Markus Grimm

Ein Mann mit vielen Akzenten

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Nun gilt „Hamlet“ ohnehin als eines der literarisch anspruchsvollsten Theaterstücke – eine Steigerung ist zweifelsohne, dies als Solo-Theater darzubieten.

Nun gilt „Hamlet“ ohnehin als eines der literarisch anspruchsvollsten Theaterstücke – eine Steigerung ist zweifelsohne, dies als Solo-Theater darzubieten. An diese ganz besondere Herausforderung wagte sich der promovierte Theologe, Schriftsteller und Schauspieler Markus Grimm. Nach seinen ersten Kontakten mit der Theaterbühne an der Werkstattbühne, im Theater Chambinzky und am Mainfranken Theater machte sich Grimm 2004 selbstständig und entwickelte eine eigenständige Form des solistischen Erzähltheaters. Nun gastierte Markus Grimm mit William Skakespeares „Die Zeit ist aus den Fugen“ im Bürgerhaus Zeppelinheim.

Wie vermittelt ein Schauspieler als einziger Akteur auf der Bühne die Rollen des Prinzen Hamlet, der zur Beerdigung seines Vaters kommt, die des verhassten Onkels, den seine Mutter heiratete, sowie die des Geistes, der als sein verstorbener Vater erschien? Markus Grimm machte sich nicht die Mühe, den unterschiedlichen Personen eine eigene Sprache zu geben. Der Solo-Akteur schlüpfte vielmehr in ihre Charaktere und vermittelte die Eigenheiten der Personen mit Hilfe von Gesten und Stimmenakzenten. Darin lag die besondere Stärke von Markus Grimm. Der Solo-Künstler stand auf der Bühne, trug die Zweifel des Prinzen Hamlet über den Tod seines Vaters ebenso emotional vor, wie die Vokabular-Attacken des verhassten Onkels, der aufgrund der Heirat seiner Mutter eine besondere Stellung einnahm und sich als neuer König aufspielte.

Der Inhalt des Stückes dürfte den Kennern vertraut sein: Der Geist seines Vaters erscheint und behauptet, ermordet worden zu sein. Hamlet soll diesen Mord nun rächen. Doch Hamlet ist kein Rächer, er verlegt sich auf gespielten Wahnsinn, der aber immer realer wird, so dass das Unheil seinen spektakulären Lauf nimmt.

Markus Grimm gelang es, obwohl er ganz allein auf der Bühne spielte, die Zuhörer mit der Materie des Stücks zu fesseln. Mal blickte er nach links, wo er seine Mutter vermutete, mal nach rechts, wo sein ungeliebter Onkel zu stehen schien und trug ihnen seine gespielten virulenten Ansichten vor. Kein Wort darf da falsch gesetzt sein, keine Gestik und Bewegung nicht der Situation angepasst. Als Einzelkünstler ist er allen Blicken ausgesetzt. Markus Grimm gelang diese Herausforderung mit Bravour.

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