Ihr fehlen die Einkaufsläden

Margarethe Schmidt bemängelt die Nahversorgung in Zeppelinheim

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Als Margarethe Schmidt 1939 als Kind nach Zeppelinheim kam, gab es dort so gut wie keine Geschäfte. Das änderte sich nach dem Krieg aber schnell. Doch inzwischen ist die Nahversorgung im Ort wieder recht dürftig. Schmidt will das nicht einfach so hinnehmen.

Margaretha Schmidt blättert lächelnd in ihren handschriftlichen Aufzeichnungen. Immer wieder hat die inzwischen 85 Jahre alte Zeppelinheimerin aufgeschrieben, wie sich der Einzelhandel in ihrem Stadtteil entwickelt hat. „Ich ärgere mich jetzt ein wenig, dass es so gelobt wird, dass Zeppelinheim dreimal in der Woche von mobilen Markthändlern beliefert wird. Das ist natürlich besser als gar nichts, und ich erkenne auch die Bemühungen an, dass die Stadt versucht, unsere Versorgung mit Lebensmitteln aufrecht zu erhalten – aber es ist nur ein Bruchteil des Angebots, das wir früher hier hatten“, sagt Margaretha Schmidt.

Sie wurde als Kind eines Zeppelin-Maschinisten in Friedrichshafen geboren. 1939 kam sie mit ihrer Familie in den Ort und wurde auch gleich eingeschult. „Unsere Schule war in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, und wir waren zu dritt in der ersten Klasse“, erinnert sie sich. Auch damals gab es so gut wie keine Versorgung mit Lebensmitteln, die Frauen seien meist nach Walldorf zum Einkaufen gegangen. Letztlich sei es dem Engagement der Damen in Zeppelinheim zu verdanken gewesen, dass sich nach und nach Einkaufsmöglichkeiten entwickelten. „Frau Klemenz verkaufte Butter und Milch von einer Groß-Gerauer Molkerei, Frau Heck sammelte die Fleisch- und Wurstbestellungen für die Firma Wirth in Neu-Isenburg, die dann aus der Garage des Kindergartens ausgegeben wurden, und Frau Ilg verkaufte Obst und Gemüse ebenfalls aus ihrer Garage, die später ausgebaut wurde“, berichtet Schmidt.

Nach dem Krieg und der amerikanischen Besetzung Zeppelinheims, ging Anfang der 1950er Jahre das Leben in den Straßen wieder los. „Und dann begann auch unsere Infrastruktur zu wachsen. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten gab es ein Lebensmittelgeschäft, einen Metzger, eine Bäckerei mit Tagescafé, eine Bankfiliale, eine Post und sogar einen Blumenladen sowie einen Damen- und Herrenfriseur“, erzählt die Zeppelinheimerin. Die Frauen seien oftmals Zuhause gewesen, die Männer hatten die Autos und waren arbeiten. „Als dann später auch die Frauen Autos bekamen – das Zweitauto in Mode kam – war das eigentlich der

Beginn des Untergangs

des Einzelhandels in Zeppelinheim“, nennt Schmidt als Grund.

Die Mütter holten ihre Kinder mit dem Auto von den weiterführenden Schulen ab, waren dann sowieso in Neu-Isenburg, Frankfurt oder Mörfelden und tätigten dort auch ihre Einkäufe. Die Auswahl in den langsam wachsenden Supermärkten war größer, die Preise in den Discountern günstiger. In den 1980er Jahren fing das Ladensterben an, der Metzger schloss als erstes, dann das Café. Als Ende 2011 der einzige verbleibende Lebensmittelladen schloss, war auch eine eigene Poststelle in Zeppelinheim Geschichte. „Noch nicht mal eine Bankfiliale gibt es noch – nur noch einen Bankautomaten. Das ist mir persönlich aber zu unsicher“, sagt Margaretha Schmidt.

Ihr sei durchaus bewusst, dass ein potenzielles Geschäft in Zeppelinheim heute keine Chance mehr zum Überleben hat. „Ich träume nicht mehr von einem Supermarkt in unserem Ortsteil. Ich weiß, dass die Umsätze von den Müttern und Senioren, die es eben nicht so leicht nach Neu-Isenburg schaffen, nicht ausreichen, damit ein Unternehmer überleben kann“, erklärt die 85-Jährige. Sie selbst fahre noch regelmäßig mit dem Bus nach Neu-Isenburg. Dann geht sie zum Einkaufen und auch zur Bank. „Um mich geht es weniger. Ich habe auch eine Tochter, die hier lebt, sie kann mich mit versorgen, falls es einmal nicht mehr so geht.“ Aber Margaretha Schmidt ist enttäuscht darüber, dass keine praktikable Lösung für Senioren gefunden werden kann. Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, die vielleicht schon auf einen Rollator angewiesen sind und möglicherweise keine Kinder oder Verwandten mehr in Zeppelinheim haben.

Schmidt hat auch einen konkreten Vorschlag, wie Abhilfe zu schaffen wäre: „Ich habe das auch schon angesprochen, vielleicht könnten wir zweimal in der Woche mit einem Kleinbus zu einem großen Supermarkt in der Region fahren. Auf dem Hinweg könnten sich alle am Bürgerhaus treffen, und auf dem Rückweg könnte man mehrere Haltestationen einrichten, damit die Leute mit ihren Einkäufen nicht so weit laufen müssen. Das kann doch eigentlich gar nicht so schwer sein“, so die engagierte Seniorin. Sie habe diesbezüglich bereits mit Ortsvorsteher Sebastian Stern gesprochen. Er habe ihr aber gesagt, dass diese Lösung nicht zu finanzieren sei. „Aber ich werde nicht locker lassen. Es muss doch eine Lösung zu finden sein“, betont Schmidt. Die mobilen Händler seien schon recht fein, aber die Leute bräuchten schließlich noch mehr für ihr tägliches Leben als Nahrungsmittel.

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