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Die Trauergruppe wird sich am Sonntag, 17. Februar, das erste Mal in den Räumen von St. Franziskus treffen.

Lebenskrise

Peter Horn initiiert mit Unterstützung der Pfarrgemeinde St. Josef eine neue Trauergruppe

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Peter Horn hat vor fünf Jahren seine Lebensgefährtin verloren. Bis heute hat er die Trauer darüber nicht überwunden und vermisst es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Aus diesem Grund, und um anderen zu helfen, denen es genauso geht wie ihm, will er eine Trauergruppe initiieren.

Bei Peter Horn klingelt wieder mal das Telefon. Am anderen Ende ist ein guter Bekannter, der fragt: „Na, Peter, wie geht’s Dir?“ Das ist vom Anrufer sicherlich gut gemeint, doch für den Isenburger ein Gräuel. „Wie soll es mir schon gehen, in solch einer Situation?“, denkt sich Peter Horn – und würde am liebsten gleich wieder auflegen. Was er derzeit durchmacht, ist ihm nicht unbekannt, dennoch hat es ihn wieder voll erwischt: die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen.

Als Horn 2002 seine Mutter verlor, hat er die Gründung einer Trauergruppe angeregt, um mit „Gleichbetroffenen“ auf einer Ebene reden und so gemeinsam den Schmerz überwinden zu können. Nach einiger Zeit hatte sich die Gruppe jedoch aufgelöst.

Was ihm damals „über den Berg zu kommen“ geholfen hatte, will Peter Horn nun wieder initiieren, denn das Schicksal hat bei ihm erneut zugeschlagen: Vor fünf Jahren verlor der heute 66-Jährige seine Lebensgefährtin, und der Trauerschmerz will einfach nicht nachlassen. „Nur Mitmenschen, die selbst betroffen sind, können sich entsprechend mitteilen“, weiß Horn aus seiner Erfahrung und will nun wieder eine Trauergruppe initiieren.

Parallel-Universum

Mit seinem Ansinnen wurde Horn bei Pfarrer Martin Berker in der katholischen Pfarrei St. Josef vorstellig und stieß auf offene Ohren. „Wenn wir Menschen helfen können, gerade in solchen schwierigen Situationen, dann tun wir dies natürlich gerne“, betont Berker. Die Pfarrgemeinde St. Josef wird einer Trauergruppe nicht nur Räume zur Verfügung stellen, sondern mit Kaplan Pater Biji Purakkeril auch einen Seelsorger. Für Peter Horn ist der aus Indien stammende Kaplan in doppelter Hinsicht ein positiver Mitwirkender in der Trauergruppe. „Wir haben so einen Ansprechpartner, wenn es um Glaubensfragen geht, aber auch jemanden, der uns Einblick in das Trauern einer anderen Kultur geben kann“, sagt Peter Horn.

„Wir leben in einem Parallel-Universum. Da gibt es die Trauernden und die Nichttrauernden – die sich aber überhaupt nicht verstehen“, begründet Horn die Notwendigkeit einer Trauergruppe. Sich plötzlich „einsam und verlassen“ zu fühlen in einer Welt voller Menschen scheint für die Nichtbetroffenen kaum nachvollziehbar, für Peter Horn ist es leider Fakt. „Freilich kommt da mal eine Umarmung, die ist schnell wieder vorbei, aber mal mit jemandem länger darüber zu reden, was den eigentlichen Schmerz ausmacht, das ist mit Nichtbetroffenen kaum möglich“, so Horn. Oft bekommt er zu hören, das ist doch schon ein halbes Jahr her – oder gar noch länger – und immer noch im Trauermodus.

Blockade durchbrechen

Derzeit sieht sich Horn in einem Modus, dass er zwar „funktioniert“, dies aber nicht bedeutet, dass er sich auf einem Weg der Besserung befindet. Seine Befindlichkeit wirkt wie eine Blockade zur Rückkehr in ein „normales“ Leben. „Klar, ich muss zusehen, dass ich meinen Tagesablauf geregelt bekomme, aber ich möchte auch mal mit jemanden über meine Trauer reden können, von dem ich weiß, dass er das auch versteht und nachvollziehen kann“, beschreibt er den „Knoten“, den er gerne aufgelöst haben möchte. Da er weiß, dass es vielen anderen ähnlich ergeht, regte er nun den Gesprächskreis von Trauernden an.

„Mein Kopf sagt mir, dass wir, also meine verstorbene Lebensgefährtin und ich, für eine Weile mal getrennte Wege gehen, aber wie mache ich das meinem Gefühl klar?“, so Horn. Er sieht sein Projekt auch als Selbsthilfe, um aus einem Kreis von Trauer und möglicherweise auch Depression herauszukommen.

Das erste Treffen ist für Sonntag, 17. Februar, von 15 Uhr an in den Räumen des Gemeindezentrums St. Franziskus in der Bahnhofstraße 218 anberaumt. Eingeladen sind Trauernde aller Religionen und auch Konfessionslose. „Es soll eine ganz offene Gesprächsrunde bei Kaffee, Knabbereien und vielleicht auch Kuchen sein“, beschreibt Horn seinen Wunsch. Das Treffen soll dann 14-tägig immer sonntags von 15 bis 18 Uhr fortgesetzt werden. Interessierte können mit Peter Horn unter der Telefonnummer (0 61 02) 3 11 22 Kontakt aufnehmen.

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