+
Kirsten (links) und Sonja Thelen vor dem Selbstporträt ihres Bruders, des Künstlers Hjalmar Thelen.

Alte Goetheschule

Künstlers Hjalmar Thelen: Porträts aus ungeahntem Fundus

  • schließen

Unter dem Titel „Ein Bild von einem Mann“ können in der Alten Goetheschule derzeit echte Charakterköpfe bestaunt werden. Dass die Bilder aus dem Fundus des inzwischen gestorbenen Künstlers Hjalmar Thelen stammen, war selbst für dessen Schwestern überraschend.

Hjalmar Thelen war ein eigenartiger Mann – ein Künstler, der nur für seine Kunst leben wollte. Er wurde kaum in der Öffentlichkeit gesehen, wenn, dann war er sehr unauffällig. Doch wenn man die hinterlassenen Kunstwerke betrachtet, dann muss er oft unterwegs gewesen sein. Dass er ein besonderer Künstler war, dass erfuhr die Familie des Einzelgängers jedoch erst nach seinem Tod. „Wir waren erstaunt, was da für ein großer Fundus herumstand, viel zu schade, um nicht – wenngleich erst posthum – der Welt, der er sich bewusst versagt hat, zu zeigen“, betont Kirsten Thelen, die Schwester des am 8. Januar 2017 in Berlin gestorbenen Hjalmar Thelen. Derzeit wird eine Auswahl seines Schaffens, es waren insbesondere „Charakterköpfe“, in der Treppengalerie der Alten Goetheschule in Neu-Isenburg gezeigt.

Hjalmar Thelen wurde am 11. Dezember 1962 als zweites von drei Kindern in Neuwied geboren, zwei Jahre später zog seine Familie nach Frankfurt. Nachdem Thelen als einer der Jahrgangsbesten sein Abitur abgeschlossen hatte, leistete er bis 1982 seinen Zivildienst. Danach zog es ihn nach Berlin, wo er zunächst als Komiker und Conferencier in einigen Varieté- und Comedian-Formationen arbeitete. Thelen führte Auftragsarbeiten als Regisseur und Autor aus und schrieb das Theaterstück „Tote Männer pinkeln nicht“, das 1999 in Berlin unter seiner Regie uraufgeführt wurde sowie bei Publikum und Presse auf positive Resonanz stieß.

Seine eigentliche Leidenschaft war die Malerei, der er sich schließlich ganz zuwandte. Der rigorose Nonkonformist verweigerte sich jedoch dem etablierten Kunstbetrieb – er wollte nicht Gefahr laufen, sich anzupassen. Thelen lebte auf bescheidenstem Niveau im Berliner Wedding in einer Hinterhauswohnung mit Kohleöfen, das Geld, um Farben und Leinwände zu kaufen, verdiente er sich mit einfachen Arbeiten in Dönerbuden, als Bäckereiverkäufer oder auch als Putzmann. Hier traf er auch jene Menschen, die er mit seiner Kunst charakterisierte – ein besonderes Merkmal seines Kunstschaffens.

„Unser Bruder war ein typischer Vertreter jener Lebensphilosophie der West-Berliner Bohéme der 1980er- und 1990er Jahre, die bürgerliche Lebensentwürfe und das Erfüllen von Erwartungen, denen man sich durch die Gesellschaft und das Establishment ausgesetzt sah, strikt ablehnte“, beschreibt Kristin Thelen, auch im Namen ihrer Schwester Sonja, den Charakter ihres Bruders. Beeindruckt vom bis dahin nicht bekannten Fundus des Kunstschaffens, organisierte sie bereits mehrere Ausstellungen – nun ist die Schau auch in Neu-Isenburg zu sehen.

Der Titel „Ein Bild von einem Mann“ ist bewusst gewählt und steht typisch für die Arbeiten von Hjalmar Thelen. Schon sein Selbstporträt, mit wenigen, aber markanten Pinselstrichen gesetzt, folgt der auf hervorstechende Eigenschaften der Porträtierten reduzierten Arbeitsweise des Künstlers. Ob „Junger Mann mit Ziegenbart“, die „Straßenmalerin mit Hut und Stiefeln“ oder die „Junge Frau im Halbprofil“ – es sind typische Beispiele der Arbeiten von Hjalmar Thelen. Viele Gesichter stehen für einen bestimmten Typus, sie erinnern an prominente Zeitgenossen.

„Ich glaube nicht, dass mein Bruder Uli Hoeneß getroffen hat, aber das Porträt hat eine frappierende Ähnlichkeit – es könnte aber auch der nachdenkliche Helmut Kohl sein“, verweist Kristin Thelen auf zwei Beispiele. „Ist das dort nicht Andrea Nahles?“, fragen sich viele Besucher. Oder daneben Charleen von Monaco – es könnte aber auch Charlize Theron sein? So finden sich viele weitere Charakterköpfe, die Thelen in der ihm einenen Art auf die Leinwand gebracht hat.

Es wäre sehr schade gewesen, wenn diese besonderen Kunstwerke nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangt wären. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Verein Kroatien Neu-Isenburg und dem Isenburger Kunstsammler Wolfgang Kuhn erstellt wurde, ist noch bis Freitag, 28. September, in der Alten Goetheschule, Hugenottenallee 82, zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare