passiert ist, wollte da keiner mehr hin“, so die Seniorin. Auch Helmut Krapf berichtete von den Bomben, die auf und zwischen die Häuser im Buchenbusch gefallen sind. „Die haben aufgrund des Flugabwehrfeuers einfach auch hier Bomben abgeworfen, obwohl das wahrscheinlich gar nicht so geplant war“, ist er sich sicher.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare