Experte warnt

Macht dieser Falter bald die Flatter?

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Die Bebauung des Birkengewann gehört zu den ehrgeizigsten Projekten der Hugenottenstadt: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau errichtet bis Frühjahr 2019 dort 200 Wohnungen und 24 Reihenhäuser. Insgesamt 70 Millionen Euro kostet das Vorhaben – und einer Falterart möglicherweise das Leben. Doch Schmetterlingsfreund Joachim Wolf will das nicht kampflos hinnehmen.

Der „Thymelicus Sylvestris“ ist eine Schönheit für den zweiten Blick: Klein und wendig, braucht es schon ein geübtes Auge, den ockergelben Gesellen zu erkennen, wie er von Grashalm zu Grashalm flattert. Der Neu-Isenburger Pensionär Joachim Wolf hat geübte Augen, denen keine noch so kleinen Wunder der Natur entgehen – und er hat ein Herz, das leidenschaftlich für ihren Schutz schlägt.

Im Juni 2017 zählte er auf einem Feld im östlichen Teil des Birkengewann neben der Offenbacher Straße in kurzer Zeit gleich 30 Exemplare des Braun-Dickkopffalters, wie das Insekt auf Deutsch heißt. „Um den Nachweis ihres Vorkommens zu erbringen, entnahm ich einige Belegexemplare und präparierte sie“, berichtet Wolf. Die Schmetterlinge würden demnächst im Senckenbergmuseum ausgestellt.

Schwacher Trost

Dass die Falter – tot und aufgespießt – von Museumsbesuchern hinter Glas bewundert werden können, ist für den Naturfreund, der sich bescheiden als „Wasserträger für die Wissenschaft“ bezeichnet, ein schwacher Trost. Denn in seiner natürlichen Umgebung, der Wiese im Birkengewann, schlägt laut Wolf bald die letzte Stunde des tagaktiven Falters. „Hier, an dieser Stelle, hat er optimale Lebensbedingungen gefunden“, sagte er beim Ortstermin mit dieser Zeitung. Dabei sei er besonders wählerisch: Für die Eiablage und die Entwicklung der Larven benötige der Braun-Dickkopffalter ungemähten und nicht beweideten Magerrasen. Das heißt: Eine sehr artenreiche und an Wassermangel angepasste Vegetation.

Der Ur-Neu-Isenburger Wolf entspricht nicht dem, was voreingenommene Zeitgenossen gerne als „Öko-Spinner“ abtun. So kennt er Bürgermeister Herbert Hunkel seit gemeinsamen Lehrlingstagen und genießt auch bei Hildegard Dombrowe, Biologin in Diensten der Stadt, hohes Ansehen. War es doch Wolf, der als Erster auf das Vorkommen des Schwarzblauen Ameisenbläulings in der Erlenbachaue hingewiesen hatte – ein Umstand, der Jahre später dazu führte, dass die Aue als Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen wurde. Hildegard Dombrowe hat denn auch mit Wolf einen Ortstermin im April vereinbart, um, so Wolf, „zu gucken, ob man doch noch irgendetwas tun kann für den Erhalt des Falters.“

Biologen wollen reagieren

Auf Anfrage dieser Zeitung weist die Biologin aber auch darauf hin, „dass der Bebauungsplan Birkengewann explizit die Erhaltung von Brache- und Gehölzflächen vorsehe, um Lebensraum für Tierarten zu erhalten – insbesondere für die Zauneidechse.“ Davon, so Dombrowe, profitiere wiederum der Braun-Dickkopffalter. „Denn durch die in Vorbereitung befindlichen Vorkehrungen zum Schutz der Zauneidechse werden auch Teillebensräume mit offenen, magerrasenähnlichen Sandbereichen erhalten und gefördert.“ Die Pflege der Grünflächen solle nach Worten der Biologin weiterhin sehr extensiv betrieben werden, so dass hier auch Vögel und Insekten Lebensraum fänden.

Auch bei Heinz Kapp, dem Vorsitzenden des Naturschutzbund Neu-Isenburg, stößt der Schmetterlingsfreund mit seinem Appell auf offene Ohren – auch wenn er einräumt, vom Braun-Dickkopffalter erst durch Wolf erfahren zu haben. „Es wurde viel in Sachen Naturerhalt im Bebauungsplan berücksichtigt“, sagt Kapp. „Wobei auch viel verloren geht.“ Und zum Falter: „Wenn auf der betreffenden Fläche nicht direkt ein Haus gebaut werden soll, können wir vielleicht noch etwas zu seinem Schutz tun.“

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