Neu-Isenburger Stadtbibliothek

Kulinarischer Lesegenuss

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Zum 21. Mal feierten der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur und die Stadtbibliothek Neu-Isenburg gemeinsam ihren Neujahrsempfang. Zu diesem hatten sie sich wieder eine erfolgreiche Autorin eingeladen.

Volles Haus beim Neujahrsempfang des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) und der Stadtbibliothek Neu-Isenburg. Schon zum 21. Mal begingen Bibliothek und Verein das neue Jahr gemeinsam und in diesem Jahr hatten sie eine ganz besonders spannende Autorin eingeladen. Silke Scheuermann war gemeinsam mit ihrer Lektorin Sabine Baumann mit ihrem jüngsten Roman „Wovon wir lebten“ zu Gast im Obergeschoss der Bibliothek.

Das Buch ist nicht ganz leichte Kost. Die Autorin lässt in ihrem eigenen Wohnort Offenbach ihren Protagonisten Marten in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Der Leser begleitet den Jungen Merten auf 525 Seiten beim Erwachsenwerden: Sex, Drogen, Arbeitermilieu und Aufstieg zum Sternekoch und die große Gefahr, erneut abzustürzen. Die Gäste bekamen in kurzen Lese-Szenen einen Einblick in das Leben des Jungen.

In feiner Bildsprache, aber klar und ohne Schnörkel, erzählt Scheuermann vom kindlichen Glück, dass Merten empfindet, wenn seine Mutter, ausnahmsweise mal nicht betrunken, nachts in der Küche Kuchen backt. Sie nimmt die Leser mit in die Küchen des Sterne-Restaurant, dass ihr Protagonist sich aufbaut. Den Besuchern des Empfangs läuft sicher das Wasser im Mund zusammen, bei den genauen Beschreibungen der kulinarischen Genüsse.

Immer wieder unterbrechen die beiden Frauen die Leseszenen und berichten von der Arbeit an dem Buch und über das Leben von Silke Scheuermann. Die Autorin wird in der Literaturszene als

Doppelbegabung

gefeiert, weil sie neben beeindruckenden Romanen auch spannende Lyrik schreibt, die mit Preisen überhäuft wurde. Silke Scheuermann gewann ein Stipendium in der Villa Massimo in Rom sowie den Hölty-Preis für Lyrik der Stadt Hannover. Als Poetik-Dozentin unterrichtete sie Studenten an der Hochschule in Wiesbaden und wurde mit dem Bertolt-Brecht-Preis und dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet.

„Ich habe fünf Jahre für dieses Buch recherchiert, und es fiel mir anfangs schwer, weil ich mich erstmals in die Perspektive eines Jungen begeben habe“, berichtet Scheuermann. Für die Szenen in den Küchen habe sie mit dem erfolgreichen Koch Andreas Neubauer eine gute Quelle bei der Recherche gehabt. „Das war schon spannend, wir haben oft gut gegessen, köstliche Trüffel Spaghetti. Das war sofort vorbei, als ich dann angefangen habe, zu schreiben. Dann gab es nur noch Eier – Rührei, Spiegelei, Eier in allen Formen, die schnell gehen.“ Eigentlich sei das Buch eine Rohfassung, „es wurde mir sozusagen unter den Händen für den Druck weggerissen“, erzählt die Autorin mit einem Lächeln. Keine Frage, die kurzen Lesestücke machten Lust auf mehr von „Wovon wir lebten“.

Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) erinnerte im Jubiläumsjahr der Stadtbibliothek auch an 40 Jahre Medienarbeit an der Hugenottenhalle. „Die Wurzeln liegen aber viel länger zurück. Schon 1902 teilten sich 20 Leser die ersten 100 Bücher“, erinnerte Hunkel an die Anfänge. Rund dreiviertel der Besucher des Empfangs, so schätzte Hunkel, waren Mitglieder des GHK.

Auch für Jutta Duchmann, Leiterin der Stadtbibliothek Neu-Isenburg, ist es eine schöne Kooperation; sie hatte über die Jahre viele bekannte Autoren in den Räumen zu Gast. „Bei der ersten Veranstaltung hatten wir Lea Fleischmann hier, eine Jüdin, die lange in Deutschland gelebt hatte, dann aber zurück nach Israel gegangen ist. Sie hat damals „Das Judentum für Nicht-Juden erklärt“ gelesen“. Seither waren Ingo Schulze, Fritz Rau, Jan Seghers und im vergangenen Jahr der deutsche Buchpreisträger Frank Witzel da.

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