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Bei den ersten Tests noch auf Nummer sicher gehen: Ein Feuerwehrmann im Hitzeschutzanzug steht parat.

Feuerwehr

Mit Löschraketen können Kleinbrände in einer Reichweite von rund acht Kilometern bekämpft werden

Der Bedarfsentwicklungsplan wird angepasst: Mit einem erweiterten Löschmittelkonzept reagiert die Feuerwehr auf die Mobilitätsveränderungen in Neu-Isenburg. Kosten: 380 000 Euro.

Baugebiet Birkengewann, Regionaltangente West, Stadtquartier Süd: Neu-Isenburg wird sich in den kommenden Jahren rasant verändern. Die mit der Stadtentwicklung verbundenen Umgestaltungen stellen die Freiwillige Feuerwehr schon jetzt vor große Herausforderungen. Doch Isenburgs Brandschützer haben gute Ideen.

„Die Stadt hat dem Land Hessen einen Mast abgekauft, der ursprünglich in Neu-Isenburg als Havarie-Funkmast für das neue Digitalfunksystem dienen sollte“, sagt Stadtbrandinspektor Stefan Werner. „Das Funk-System läuft aber so problemlos, dass einfach nicht mehr für eine Havarie vorgesorgt werden muss.“ Eben diesen Mast haben ein paar technisch versierte Wehrleute nun zu einer Rampe umgebaut, so dass damit ausgediente Raketenkapseln der Nasa mit Löschmittel bestückt auf die Reise geschickt werden können.

Bundeswehr ist interessiert

Mit diesem ersten Löschraketensystem Deutschlands steht in der Hugenottenstadt seit heute erstmals ein Verfahren zur Verfügung, das es den Feuerwehrleuten bei Kleinbränden ermöglicht, nicht einmal mehr an den Einsatzort ausrücken zu müssen – und so jedem Verkehrsinfarkt in der Stadt entgehen zu können. „Bis zu 50 Liter Wasser, Wasser-Schaum-Gemisch oder Druckluft-Wasser-Schaumgemisch können so auf die Reise geschickt werden“, erläutert Feuerwehrmann Ralph Schrod, den viele Isenburger als Verantwortlichen für das Silvesterfeuerwerk auf dem Dach der Hugenottenhalle kennen. Bei dem Raketenprojekt ist er folgerichtig für die Antriebstechnik zuständig.

„Da dürfen wir aber keine Details verraten, da mittlerweile sogar die Bundeswehr angerufen und Interesse an der Technik angemeldet hat“, so Schrod. Als Reaktion auf den verheerenden Moorbrand im Emsland 2018 suche man offenbar fieberhaft nach einer Technik, um derartige Brände künftig schneller in den Griff zu bekommen.

So weit ist es aber noch nicht: Die ersten Löschkapseln haben eine Reichweite von etwa 8,3 Kilometern und allenfalls das Potenzial, Mülltonnen- oder Autobrände im Außenbereich zu löschen.

„Das Praktische ist aber“, erläutern die Projektleiter Carsten Petz und Jochen Müller, „dass der Mast auf unserem Wechselladerfahrzeug montiert werden kann“. Somit könne diese Löschmethode auch im überörtlichen Betrieb eingesetzt werden.

Kollisionen befürchtet

Bleibt die spannende Frage nach den Kosten. „Mit etwa 380 000 Euro kostet das System in etwa so viel wie ein gewöhnliches Löschfahrzeug“, sagt Stadtbrandinspektor Werner. „Das durchzubekommen, war in der sehr feuerwehrfreundlichen Stadtverordnetenversammlung gar kein Problem.“

Wie diese Zeitung aus vertraulicher Quelle in Erfahrung bringen konnte, blieb den Stadtverordneten aber auch keine Wahl: Ein Alternativkonzept zu dem Raketensystem sah vor, dass künftig E-Feuerwehrautos an einem Oberleitungssystem durch die Stadt geführt werden – durch die Anlage rund um die künftige Regionaltangente West hätte es da eine gute Grundlage gegeben. „Durch die Überlegungen des Baus einer Seilbahn auf der Frankfurter Straße bis zum Hessentag 2026 hätte es aber technisch massive Kollisionen gegeben“, berichtet ein Vertrauter des Ersten Stadtrats Stefan Schmitt. Trotzdem wollte man den kreativen Ideen der Wehr natürlich nicht gänzlich ablehnend gegenüberstehen.

Die Feuerwehr appelliert an alle Isenburger, künftig Ruhe zu bewahren, wenn sie einen Leuchtstreif am Himmel entdecken. „Alles eine Frage der Gewohnheit“, meint Werner.

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(red)

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