Lernen, über den eigenen Tellerrand zu blicken

Lydia Zoubek bloggt seit einem Jahr über ihr Leben als blinde Mutter

Sie ist blind, Mutter und hat einen Migrationshintergrund. Lydia Zoubek bloggt aus ihrem Leben und möchte damit helfen, Vorurteile abzubauen.

Lydia Zoubek ist in Neu-Isenburg keine Unbekannte. Sie setzt sich ein für die Rechte von Benachteiligten und Behinderten unter anderem für die Arab-Episkopal-School in Jordanien. Seit Juni 2016 bloggt die heute 49-Jährige aus ihrem Leben. In ihrem lesenswerten Internetblog schreibt sie über alles rund um die Themen Sehbehinderung, blinde Eltern und Migrationshintergrund. Sie möchte die Leser für diese Themen sensibilisieren und dazu bringen, über den eigenen Tellerrand zu blicken und eine andere Perspektive einzunehmen.

„Ich bin der Ansicht, dass unsere Gesellschaft oft ein falsches Bild von Menschen mit Behinderung hat. Die Meinungen reichen von ,Wieso bekommt so jemand Kinder’, bis hin zu ,die muss eine Begleitung mitnehmen, wenn sie Sport treiben will’. Kurz und gut, ich möchte ein Stück dazu beitragen, dass normal sehende Menschen mit mir auf Augenhöhe kommunizieren – und nicht von oben herab. Und das setzt Aufklärungsarbeit voraus“, so Zoubek. Ihre Beiträge sind aus dem täglichen Leben gegriffen. „Damit versuche ich, meine Leser da abzuholen, wo sie gerade stehen und sie mitzunehmen. Meine Beiträge leben auch von Ereignissen aus meinem Alltag, aber auch von Fragen, die mir meine Leser stellen“, führt die Bloggerin aus. Und damit das nicht zu einseitig wird, lässt sie auch mal andere betroffene Gastschreiber zu Wort kommen.

Ihr Blog hat inzwischen mehr als 100 feste Follower. Was am 14. Juni 2016 mit ihrem Beitrag „Als blindes Kind arabischer Eltern“ begann, ist heute ein Blog mit mehr als 50 Beiträgen zu den unterschiedlichsten Themen rund um Sehbehinderung. Die Themen reichen von „Wie erkennen blinde Menschen ihr Geld“, über „Wie koche ich ohne zu sehen“, bis hin zu Beiträge rund um blinde Eltern mit normal sehenden Kindern.

Lydia Zoubek braucht kein Mitleid. Nur ab und zu Hilfe, beispielsweise beim Erstellen von Fotos für ihren Blog, oder bei der Recherche auf nicht barrierefrei programmierten Seiten. Diese Hilfe hat sie teilweise im sozialen Umfeld gefunden, teilweise aber auch selbst bezahlt.

„Ich möchte vor allem denjenigen

Danke sagen

, die mir oft schnell und unkompliziert geholfen haben.“ Ihre Artikel stellt sie kostenlos zur Verfügung. „Für diejenigen, die möchten, gibt es aber auch die Möglichkeit, meine Arbeit mit einem kleinen Geldbetrag zu unterstützen.“

Lydia Zoubek kam im Alter von vier Jahren nach Neu-Isenburg und lebte hier bis zu ihrem neunten Lebensjahr. Nach Abitur, Studium und Ausbildung kehrte sie nach Neu-Isenburg zurück. 1996 zog sie nach Frankfurt. Dort arbeitete sie im Telefonmarketing, heiratete und bekam zwei Kinder. Seit 2002 lebt sie wieder mit ihrer Familie in Neu-Isenburg.

(fnp)

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