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Landflucht sorgte für Siedler

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Von: Leo Postl

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Die Siedlergemeinschaft Buchenbusch feiert 80-jähriges Bestehen – und sie will 100 werden. Auch weiterhin soll ihr Siedlungscharakter im Bebauungsplan Bestand haben.

Im kleinen aber feinen Rahmen feierte die Siedlergemeinschaft Buchenbusch ihr 80-jähriges Bestehen. Zur akademischen Feier im Siedlerhaus waren nur auserwählte Gäste aus Politik und dem Neu-Isenburger Vereinsleben geladen. Eine Dokumentation über die Entstehung der Siedlung Buchenbusch im einstigen Wald am südlichen Rand von Neu-Isenburg gab der Feier den geschichtlichen Rahmen. Der Kümmler-Chor sang dem Geburtstagskind ein Ständchen: „Seid willkommen, liebe Gäste, aus der Ferne und aus nah. Euch zu begrüßen, deshalb sind wir da.“

Der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Buchenbusch, Peter Braun, hieß die Gäste willkommen, an der Spitze Landrat Oliver Quilling (CDU), Sport- und Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU), den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Neu-Isenburger Vereine, Walter Bechtold, und ganz besonders den Schirmherrn, Neu-Isenburgs Ersten Stadtrat Stefan Schmitt (CDU).

„Was einst für finanzschwache Familien entstanden ist, hat sich heute zu einem besonders beliebten Wohngebiet von Neu-Isenburg entwickelt“, betonte Braun. Er verwies darauf, dass die Sportgruppe ihr 40-jähriges Bestehen feiern kann. Sie besteht aus den recht erfolgreichen Hobby-Fußballern, außerdem gibt es die Frauengymnastikgruppe um Ursula Braun, das Kinderturnen sowie die weit über die Grenzen der Siedlergemeinschaft hinaus bekannte Karneval-Gruppe.

Gefahr von Unruhen

Den geschichtlichen Rückblick übernahm Helmut Krapf, da das lebende Urgestein der Siedler die Geschichte von den Anfängen selbst miterlebt hatte. „Mit 30 hugenottischen Familien entstand 1699 die Siedlung Neu-Isenburg und 233 Jahre später waren es 30 Plätze, die für die ersten Siedlern hier im Buchenbusch ausgewiesen wurden“, stellte Krapf den historisch bedeutsamen Bezug her. „Die Siedlung Buchenbusch war und ist immer noch ein Sinnbild des guten nachbarschaftlichen Miteinanders“, so der Chronist.

„Mit der Reichsverordnung vom 6. Oktober 1931 zur Schaffung von vorstädtischen Siedlungen wollten die damals Verantwortlichen nicht nur dem wilden Bauen am Stadtrand entgegenwirken, sondern auch verhindern, dass soziale Unruhen aufkommen. Denn es herrschte eine große Wohnungsnot, da viele Menschen vom Land in die Stadt zogen“, erläuterte Helmut Krapf die historischen Gegebenheiten. Man wollte den Menschen, die von einer persönlichen Nutzlosigkeit befallen waren, die Möglichkeit geben, durch den Bau von Wohnungen neue Werte zu schaffen, die dem Leben wieder Sinn geben, verwies Krapf auf den sozialpolitischen Aspekt dieser Eigeninitiative.

Der damalige Bürgermeister Wilhelm Arnoul (SPD) legte dann 1936 den Grundstein für das erste Siedlungsgebiet. „Zur Erstausstattung der Siedler gehörten, gemäß der Verordnung, ein Schubkarren, ein Spaten, ein Rechen sowie ein Hahn und zwei Hühner“, sagte Krapf zur Überraschung der Festgesellschaft. Der Hahn hatte es gut, die Menschen mussten jedoch recht hart arbeiten, bis sie ihr Häuschen erstellt hatten. „Der Wald musste gerodet und in beschwerlicher Arbeit die Wurzeln der Bäume ausgegraben werden“, nannte Krapf nur ein Beispiel.

Auch die Siedlung Buchenbusch blieb von den Kriegsereignissen nicht unverschont. Mit Hilfe des Militärs wurden Bunker angelegt, in die dann die Menschen bei Luftalarm flüchten konnten. Infolge von Bombeneinschlägen kamen aber dennoch im Januar 1944 mehrere Siedler ums Leben, wie Helmut Krapf bebichtete. Nach dem Krieg wurde auf dem einstigen Schießstand und rund um den Reitplatz, dort befindet sich heute das Naturfreundehaus, mit dem letzten Bauabschnitt der Siedlung Buchenbusch abgeschlossen. Helmut Krapf verwies auf die großen Siedlerfeste, zu besonderen Anlässen gab es sogar einen Umzug durch die ganze Siedlung, sowie auf die legendären Karnevalsveranstaltungen. „Derzeit gibt es zwar keinen Bebauungsplan, doch wir hoffen, dass man bei Neubauten den Erhalt des Charakters unserer schönen Siedlung berücksichtigt“, sprach Helmut Krapf für die ganze Siedlergemeinschaft.

Besonderer Geist

In seinem Grußwort ging Erster Stadtrat und Planungsdezernent Stefan Schmitt auch gleich darauf ein. „Das Erscheinungsbild der Siedlung Buchenbusch hat sich gewandelt und auf den relativ großen Grundstücken ist durch Zweitbebauung eine Nachverdichtung entstanden. Wir achten aber bei jedem Bauantrag darauf, dass das Vorhaben im Einklang mit dem Siedlungscharakter steht“, betont Schmitt.

Der Schirmherr lobte den immer noch bestehenden Zusammenhalt im Buchenbusch, der insbesondere von dem Verein der Siedlergemeinschaft mit ihren 235 Mitgliedern gewährleistet wird.

Helmut Ploch, stellvertretender Vorsitzender des Landeverbands Wohneigentum Hessen lobte die besondere Gemeinschaft innerhalb der Siedlervereine, die auch heute noch etwas Besonderes sei. Er beglückwünschte die Siedlergemeinschaft Buchenbusch zu ihrem Jubiläum und überreichte Peter Braun eine Jubiläumsurkunde. Dem Siedler-Paar Hannelore und Wolfgang Siebert überreichte er für ihre 50-jährige Mitgliedschaft die Ehrennadel in Gold. Ingeborg und Werner Krause erhielten die Ehrennadel in Silber; sie gehören seit 25 Jahren der Siedlergemeinschaft Buchenbusch an.

Landrat Oliver Quilling, der als ehemaliger Neu-Isenburger Bürgermeister viele Jahre die Geschichte der Siedler miterlebte, hob den besonderen Geist der Siedler hervor, die in ihrer eigenen Welt lebten. „Ich habe mal einen Siedler getroffen, der mir sagte, dass er in der Stadt einkaufen war – nicht in Frankfurt, sondern auf dem Wochenmarkt in der Bahnstraße.“

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