Historikerin lädt zur Zeitreise ein

Leben im Welschen Dorf

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Historikerin Katrin Lindig schlüpfte wieder einmal in die Rolle einer jungen Dame des 17. Jahrhunderts. Dabei schilderte sie das Leben geflüchteter Hugenotten.

Man drehe die Zeit um 318 Jahre zurück und versetze sich in das Leben der neu gegründeten Siedlung geflüchteter Hugenotten: Neu-Isenburg. Graf Johann Philipp zu Isenburg und Büdingen hatte den 34 aus Südfrankreich geflüchteten Familien ein Stück Land sowie verschiedene Sonderrechte überlassen. Dafür mussten sie ihm den Treueid ablegen. Dies geschah 1699, damit war auch die Gründung der Hugenottensiedlung amtlich besiegelt.

Doch was geschah seitdem in dem kleinen Dorf? Die Neu-Isenburger Historikerin Katrin Lindig hat es sich zur Aufgabe gemacht, das damalige Leben im Welschen Dorf so realistisch wie möglich zu schildern – und dies aus Sicht einer jungen Frau. Dazu schlüpfte sie nun wieder einmal in die damals typische weibliche Kleidung und führte bei einer historischen Stadtführung an geschichtsträchtige Orte: das Gotteshaus, die Schule, das Haus zum Löwen und das Rathaus.

So seien die Menschen geflüchtet, weil sie ihren calvinistischen Glauben nicht mehr behalten durften. Sie sollten zum katholischen Glauben des Königs wechseln, führte Hugenottendame Lindig beim Blick auf die evangelisch-reformierte Kirche am Marktplatz aus. Da in der Siedlung keine Landwirtschaft möglich war, besannen sich die Neubürger auf ihr Handwerk. So blühte die Hasenhaarschneiderei und Strumpfwirkerei wieder auf. Aber die Hugenotten waren auch gute Zimmerleute, Schreiner oder Lederverarbeiter. „Ja, ich konnte sogar lesen und schreiben“, überraschte die Hugenottendame die Teilnehmer an der alten französischen Schule, was ihr nicht nur Lehrer, sondern auch schlaue Handwerksburschen beibrachten.

Wer sich über die Hugenottengeschichte sachkundig machen will, findet Infos im Heimatmuseum „Haus zum Löwen“ oder im Stadtarchiv. Dort läuft derzeit eine Ausstellung von Dokumenten über den Alten Ort.

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