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Eine besondere Herausforderung: Beim Marathon in Neuseeland in diesem Jahr ging es nicht nur über unebene Wege in den Bergen, Andrea Helmuth musste auch zahlreiche Flüsse durchqueren und stand manchmal hüfthoch im Wasser.

Magische Momente

Extremsportlerin Andrea Helmuth hat sich bereits alle sieben Kontinente erlaufen

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Das können nur wenige von sich sagen: Die Marathonläuferin Andrea Helmuth hat alle sieben Kontinente abgehakt. Ob Wüste, Eis oder Metropole – für ihr Herzensprojekt schreckte die 55-Jährige vor keiner Herausforderung zurück. Dabei hat sie recht spät die Liebe zum Marathon entdeckt.

In einer hübschen Kiste hat Andrea Helmuth die Erinnerungen an ihr außergewöhnliches Kontinente-Projekt gesammelt. Liebevoll hebt sie die Medaillen und Startnummern heraus: „Shotover Moonlight Mountain Marathon Neuseeland 2018“, „Antarctica Marathon“ in King George Island 2009 oder der „Patagonia International“ 2014 im südamerikanischen Chile. Während andere Menschen träumen, überhaupt einen 42-Kilometer-Lauf zu schaffen, ist die Neu-Isenburgerin innerhalb von neun Jahren auf allen sieben Kontinenten gelaufen. „Sieben deshalb, weil ich Nord- und Südamerika getrennt gezählt habe, plus die Antarktis“, erklärt die Extremsportlerin.

Alles an Andrea Helmuth ist lebendig. Ihre Ausstrahlung, ihre Sprache und ihre unglaublichen Erlebnisse. Die 55-Jährige sprüht geradezu vor Energie, wenn sie von ihren Abenteuern erzählt. Als Station in Europa hat sie für das Kontinente-Projekt den Frankfurt Marathon 2013 gezählt: „Das passt irgendwie, hier bin ich geboren und den Marathon bin ich schon öfter gelaufen.“

Sonst aber sind ungewöhnliche – und nicht gerade einfache – Orte auf ihrer Liste: 2012 feierte sie mit dem Stadtmarathon in Tokio einen Erfolg in Asien. Bereits 2010 reiste sie mit ihrem Lebensgefährten Kay Spamer, der sie auf allen Abenteuern begleitet, nach Afrika: 100 Kilometer durch die Sahara in Tunesien. Beim Marathonlauf war überall Sand, meterhohe Dünen, eine ordentliche Hitze und sie hatte Blasen an den Füßen. Die großartigen Fotografien, für die Spamer zuständig ist, kommen aus der Antarktis, vom Lake Tahoe (USA, 2013), aus Patagonien (Chile, 2014) und Neuseeland. Dort holte Helmuth in diesem Jahr die letzte fehlende Medaille ihrer Kontinenten-Sammlung.

Für die Isenburgerin sind ihre Abenteuer mehr als Sport. Bei aller Anstrengung bleibt immer ein Blick auf die atemberaubende Natur. Bilder, festgehalten auf Fotos, aber noch viel tiefer im Kopf. „Der Marathon in Neuseeland war noch mal was ganz Besonderes in diesem Jahr“, sagt sie. Mit dem Helikopter ging es an den Start im Nirgendwo, danach durch wilde Natur. Das Laufen fiel dort schwer. „Ich habe bei der 30. Flussdurchquerung aufgehört zu zählen“, sagt Helmuth und deutet lächelnd auf ein Foto, das sie hüfthoch im Wasser zeigt.

In der Antarktis konnte sie eine Pinguin-Kolonie aus unmittelbarer Nähe bestaunen. „Wir erleben auf unseren Reisen natürlich den Sport, persönliche Grenzen und das absolute Glücksgefühl im Ziel. Aber es geht darüber hinaus: Es sind magische Momente mit Tieren und der Natur. Mein Horizont wurde so unglaublich groß“, sagt die Assistentin in der Bankbranche.

Das Kontinente-Projekt war eine Herzensangelegenheit, aber nicht die erste Liste, die Helmuth abgearbeitet hat. Das Isenburger Paar ist auch innerhalb eines Jahres einen Marathon in jedem deutschen Bundesland gelaufen – plus einen auf Mallorca, dem 17. Bundesland, sagt sie scherzend. „Da kam ich an Orte, an die ich sonst nie gekommen wäre. Vielleicht aber auch nicht mehr hin muss“, räumt sie lachend ein. Zusammen mit ihrem Partner ist sie Marathons auf Gozo gelaufen, in Spitzbergen in Norwegen, in Prag, die Liste ist lang und die gemeinsame Medaillensammlung im Hausflur groß.

Als sie an ihrem 40. Geburtstag im Jahr 2003 ihren ersten Marathon in Mainz lief, hat Helmuth nicht geahnt, wohin das führen würde. „Wie so viele wollte ich einmal im Leben die 42 Kilometer schaffen, einfach nur ankommen“, erinnert sie sich schmunzelnd. Inzwischen sind das Laufen und der Triathlon mehr als ein Hobby: Leidenschaft, aber auch Antrieb. „Ich habe noch so viele Pläne. Kanada muss ich unbedingt noch laufen, da ist die Medaille wunderschön in Ahornblatt-Form. Die fehlt in meiner Sammlung. Alle EU-Staaten für einen Marathon bereist zu haben, ist ein nächster Plan“, kündigt sie an. Ihr großer Traum ist es, beim Ironman in Hawaii zu starten. „Das gehe ich im nächsten Jahr an. Ich versuche, die Qualifikation zu erreichen und muss dafür ein Rennen meiner Altersklasse gewinnen – nicht ganz einfach, aber mit ein bisschen Glück an einem guten Tag machbar“, sagt Helmuth. Sie müsse ja schließlich weiter träumen können.

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